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DER VOGELBAUM Es war ein Baum, der Blüten trug. Er war der größte Baum im Wald. Auf seinen Ästen ließen sich die Vögel nieder und sangen ihre Lieder. Der Baum verbrachte seine Tage damit, den Liedern der Vögel zu lauschen. In jenem Jahr kam der Frühling schon sehr früh. Die Erde erwachte aus ihrem Winterschlaf. Schmelzwasser mischte sich in die Bäche. Die Bäume trieben Knospen.
Der größte Baum des Waldes entfaltete seine Blätter später als die anderen Bäume. Die Blätter der anderen Bäume waren tiefgrün. Der Blütenbaum aber bekam schneeweiße Blätter. Es war das erste Mal, dass sich auf seinen Ästen weiße Blätter öffneten. Wie ein Brautschleier legten sie sich um ihn. Die Vögel ließen sich wieder auf seinen Ästen nieder und sangen den lieben langen Tag ihre Lieder.
Bald goss der Aprilregen auf die Erde. Überall sprossen wunderschöne Blumen. Bei den Ameisen herrschte eifriges Treiben, bei den Vögeln freudige Aufregung.
Eines schönen Frühlingstages tauchte am Himmel ein Vogel mit weißen Flügeln auf, der über dem Wald seine Kreise zog. Die Tiere des Waldes kamen aus ihren Höhlen und Nestern hervor, um den riesigen weißen Vogel zu betrachten.
Schließlich landete der weiße Vogel flatternd auf der Spitze des Baumes mit den weißen Blättern. Obwohl er der größte Baum des Waldes war, bog sich der Wipfel des Baumes, als wolle er gleich brechen.
«Guten Tag, Vogelblätterbaum.Möchtest du, dass deine Blätter zu Vögeln werden und davonfliegen?», fragte der Vogel.
Der alte Baum wusste nicht, was er sagen sollte. Einerseits freute er sich, andererseits konnte er sich keinen Reim auf die Sache machen.
«Du bist der schönste Baum des Waldes. Die Vögel haben dich amliebsten.Würde es dich nicht freuen, wenn deine Blätter zu Vögeln würden?»
«Ich fürchte, dass ich dann nie wieder Blätter haben würde», sagte der Baum.
«Dafür werde ich schon sorgen. Wenn die Vögel fortgeflogen sind, berühre ich dich einfach mit meinem Schnabel und sofort beginnst du zu brennen. Aus deiner Asche wird dann ein junger Baum sprießen. Und so wirst du von neuem geboren.»
«Das ist ja wunderbar! Ich werde dir deine Güte nie vergessen.»
Der Specht, der in seinem Baumloch alles mitangehört hatte, flog nach diesen Worten davon.
Der Vogel mit den weißen Flügeln berührte den Baum mit seinem Schnabel. Da verwandelten sich alle seine Blätter in Vögel, die sich sogleich in die Lüfte erhoben. Eine schneeweiße Vogelwolke bedeckte nun den Himmel. Vogelgezwitscher erfüllte die Luft. Erstaunt beobachteten die Tiere des Waldes die fortfliegenden Vögel.
«Lieber weißer Vogel, an so einem Freudentag möchte ich nicht verbrennen.
Kannst du nicht in ein paar Tagen wiederkommen?»
«Gut, dann verlasse ich dich jetzt. Auf bald!», sagte der Vogel mit den langen Flügeln und flog fort.
In seinemBusch versteckt hatte der Specht allesmitverfolgt.Nun setzte er sich leise auf einen Ast des Baumes, der alle Blätter verloren hatte. Er sprach zum Baum:
«Seit Jahren lasse ich mich auf deinen Ästen nieder. In deinem morschen Baumloch habe ich mein Nest gebaut. Aber nie hast du mit mir gesprochen. Mit dem weissgeflügelten Vogel hast du gesprochen und nun hast du keine Blätter mehr. Auch verbrennen wirst du und zu Asche verfallen. Das macht mich traurig. Du bist doch der Baum meines Nestes.» (
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