 |

«Buraak! Du sollst nicht ohne Kappe rausgehen. Wie oftmuss ich dir das noch sagen.»
«Ich habe meine Kappe verloren!»
Schließlich musste Burak zugeben, dass er seine Kappe verloren hatte. Bevor er aus der Tür ging, wartete er ab, was die Mutter dazu sagen würde. Sicher sagte sie: «Was soll das heißen, du hast deine Kappe verloren. Wie oft habe ich dir schon gesagt, du sollst auf deine Sachen aufpassen. Wo hast du sie denn verloren? Im Schulbus? Oder in der Schule? Hast du schon unter der Schulbank nachgesehen?
» Burak wartete vergeblich auf diese Worte, denn von seiner Mutter kam nichts. «Morgen schau ich nach, Mama,» rief er ihr zu.
«Na gut,» sagte seine Mutter. Das war besser so. Jetzt konnte er beruhigt hinausgehen. Es war ohnehin schon langsam Abend und die Sonne knallte nicht mehr so. Alle seine Freunde waren draußen. Bevor sie sich an ihre Hausaufgaben setzten, hatte man ihnen erlaubt, ein bisschen draußen zu spielen.
Die Hausaufgaben
Selbst während Burak voller Freude zu seinen Freunden rannte, ließ ihn das bedrückende Gefühl wegen seiner Hausaufgaben nicht los. Er bekam Magenschmerzen, denn nach dem Spielen warteten noch ganze 102 Mathematikaufgaben auf ihn. Als er seine Freunde sah, freute er sich dennoch und das Versteckspiel, das im ganzen Viertel mit allen Kindern gespielt wurde, konnte beginnen. Der erfahrenste unter ihnen war Can. Er wurde immer erst als Letzter entdeckt, weil er die besten Verstecke fand. Allerdings musste die Gartentür immer geschlossen werden, bevor das Versteckspiel begann, damit sein Hund Gümüs nicht herauslief. Sonst würde Gümüs hinter ihm her rennen, ihn finden und so den Platz verraten, an dem er sich mit so viel Geschick versteckt hielt. Ozan war der Kleinste unter ihnen und da er sein Versteck schreiend preisgab, fanden alle Ozan immer zuerst.
Ganze zwei Stunden spielten sie. Als es dunkel wurde, machte das Spiel erst richtig Spaß, denn man brauchte sich keine dunklen Ecken mehr zu suchen. Selbst wenn man sich im Gebüsch am Rand des Parks auf den Boden legte, war es schwierig, vom Rasen unterschieden zu werden. Ja sogar, als Burak einmal hinter einem Strommast stand, hatte Nazli ihn nicht gesehen, obwohl sie an ihm vorbeigegangen war
Zuerst rief die Mutter von Can:
«Los, komm nach Hause, es ist Zeit für die Hausaufgaben
»
Die fröhlichen Gesichter wurden düster. Da sie wussten, dass ihre Eltern sie auch gleich rufen würden, machten sich alle auf den Nachhauseweg.
Mit einem Mal fühlte Burak sich sehr unglücklich. Mutterseelenallein stand er plötzlich auf dem Platz, wo kurz zuvor noch Freudenschreie zu hören gewesen waren. Er war kurz davor zu heulen.Nachhausegehen, sich an den Tisch setzen und die ganzen 102 Mathematikaufgaben erledigen, die sich wie ein unüberwindbarer Berg vor ihm auftürmten, das wollte er nicht.
Er lief in Richtung Park. Wahrscheinlich würde seine Mutter ihn jetzt rufen. Er lauschte. Aber außer den sich öffnenden und schließenden Haus- und Gartentüren, dem Hundegebell und dem Gemurmel von Müttern und Vätern, die ihre Kinder daran erinnerten, dass schon längst Abend war, hörte er nichts. Trotz des bevorstehenden Sommers ließ ein kühler Wind Buraks Haare flattern. Mitmürrischem Gesicht erhob er sich von seinem Platz. Er beschloss, einen kleinen Umweg nach Hause zu machen. Wenn er eine Runde um den Park machen würde, käme er etwas später zuhause an und würde so seine Hausaufgaben noch etwas hinausschieben können. (
)

|