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Grusswort
«Jö, schau!» Ein besser geeigneter Titel lässt sich für Kinder- und Jugendbuchwochen bereits im allgemeinen schwer vorstellen, für österreichische Kinder- und Jugendbuchwochen in Deutschland ist er schier vollkommen.
Ich behaupte das zum einen aufgrund der Bedeutung dieser beiden Worte an sich: «Jö» gehört zu den Lautmalereien, die uns Österreichern in Augenblicken heftigster Gefühlsintensität entweichen. «Jö» steht zwischen Laut und Wort. Wie «Ach» oder «Weh» den Aufschrei des Schmerzes, so übersetzen «Jö» oder «Wau» den Aufschrei erstaunter Freude aus einer vegetativ-unkontrollierbaren in eine erste reflektierendwertende Sphäre. Was aber wünschen wir Kindern und Jugendlichen mehr, als diese Ur-Freude und dieses Ur-Erstaunen empfinden und artikulieren zu können? Wer freudig überrascht ist, kann diese Empfindung schließlich nicht nur für sich behalten, sondern will sie teilen, zeigt auf ihren Grund, ruft aus: «Schau!»
Zum anderen ließe sich der im Titel enthaltene Ausruf nicht nur als inhaltliche Präzision der ankündigenden Feststellung im Untertitel interpretieren, sondern er könnte auch ihr selbst gelten. Freudiges Erstaunen: Was gibt es denn da? Österreichische Kinder- und Jugendbuchwochen? Jö, schau! Es stimmt immer wieder traurig, wie gedankenlos manchmal die Vielfalt der deutschsprachigen Literatur unter dem groben und grauen Mantel der undifferenzierten Etikettierung «deutsche Literatur» erstickt wird, und es stimmt nicht minder traurig, wie von Mal zu Mal dann die nationalen Rumpelstilzchen zu «Austro-Fanatikern» mutieren und die Autonomie der österreichischen Literatur ausrufen. «Jö, schau!» bestätigt hingegen auf sympathisch- österreichische Weise die Rolle der Kinder- und Jugendliteratur aus Österreich im bunten Spiel der deutschsprachigen Kinder- und Jugendliteratur.
Existenz und Relevanz der Kinder- und Jugendliteratur aus Österreich geben Anlass zu Staunen, vielleicht sogar zu Überraschung, aber zumindest für Sprecher und Freunde der deutschen Sprache zugleich jedenfalls zu Freude. Wer als Kölner, Berliner, Bonner, Frankfurter, Hamburger, Dresdener «Jö, schau!» und nicht «He, guck mal!» ausruft, ist nicht mehr unbeteiligter Skeptiker, sondern bereits positiv eingenommener Interessent. Auf die Entdeckung einer neuen Facette einer Literatur von Anfang an mit Freude zu reagieren, scheint mir aber nicht nur eine mögliche, sondern die legitime Annäherungsweise an Literatur zu sein. Die beste Weise des Kennenlernens dürfte allemal die Teilhabe sein.
Es gibt sie, die Kinder- und Jugendliteratur aus Österreich und es gibt sie in einem Ausmaß, dass die Internationalen Kinder- und Jugendbuchwochen am Rhein diesen Herbst für beinah drei Wochen in ihrem Zeichen stehen werden. Zweifelsohne wird auch gezeigt werden, dass es sie schon immer gab, und es werden auch Vorläufer dieser Autoren Erwähnung finden: Vera Ferra-Mikura mit ihren Bilderbüchern «Die drei Stanisläuse» oder Mira Lobe, Schöpferin des Klassikers «Die Omama im Apfelbaum» oder Felix Salten («Bambi»). Man darf schon gespannt sein, ob manche Eigentümlichkeiten des Österreich-Stammes der deutschsprachigen Literatur auch in der Präsentation des Kinder- und Jugendbuchzweiges deutlich werden: die Bedeutung von Sprache und Wortspiel, die Neigung zum Skurrilen, ein Hang zur Psychologisierung, spürbar etwa im Drang zur Auf- bzw. Abarbeitung traumatischer Kindheiten, Identitätssuchen aller Art etc
Die Österreichische Botschaft und das Österreichische Kulturforum Berlin sind für die Gewährung dieser Darstellungsmöglichkeit sehr dankbar. Ich danke den Veranstaltern, den Teilnehmern und dem Publikum jedoch ebenso sehr für die Chance, nicht nur die österreichische Qualität der deutschsprachigen Kinder- und Jugendliteratur, sondern v.a. auch die Qualität dieser Qualität vorstellen zu dürfen. Qualität verbindet. Völker, Kulturen, und - etwa im Wege der Kunst Mensch mit Mensch. Groß mit klein, schwarz mit weiß, dick mit dünn, alt mit jung. «Man schreibt einfach Bücher, die wenn es gut geht einem Achtjährigen und einem Achtzigjährigen gefallen!». Was der österreichische Kinder- und Jugendbuchautor Heinz Janisch damit in Worte fasst, sagen die Internationalen Kinder- und Jugendbuchwochen implizit bereits seit Jahren. Ein Dichter, den man als Österreicher bezeichnen kann, aber nicht muss, kleidet es in den wunderbaren Vers:
Siehe, ich lebe. Woraus? Weder Kindheit noch Zukunft
werden weniger . . . . . Überzähliges Dasein
entspringt mir im Herzen.
(Rainer Maria Rilke, aus «Duineser Elegien», 9. Elegie)
Wilhelm Pfeistlinger
Botschaftsrat für kulturelle Angelegenheiten
Leiter des Österreichischen Kulturforums Berlin

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Grusswort
Jö, schau die Fußball-Europameisterschaft ist gerade vorüber und schon steht Österreich wieder im Mittelpunkt unseres Interesses!
Bei den 13. Internationalen Kinder- und Jugendbuchwochen interessiert uns aber nicht ausschließlich der Fußball, sondern vor allem die österreichische Kinder- und Jugendliteratur.
Elf der renommiertesten österreichischen Autoren und Illustratoren werden in diesem Herbst in Köln zu Gast sein: Die mit dem österreichischen Würdigungspreis ausgezeichnete Renate Welsh, in deren umfangreichem Werk besonders die Außenseiter im Mittelpunkt stehen; die Sprachjongleurin Gerda Anger-Schmidt und die Illustrations- und Papierkünstlerin Renate Habinger mit ihren nackten Nilpferddamen, die wir in einer eigenen Ausstellung präsentieren; die Multitalente Martin Auer und Christoph Mauz, die nicht nur wunderbare Kinderbücher schreiben, sondern auch begnadete Bühnentalente sind; Heinz Janisch und Georg Bydlinski, beide für ihre poetischen Kindergedichte mit dem Österreichischen Staatspreis ausgezeichnet; der Autor, Illustrator und Cartoonist Franz S. Sklenitzka mit seiner witzigen Drachensammlung; Adelheid Dahimène mit ihren von Heide Stöllinger traumschön illustrierten Bilderbüchern; Jutta Treiber, deren Themenvielfalt vom witzig-engagierten Kinderbuch bis hin zu Jugendromanen etwa über ungewollte Schwangerschaft reicht und der bislang hiezulande noch wenig bekannte
Jugendbuchautor Peter Horn.
Da ein Grußwort zugleich auch ein Dankeswort ist, möchten wir an dieser Stelle allen, die uns persönlich und finanziell in unserem Vorhaben unterstützt haben, danken: Frau Natalie Tornai vom Boje Verlag, Köln; der Staatskanzlei des Landes NRW; dem Österreichischen Kulturforum in Berlin, und last not least unserem langjährigen Partner, dem Best Western Hotel Regent.
Wir wünschen den Kindern und Jugendlichen unserer Stadt, aber auch ihren Lehrern und Eltern und allen am Projekt Beteiligten schöne, spannende und unterhaltsame Wochen mit wunderbaren Büchern und Bildern aus Österreich!
Professor Georg Quander
Kulturdezernent der Stadt Köln
Professor Dr. Hans-Georg Bögner
Geschäftsführer der SK Stiftung Kultur
Gabriele Overbeck
stellvertretende Direktorin der StadtBibliothek Köln
Joachim Zöller
Leiter der Abteilung Medien des Erzbistums Köln
Katholische Öffentliche Büchereien

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