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Stadt-Bild-Köln – Photographien von 1900 bis heute
Sonderschau der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur, Köln,
anläßlich der Art Cologne 2005


28. Oktober bis 1. November 2005
Halle 9.1, Stand C-060
Messegelände Köln-Deutz (On Tour)
Messeplatz 1, 50679 Köln

Die Sonderschau der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur eröffnet einen ersten übergreifenden Einblick in die Geschichte der Photographie in Köln, die auch zukünftig ein lohnenswertes Feld der Forschung verspricht. Die ausgestellten Arbeiten vereinen rund 35 Positionen aus über einhundert Jahren künstlerischer Photographie in Köln. Das photographisch festgehaltene „Stadt-Bild“ stellt sich ohne Frage als ein Spiegelbild seiner wechselvollen Geschichte dar. Besonders in den städtebaulichen Strukturen, Entwicklungen und Veränderungen und natürlich auch in der Gestaltung einzelner Gebäude manifestiert sich die Biographie der Stadt. In über 240 Exponaten verdeutlicht sich die Anziehung und das generelle Interesse am urbanen Geschehen, das immer wieder Anlaß zur photographischen Aufnahme bot. Frei gewählt und auch im Auftrag suchten die Photographen über Jahrzehnte hinweg ihr eigenes Bild der Stadt zu erforschen, das nicht zuletzt in Folge der Weltkriege und aufgrund veränderter Sozial- und Wirtschaftsstrukturen weitgreifenden Umgestaltungen unterlag. Im Rückblick auf das entstandene Material werden so zugleich entwicklungsgeschichtliche Aspekte der photographischen Ästhetik reflektiert, mit anderen Worten, die künstlerische Vielfalt von Perspektiven und Positionen, von Vorstellungen und Visionen und damit von Konzepten und Ideen.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts ist die Photographie ein allseits genutztes Darstellungsmittel, aber noch bleibt sie eher einer malerischen Formensprache verbunden, wenn auch schon der journalistische Blick Einzug hält und der Nachwelt neben Ansichten der repräsentativen Gebäude solche des alltäglichen Straßenbilds liefert (Eugen Coubillier, August Kreyenkamp, Wilhelm Scheiner). Verbunden mit dem wirtschaftlichen Aufschwung und durch die Unterstützung der Stadtoberen bestimmen bald progressive Bau- und Planungsvorhaben die Silhouette der geschichtsträchtigen Stadt. Es entstehen moderne Stahlbauten, beeindruckende Brücken über den Rhein, fortschrittliche Hochhäuser und neue Grün- und Erholungsgebiete. Moderne Industrieflächen entwickeln sich, die Hafenanlagen werden erweitert, und 1924 eröffnet in Deutz die Messe. Nicht nur die Aufmerksamkeit der auswärtigen Photographen wird durch diese Fortschritte geweckt, auch einheimische Lichtbildner dokumentieren die Innovationen mit sachlichem Blick. August Sander schafft mit seinem Werk „Köln wie es war“ das wohl konsistenteste photographische Konvolut zum Kölner Stadtbild. Zwischen 1920 und 1939 fertigt er unzählige photographische Ansichten zwischen Historie und Modernität, die er nach dem Zweiten Weltkrieg in 16 Bildmappen zusammenstellt. Eindrucksvolle Einzelbilder, Reiseberichte und Reportagen zeigen darüber hinaus, daß Köln nun zum Zentrum von Handel, Verkehr und neu erwachtem Tourismus am Rhein geworden ist, in dem ebenso der Tradition ein wichtiger Stellenwert zugewiesen wird (Hannes Maria Flach, Ruth Hallensleben, Werner Mantz, Albert Renger-Patzsch, Alfred Tritschler).
Das Dritte Reich und die massiven Bombenabwürfe machen aus der lebendigen Großstadt – besonders in der Innenstadt – eine erschütternde Ruinenlandschaft. Schon 1942 verursacht ein erster großer Bombenangriff Schäden an einem Viertel der Häuser. In der Region ansässige Photographen halten trotz Verbot die unfaßbaren Zerstörungen fest. 1943 und 1944 erfolgen weitere Bombardements, 80 % aller Gebäude sind entweder vernichtet oder so stark beschädigt, daß sie unbewohnbar sind. Bei der Befreiung durch die Amerikaner leben in Köln nur noch 40 000 Menschen. Mit dem Kriegsende sind es vor allem amerikanische Reporterinnen, aber auch deutsche Photographen, die mit ihren ausführlichen Bildberichten den verheerenden Zustand der Straßen und Plätze weltweit publik machen (Margaret Bourke-White, Hermann Claasen, Walter Dick, Lee Miller). Die Verwüstung hat ein solches Ausmaß, daß man sogar eine Neuansiedlung der Stadt im Norden überlegt. Doch die Menschen ziehen bald in ihre Stadt zurück und schon Ende der 1940er Jahre leben wieder über 300 000 Einwohner in Köln.
Nach und nach werden die Brücken über den Rhein wieder nutzbar gemacht, und 1948 entsteht als ein erstes neues Gebäude das viel besuchte Lichtspielhaus am Rudolfplatz. Gerade in der Zusammenschau der verschiedenen Bildsequenzen zeigt sich, daß von dem kaum für möglich gehaltenen Wiederaufbau eine große Faszination ausging und für das Medium der Photographie neue Impulse schuf. Eine selbstbewußt subjektive Bildsprache stellt sich in vielen der photographischen Arbeiten der 1950er und 1960er Jahre ein, und auch umfangreiche Bildbände mit den architektonischen Errungenschaften wie Hochhäusern, Vorortsiedlungen und den neu geschaffenen Straßenfluchten finden außerordentliche Resonanz. Andere Werke lenken den Blick auf die Stadt als Lebensraum, wo sich zwischen Altem und Neuem eine spezifische Atmosphäre des wiedergewonnenen Alltags vermittelt (Henri Cartier-Bresson, Chargesheimer, Fritz Eschen, Peter Fischer, Albrecht Fuchs, Lotte Laska, Karl-Hugo Schmölz, Julius Shulman).
Der Euphorie der Wiederaufbauzeit folgt in den 1970er Jahren eine gewisse Ernüchterung. Köln gilt wie viele deutsche Großstädte als häßlich, widersprüchlich und ungastlich. Das Image ist trotz der wirtschaftlich guten Bedingungen eher negativ besetzt, und die Kritik an der Stillosigkeit einiger Gebäude, an dem oft ungebremsten Baueifer und an der verbreiteten Unterwerfung geplanter Vorhaben unter das Diktat des Autoverkehrs bestimmen den Tenor der in dieser Zeit entstandenen Bildserien. Städtebauliche Maßnahmen werden hinterfragt ebenso wie die Hinwendung zu neuen Kunst- und Kulturräumen. Anpflanzungen von Bäumen, das Schließen vieler Trümmergrundstücke und verschiedene Neubauten in Rheinnähe komplettieren das neustädtische Köln. Skeptisch, doch nicht ohne Humor suchen die Autoren die offene Auseinandersetzung mit dem Bild der Domstadt (Heinz Held, Barbara Klemm, Reinhard Matz, Dirk Reinartz, Wilhelm Schürmann, Eusebius Wirdeier).
Die aktuelle wirtschaftliche Lage einer Millionenmetropole macht es nicht leicht, städtebauliche Planungen mit herausragenden Architekturen zu plazieren. Verschiedenartige Bedürfnisse sowie daraus resultierende Kompromisse bestimmen Umbauvorhaben oder zwingen zur Beibehaltung von Mißständen. Der Zustand der Straßen, die Umstrukturierung von Gebäuden und die Idee eines visionären städtebaulichen Konzepts werden derzeit in der Stadt rege diskutiert und der Wunsch nach dauerhaft überzeugenden sowie flexibel offenen Modellen rückt ins Blickfeld. Unabhängig davon entwickeln sich gerade im Bereich der aktuellen künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Medium der Photographie neue Perspektiven, die das städtische Leben und seine Ausgestaltung vielfältig reflektieren und auf eine generelle Anschauungsebene bringen (Boris Becker, Martin Classen, Ulrich Deimel / Petra Wittmar, Frank Dömer, Albrecht Fuchs, Candida Höfer, Uschi Huber, Max Regenberg, Achim Riechers, Thomas Ruff, Florian Schwinge).
Die Sonderschau basiert auf einer Ausstellungsidee sowie auf Rechercheergebnissen des Autors, die in Kooperation mit der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur erweitert umgesetzt wurden. Die Initiatoren danken allen Leihgebern, Künstlern und Photographen sowie der Koelnmesse für die unkomplizierte und sehr engagierte Zusammenarbeit, die die Ausstellung wesentlich mit ermöglicht hat.

Wolfgang Vollmer





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