Hans Eijkelboom – Photographische Konzepte, 1970 bis heute

Eine Ausstellung der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur in Zusammenarbeit mit dem Künstler | 4. November 2016 – 19. März 2017

Hans Eijkelboom: Regenschauer, 1971 © Hans Eijkelboom

 

"...Langeweile hat in dieser Ausstellung keine Chance,.."
Thomas Linden, Kölnische Rundschau vom 4. November 2016

"...Auch in ihrer fotografischen Konsequenz ist diese Ausstellung ein Juwel."
Thomas Hirsch, Choices Nr. 12, 2016

 

Die umfassende Retrospektive widmet sich dem konzeptuellen Werk des niederländischen Künstlers Hans Eijkelboom (*1949), der die Photographie seit jungen Jahren als eines seiner zentralen künstlerischen Ausdrucksmittel nutzt. Ein Schlüsselerlebnis war für ihn seine Teilnahme an der Ausstellung Sonsbeek Buiten de Perken, 1971 in seiner damaligen Heimatstadt Arnheim. Arbeiten der heute hoch anerkannter Konzeptkünstler wie Carl Andre, Robert Smithson, Douglas Huebler, Ed Ruscha etc. etc. wurden gezeigt – eine ausgezeichnete Gesellschaft, unter deren Einfluss Eijkelbooms Schaffen seinen Anfang nahm. Zahl- und variationsreich entwickelte er seit den 1970er-Jahren Projekte, die sich grundlegend mit der Entwicklung und Existenz von Ideal- und Vorstellungsbildern beschäftigten, mit (photographischen) Klischees und Vorurteilen, mit Vorgängen der Typenbildung, dem Typisieren und Vergleichen als strukturierende Methoden. Dabei ging es ihm immer wieder um das Hinterfragen von Rezeptionsvorgängen als Voraussetzung für die persönliche und kollektive Identitätsentwicklung und Möglichkeiten der Erkenntnisgewinnung.

Was sich zunächst abstrakt anhört, gewinnt in der Praxis überzeugend klare, lebensnahe und auch komische Formen, dargestellt in vielen systematischen oft mit kurzen erläuternden Texten einhergehenden Bildreihen, in denen der Mensch eine Hauptrolle einnimmt. Auch Eijkelboom selbst schlüpft für seine eigens erstellten Konzepte und Versuchsreihen in immer neue Rollen und Situationen, in Ver- und Umkleidungen und bezieht gezielt Bürger, Freunde und Unbekannte spielerisch ein.

Hans Eijkelboom: Mit meiner Familie, 1973 © Hans Eijkelboom

Seit 1979 machte er sich zudem daran, tagebuchartig Photoprotokolle zu erstellen, wobei er den Aufnahmeprozess durch eine automatische Kamera zu anonymisieren suchte. Seit 1992 betreibt er – nun wieder selbst, wenn auch auf geschickte Weise sehr diskret, die Kamera bedienend – seine Photo Notes. Aufgenommen wurden und werden diese in den Geschäftsstraßen unserer Großstädte, die er während der Dauer zwischen 20 Minuten und vier Stunden immer wieder anderenorts aufnimmt. 15 Jahre zwischen 1992 und 2007 führte er dies jeden Tag aus, danach bis heute zwar etwas weniger regelmäßig, aber stetig. Vor allem sind es die Passanten bzw. vielmehr noch ihre Outfits, ihre Gesten, ihr Habitus, die er zunächst in Arnheim, Amsterdam und in anderen niederländischen Städten schnappschussartig festhält. Für diese photographische Langzeitstudie hat er kontinuierlich international 40 Städte einbezogen. Dabei ist signifikant, dass er sich für jede seiner photographischen Etüden ein anderes Kriterium für seine Aufnahmen überlegt: Mal sind es die Regenmäntel der älteren Damen in Oosterbeek, die ihm auffallen, mal die mit bloßem Oberkörper cool umherfahrenden Rollerskater in New York City, mal schaut er darauf, wie sich junge Pärchen während des Einkaufsbummels an Händen halten oder der Arm des jungen Mannes über die Schulter der Partnerin fällt. Eijkelbooms Auslöser reagiert auf (fast) alles, was uns selbstverständlich erscheint: Businessanzüge, Hawaiihemden, Ringel- und Nummernshirts, Hosen mit floralem Muster oder Steppjacken, die längst den grünen Lodenmantel abgelöst haben. Geschaffen hat er so einen Fundus unzähliger Aufnahmen, die er nach Motiven, Tagen und Jahren geordnet vorstellt, ein „Straßenatlas” individueller Art.

Hans Eijkelboom: Photonotiz, Paris, 21/10/2006 © Hans Eijkelboom

Erst 2014 hat Hans Eijkelboom seine Photo Notes unter dem Titel People of the Twenty-First Century veröffentlicht und damit nicht nur das enzyklopädisch angelegte Porträt- und Gesellschaftswerk des Photographen August Sander gewürdigt, sondern auch dessen Leistungen als Vorläufer der Konzeptkunst.

Das Austellungsprojekt wird großzügig unterstützt von:

Zeitgleich zeigt die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur zeitgleich in Raum 2: „Blick in die Sammlung: Bernd und Hilla Becher - Fachwerkhäuser des Siegener Industriegebietes”

Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur, Im Mediapark 7, 50670 Köln,

Tel.: 0221/888 95 300, E-Mail: photographie( at )sk-kultur.de, www.photographie-sk-kultur.de, Ausstellungen geöffnet täglich außer mittwochs von14 bis 19 Uhr.

Eintritt: 5,50 € (ermäßigt 3 €), erster Montag im Monat freier Eintritt! Regelmäßige Führung: Jeden Sonntag um 15 Uhr, Kosten: regulärer Eintritt + 2 Euro Führungsgebühr

Vom 23. Februar bis einschließlich 1. März (Karneval) geschlossen!

Anreise und Parken