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Mette Tronvoll (Raum 1)
Oliver Sieber (Raum 2)
Judith Joy Ross (Raum3)


22. März bis 20. Mai 2002
Raum 1
(Köln, Mediapark)
Im Mediapark 7, 50670 Köln

In parallel stattfindenden Ausstellungen werden Werkgruppen von Mette Tronvoll (*1965) und Oliver Sieber (*1966) vorgestellt, die sich übergreifend mit dem Thema des Portraits auseinandersetzen. Ergänzung finden diese Präsentationen durch eine dritte kleinere Schau mit Portraitphotographien von Judith Joy Ross (*1946). Allen drei Positionen gemeinsam ist über die thematische Klammer hinaus die methodische Erarbeitung des Bildstoffes in Reihen, deren Pointierung je nach motivischer Ausrichtung gesetzt wird.

Die derzeit in Berlin lebende Norwegerin Mette Tronvoll zeigt zwei Schwerpunkte aus ihrer bisherigen künstlerischen Arbeit: den Werkkomplex "Isortoq Unartoq", der in den Sommermonaten der Jahre 1998 und 1999 auf zwei Reisen nach Grönland entstand, sowie zehn Photographien unter dem Titel "New Portraits", die seit dem Jahr 2000 entstanden sind und bei denen es sich vor allem um Doppelportraits handelt. In "Isortoq Unartoq" gibt Mette Tronvoll einen portraithaften Einblick in ein Land, das vielen gänzlich unbekannt ist. Doch wir sehen uns keinem Reisebericht üblicher Art gegenüber. Vielmehr verdeutlicht sich in dieser Reihe von 30 großformatigen Bildern ein sensibler mit photographischen Mitteln gesuchter Eintritt in eine faszinierende und überwältigende Naturlandschaft, die sich zwischen Atlantik und Polarmeer erstreckt. Tronvolls Bilder konzentrieren sich insbesondere auf ein Gebiet zwischen der Insel Unartoq und dem circa drei bis vier Stunden weiter nördlich liegenden Ort Isortoq, das die Künstlerin sukzessive für sich entdeckt hat. In ausschnitthaften, klar gezeichneten Kompositionen faßt Mette Tronvoll ihre Eindrücke des sie umgebenden weiten Panoramas: Sie spiegelt die karge, dem rauhen Klima entsprechende Vegetation in zarter Farbigkeit und nimmt die Massivität des Inlandeises zur Kenntnis; sie blickt auf endlose Horizonte, die anderenorts wiederum wegen aufsteigender Gebirgswände unerreichbar erscheinen.
Einen Ruhepunkt fand Mette Tronvoll in der Entdeckung von Badenden inmitten einer nahezu paradiesischen Umgebung. Heiße Quellen auf der Insel Unartoq sind das Ziel vieler einheimischer Wochenendausflügler, denen die Künstlerin hier begegnete und deren Vertrauen sie über die Zeit gewann. In gelöster Stimmung und in freier Natur genossen sie das klare Wasser und traten in einen aufgeschlossenen Dialog mit der Photographin, die in diesem Schauplatz einen ausdrucksstarken und zugleich harmonischen Hintergrund für ihre Portraits erkannte. In Tronvolls Bildkompositionen, die innerhalb eines von ihr festgelegten Schemas variieren, erscheinen die Badenden in fast skulpturaler Qualität. Mit ruhigem Blick schauen sie unmittelbar in die Kamera, während ihre Oberkörper büstengleich über der spiegelnden Wasseroberfläche zum Vorschein kommen – es sind Bilder von beinahe surrealer Wirkung.
Einen anderen Aspekt ihrer Arbeit stellt Mette Tronvoll in ihrer Reihe "New Portraits" vor. Hier sind es mit der Künstlerin näher bekannte Personen oder Paare, welche von ihr ganzfigurig in ländlicher oder städtischer Umgebung aufgenommen werden und darüber hinaus auch im Bildtitel namentlich benannt werden. Mette Tronvoll legt bei diesen Aufnahmen besonderen Wert auf eine einfache und klar definierte Situation, welche die Aufmerksamkeit ganz auf die Abgebildeten und ihr spezifisches Erscheinungsbild lenkt. Dies wird jedoch - und an dieser Stelle verweist sie auf ihr Vorbild August Sander - nicht bewertet, sondern in sachlicher Darstellungsweise feinfühlig festgehalten.

Der in Düsseldorf lebende Künstler Oliver Sieber konzentriert sich mit seinen Photographien ganz auf verschiedene Ausdrucksformen und Identitäten von Jugendlichen. In seinem aktuellen Projekt hat er beispielsweise junge Fußballspielerinnen im Alter zwischen zehn und sechzehn Jahren aufgenommen und ihre Portraits in einer Serie zusammengestellt. Dabei wählte er eine wie schon in zuvor entstandenen Bildreihen erprobte, immer gleiche Aufnahmemethode. Ähnlich einem Paßbild, jedoch in präziser Großbildqualität, wurden die Mädchen in büstenhafter Form portraitiert und unter dem Titel "11 Freundinnen..." versammelt. Anders als in den Arbeiten von Tronvoll stehen die Abgebildeten bei Sieber vor einem hellen neutralen Grund. Der Fokus liegt auf den Gesichtern der Jugendlichen, ihrem Blick, ihren Frisuren und den unterschiedlichen Trikots.
Jugendkultur hat viele Gesichter. Dies zeigt sich auf besondere Weise in drei weiteren Bildreihen von Oliver Sieber mit dem Titel "SkinsModsTeds",1999, welche zu den Neuankäufen der Photographische Sammlung aus dem vergangenen Jahr zählen. In ihnen wird mehr noch als in den zuvor beschriebenen Portraits der Blick auf die zur Schau getragene Mode, auf die ausgefallenen Haarschnitte und den Schmuck gelenkt. Mit ihrem Äußeren demonstrieren die Portraitierten mehr oder weniger intensive weltanschauliche Modelle, die sie in der Gemeinschaft auszuloten versuchen. Bestehende ästhetische Normen und Wertvorstellungen werden hinterfragt, durch neue gewandelt, wiederum manifestiert und als solche schließlich vor der Kamera repräsentiert. Oliver Sieber zeichnet dies auf und gewinnt den Portraitierten eine persönliche, menschliche Seite ab, die unter der zuweilen uniformen, zur Schau getragenen Schutzhülle zum Vorschein kommt.

Mit der Präsentation von rund 20 kleinformatigen Aufnahmen der amerikanischen Photographin Judith Joy Ross stellt die Photographische Sammlung eine kleine Gruppe von Neuerwerbungen vor, die mit Photographien aus dem Besitz der Künstlerin erweitert wurden und in Zusammenarbeit mit der Galerie Sabine Schmidt, Köln, gezeigt werden. Neben einigen aktuellen Arbeiten, wie unter anderem aus der Gruppe "Jobs", sind Bildbeispiele aus Werkkonvoluten zu sehen, die seit den 1980er Jahren entstanden, so im Eurana Park, Weatherly, Pennsylvania, 1982, in den Hazleton Public Schools, 1992-94 oder den Cleveland Public Schools, 1993. Die aus Pennsylvania stammende Photographin Judith Joy Ross hält die Menschen, die sie meist in ihrer alltäglichen Umgebung oder in für sie typischen Situation abbildet, mit großem psychologischem Einfühlungsvermögen fest. Es sind Momente im Dasein der Menschen, die Judith Joy Ross zu bannen sucht, bei denen stets existentielle Fragestellungen mitzuschwingen scheinen. Einher geht dies mit einem hohen Anspruch der Photographin an die Abbildungsqualität ihrer auf Schwarzweiß-Material basierenden Abzüge, bei denen es sich um großformatige, goldgetonte Kontaktabzüge auf Printing-Out-Paper handelt, die ein Höchstmaß an Detailwiedergabe ermöglichen.

Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur, Im Mediapark 7, 50670 Köln
Tel: 0221-226 5900, Fax: 0221-226 5901, photographie@sk-kultur.de, www.photographie-sk-kultur.de








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