Vorschau auf die Ausstellungen der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur in 2017

Die erste große Ausstellung ist dem deutschen Photographen Emil Otto Hoppé gewidmet

The Sydney Harbour Bridge Under Construction, Sydney from North Sydney, 1930 © 2017 Curatorial Assistance, Inc. / E.O. Hoppé Estate Collection


Die Industrialisierung und die daraus resultierenden Konsequenzen für den Menschen, die Landschaft und die damit aufkommenden neuen bildnerischen Formen bilden ein Schwerpunktthema der Ausstellungen der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur im kommenden Jahr.

Die erste große Ausstellung ist dem deutschen Photographen Emil Otto Hoppé gewidmet, der 1902 nach London übergesiedelt war und dort schon bald sein erstes Atelier eröffnete. Die Beschäftigung Hoppés mit dem Thema der Industrie im frühen 20. Jahrhundert dokumentiert sich in seinen weltweit in vielen unterschiedlichen Betrieben entstandenen Aufnahmen.

Für die zweite große Ausstellung, die ab Anfang September 2017 zu sehen sein wird, ließen sich über 30 deutsche und italienische Photographen der Gegenwart durch Antonionis Filmklassiker Il Deserto Rosso inspirieren, bei dem 1964 die Industrieregion um Ravenna die Kulisse bildete.

 

„Emil Otto Hoppé – Unveiling a Secret“

in Zusammenarbeit mit der Fondazione MAST, Bologna und der E. O. Hoppé Estate Collection/Curatorial Assistance, California, kuratiert von Urs Stahel

6. April – 30. Juli 2017 (Eröffnung: Mi. 5. April 2017, 19 Uhr)

Der Photograph Emil Otto Hoppé (1878–1972) genoss zu Lebzeiten ein hohes photographisches Ansehen. 1907 eröffnete der geborene Münchner in London sein erstes Studio und etablierte sich rasch auf dem Gebiet des Portraits und der topografischen Darstellung. Insbesondere die 1920er- und 1930er-Jahre waren geprägt von zahlreichen Reisen des Photographen durch Europa und Übersee, wo er in unterschiedlichen Ländern sehr erfolgreiche Reisebücher erarbeitete. Das Thema der Industrie, worauf die aktuelle Ausstellung fokussiert, nimmt im Gesamtwerk von Hoppé eine zentrale Rolle ein. So erschien 1930 seine Publikation Deutsche Arbeit, nun wieder aufgenommen in dem Buch The German Work, Steidl, 2015. Hoppé sah die Industrie, ihre Produktionsformen und Mechanismen als ein zukunftsweisendes Moment an, wobei er keineswegs unkritisch ihre enorme Relevanz hinsichtlich wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Belange reflektierte. Formalästhetisch bewegt sich Hoppé zwischen piktorialistischer und modernistischer Bildsprache. Seine vielfach spannungsreichen photographischen Aufnahmen industrieller Architekturen in Außen- und Innenansichten, von Maschinen und denjenigen Arbeitern, die diese bedienen, führen eine prägende Zeitepoche vor Augen, deren Errungenschaften bis heute nachwirken.

Mit dieser Ausstellung wird der Themenkomplex im Werk von Emil Otto Hoppé erstmals in der Breite vorgestellt und darüber hinaus seine photographischen Leistungen nach Jahrzehnten wieder in das Licht der Öffentlichkeit gerückt.

 

„Blick in die Sammlung: Industrie als Motiv. Mit Photographien von Bernd und Hilla Becher, Ruth Hallensleben, Albert Renger-Patzsch, August Sander, Peter Weller und viele mehr“

6. April – 30. Juli 2017 (Eröffnung: Mi. 5. April 2017, 19 Uhr)

Der Industriedarstellung kommt im Bestand der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur vor allem anbindend an das photographische Oeuvre von Bernd und Hilla Becher eine wichtige Bedeutung zu. In der flankierenden Gruppenausstellung „Blick in die Sammlung“ wird eine Auswahl an Werkgruppen zum Thema vorgestellt, die die Zeitspanne von Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 1960er-Jahre umfasst.

„Il deserto rosso, now. Photographische Reaktionen auf Antonionis Filmklassiker“

Eine Ausstellung in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, mit Linea di Confine, Rubiera und Osservatorio Fotografico, Ravenna

1. September 2017 –  28. Januar 2018 (Eröffnung: Do. 31. August 2017, 19 Uhr)

Sämtliche in der Ausstellung präsentierte Arbeiten reflektieren den Film Il Deserto Rosso (Die rote Wüste) von Michelangelo Antonioni, 1964 in der Industrieregion um Ravenna entstanden – ein Klassiker der internationalen Filmgeschichte und Antonionis erstes Werk in Farbe von besonderer visueller Spannung. Die Vielschichtigkeit in der bildlichen und thematischen Gestaltung und nicht zuletzt der regionale italienische Bezug des Films waren Anlass für die Kooperation zwischen Köln, Leipzig, Ravenna und Rubiera. Photographen, Künstler und Studierende der Hochschule für Grafik und Buchkunst, Leipzig, aus dem Umkreis von Linea di Confine per la Fotografia Contemporanea, Rubiera und von Osservatorio Fotografico, Ravenna waren aufgefordert, Antonionis Filmwerk zum Anlass zu nehmen, eine eigene künstlerische Arbeit zu erstellen. Über 30 deutsche und italienische Beteiligte sind dem nachgekommen und haben Photographien, Videos und auditive Installationen erarbeitet, die zu ganz unterschiedlichen Fragestellungen Antonionis Bezug nehmen.

Gezeigt werden Arbeiten von Fabrizio Albertini, Mariano Andreani, Daniele Ansidei, Joachim Brohm, Christoph Brückner, Luca Capuano, Danny Degner / Vera König, Eva Dittrich / Katarína Dubovská, Alessandra Dragoni, Johannes Ernst, Marcello Galvani, William Guerrieri, Guido Guidi, Sophia Kesting, Philipp Kurzhals, Dana Lorenz / Jakob Argauer, Allegra Martin, Mako Mizobuchi, Francesco Neri, Andrea Pertoldeo, Sabrina Ragucci / Giorgio Falco, Alexander Rosenkranz, Valentina Seidel, Franco Vaccari, Anna Voswinckel, Jakob Wierzba. 

Die Ausstellung folgt als variierte Station auf die Präsentation Red Desert now!, gezeigt Oktober/November 2016 Ospitale di Rubiera, Reggio Emilia.

www.photographie-sk-kultur.de