Alfred Eisenstaedt: <i> Marlene Dietrich auf dem Presseball im Berliner Hotel Adlon, </i> 1928, © Time Inc.

Alfred Eisenstaedt: Marlene Dietrich auf dem Presseball im Berliner Hotel Adlon, 1928, © Time Inc.

Herbert Bayer: <i> Selbstportrait, </i> 1932, <br> © VG Bild-Kunst, Bonn 2004

Herbert Bayer: Selbstportrait, 1932,
© VG Bild-Kunst, Bonn 2004

Henri Cartier-Bresson: <i> Hinter dem Bahnhof Saint-Lazare, Place de l'Europe, Paris, </i> um 1932, <br> © Magnum Photos

Henri Cartier-Bresson: Hinter dem Bahnhof Saint-Lazare, Place de l'Europe, Paris, um 1932,
© Magnum Photos

Charlotte March: <i> ohne Titel, </i> 1972, <br> © Charlotte March

Charlotte March: ohne Titel, 1972,
© Charlotte March

 

Meisterwerke der Photographie
aus der Sammlung der Deutschen Gesellschaft für Photographie


10. Oktober 2004 bis 9. Januar 2005
Georg-Meistermann-Museum, Wittlich (On Tour)
Kulturamt der Stadt Wittlich, Altes Rathaus am Markt
Neustraße 2, 54516 Wittlich

Mit über 60 Aufnahmen bietet die Ausstellung „Meisterwerke der Photographie“ einen beispielhaften Einblick in eine bedeutende Kollektion deutscher Photogeschichte. Zusammengestellt wurde die Präsentation in Kooperation mit der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur, Köln, welche die Sammlung der DGPh im Jahre 1993 erworben hat. Gezeigt werden unterschiedliche photographische Reihen, deren Positionen sich im Einzelnen entweder in historischer oder in thematischer Hinsicht nahestehen.
Ausgehend von der Kunstphotographie des beginnenden 20. Jahrhunderts, in dieser Ausstellung vertreten durch Edeldrucke von Heinrich Kühn und Hugo Erfurth, schließen sich über eine Facette der Neuen Sachlichkeit und des Neuen Sehens der 1920/30er Jahre Werke der subjektiven fotografie an. Für sie waren die Pionierleistungen der Gruppe fotoform konstituierend, die mit ihren Gemeinschaftsausstellungen in den Nachkriegsjahren zwischen 1949 und 1955 große Erfolge feiern konnte. Zu ihren Mitgliedern zählten: Otto Steinert, Toni Schneiders, Peter Keetman, Siegfried Lauterwasser, Ludwig Windstosser, sowie Heinz Hajek-Halke. In den von ihnen dargebotenen Bildern, wie auch in den Arbeiten des ehemaligen Steinert-Studenten und später an der Hochschule für Bildende Künste, Hamburg, lehrenden Kilian Breier, formulieren sich Kompositionen durch eine auf die Bauhausphotographie zurückgehende Formensprache, die vor allem graphische und experimentelle Aspekte in den Mittelpunkt stellt. Otto Steinert faßte 1952 die Leitgedanken in seinem Buch "Subjektive Fotografie. Ein Bildband moderner europäischer Fotografie" wie folgt zusammen: „'Subjektive Fotografie' heißt vermenschlichte, individualisierte Fotografie, bedeutet Handhabung der Kamera, um den Einzelobjekten ihrem Wesen entsprechende Bildsichten abzugewinnen."
Demgegenüber finden sich in dieser Ausstellung eine Reihe weltbekannter Portraits aus dem Werk „Menschen des 20. Jahrhunderts“ von August Sander, die eine dokumentarisch geprägte, künstlerische Handschrift tragen und sich einer weitgehend objektiven Sicht verpflichtet fühlen. Zusammen mit verschiedenen Werken des Photographen Albert Renger-Patzsch, die zum Teil bereits in das 1928 publizierte Buch "Die Welt ist schön" Eingang fanden, repräsentieren sie in beinahe prototypischer Weise die Photographie der Neuen Sachlichkeit und der seinerzeit neuen Sicht auf die Dinge.
Nicht unerwähnt bleiben darf an dieser Stelle ein von Herbert Bayer präsentiertes Selbstportrait, das 1932 als Montage gefertigt, in überraschender Weise, die Suche nach der eigenen künstlerischen Identität wiedergibt, zugleich aber auch sinnbildlich in Hinblick auf die damals angespannte politische und kulturelle Situation gelesen werden kann. In einem surreal anmutenden Moment entnimmt sich der Künstler die Achsel seines Arms, vergleichbar einer Art funktionalem Element, das einer Figurine zugehörig scheint.
Einen weiteren Ausstellungsbereich bilden die Photographien von wichtigen Vertretern des Bildjournalismus. Bemerkenswert sind in diesem Kontext die Aufnahmen ihrer Wegbereiter wie von Alfred Eisenstaedt, der unter anderem mit seinem unvergessenen Bild der Marlene Dietrich vertreten ist, photographiert 1928 auf dem Presseball im Berliner Hotel Adlon, oder von Felix H. Man, beispielsweise mit seinem Portrait des Künstlers George Braque, der mit Pablo Picasso zu den herausragenden Persönlichkeiten der französischen Kunst des 20. Jahrhunderts gehört und von Man 1950 während der Arbeit im sommerlichen Varengeville (Normandie) beobachtet wird. Zwei Ikonen des erst kürzlich verstorbenen Photographen Henri Cartier-Bresson repräsentieren die besonderen Leistungen des Altmeisters auf den Gebieten der Menschendarstellung und Street Photography. Es bestätigt sich, für ihn war die Kamera ein Notizbuch, ein Instrument des Gefühls und der Spontanität, mit dem es ihm gelang, eine einfache Bildsprache zu großer Wirkung zu bringen. Würdigung erfährt Henri Cartier-Bresson auch durch ein in diese Ausstellung einbezogenes Portrait, das Beaumont Newhall 1946 von ihm in New York aufnahm. Cartier-Bressons Bilder verweisen in dieser Schau zudem auf die Folgegenerationen in seiner Sparte, die mit Namen wie Peter Magubane und Robert Lebeck vertreten sind. Unter anderem ist die von Lebeck legendäre Photographie von 1960 zu sehen, die jenen „entscheidenden Augenblick“ festhält, in dem König Baudouin von Belgien in Leopoldville, Kongo, der Degen entrissen wird. Die Arbeiten Magubanes führen die Härte der Rassenkämpfe in Soweto der 1970er Jahre vor Augen.
Einige Werke dieser Ausstellung sind der Prominentenphotographie gewidmet, und zwar handelt es sich dabei um zwei sehr eindrucksvolle und sensibel empfundene Portraits, die Liselotte Strelow von Joseph Beuys und Brecht-Darstellerin Helene Weigel aufnahm. Getragen von ganz anderem Temperament sind die 1972 aufgenommenen Photographien von Charlotte March, die zunächst für die Kultur-Zeitschrift „Twen“ und später für „Brigitte“ und „Vogue Italia“ arbeitete. Die beiden gezeigten Exponate sind Synonyme für den in jener Zeit proklamierten Bruch mit gesellschaftlichen Konventionen und die Idee freier Liebe.
Dem Gebiet der wissenschaftlichen Photographie entstammt eine erstaunliche Bildkonzeption von Professor Dr. Harold Edgerton, der Ende der 1930er Jahre den Stroboskop-Blitz erfand und hierdurch ein Aufnahmeverfahren ermöglichte, mit dem Bewegungsabläufe in noch nicht da gewesener Form sichtbar gemacht werden konnten. Zu den Ikonen Edgertons zählt der „Schuß durch den Apfel, 1964“, wobei in dieser Aufnahme genau der Bruchteil einer Sekunde festgehalten werden konnte, in der eine Gewehrkugel die Frucht durchschießt.
Nicht zuletzt umfaßt die Schau prägnante Photographien aus der Werbe- und Industriephotographie der 1940/50er Jahre, aufgenommen von Alfred Tritschler, Heinrich Heidersberger, Erich Angenendt, Karl Hugo Schmölz sowie ferner von Reinhard Matz, der mit einem Werk aus den 1980er Jahren vertreten ist.
Das breite Spektrum der unterschiedlichen Positionen wird durch insgesamt 27 Photographen veranschaulicht, von denen jeder einzelne als ein souveräner und eigenwilliger Vertreter seines photographischen Fachgebietes angesehen werden muß und von denen nicht wenige Weltruhm erlangten. Das Nebeneinander all dieser Perspektiven zeichnet zugleich einen Weg durch die moderne Geschichte des Mediums. Es ergibt sich ein heterogenes Bild einer sich über Jahrzehnte entwickelten Photographielandschaft, in der das Abbilden von Wirklichkeit als spezifische Voraussetzung des Mediums auf verschiedenen, zum Teil konträren Ebenen reflektiert
wurde – stets bleiben diese jedoch aufeinander bezogen.
(Gabriele Conrath-Scholl)

Mit Werken von Erich Angenendt, Herbert Bayer, Kilian Breier, Henri Cartier-Bresson, Harold E. Edgerton, Alfred Eisenstaedt, Hugo Erfurth, Heinz Hayek-Halke, Heinrich Heidersberger, Peter Keetman, Heinrich Kühn, Siegfried Lauterwasser, Robert Lebeck, Peter Magubane, Felix H. Man, Charlotte March
Reinhard Matz, Beaumont Newhall, Hilmar Pabel, Albert Renger-Patzsch, August Sander, Karl Hugo Schmölz, Toni Schneiders, Otto Steinert, Liselotte Strelow, Alfred Tritschler, Ludwig Windstosser.





Links zum Thema:

Georg-Meistermann-Museum, Wittlich







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