poetic mail
SK Stiftung Kultur - Wurfgedicht 18



Elektrizität

An dem Abend, als du mich anriefst, um mir zu sagen,
daß die Unausgeglichenheit zwischen den Tagen
genauso einfach wie sich treffen oder nicht treffen ist,
dachte ich gerade über Elektrizität nach -
daß der Strom an keinem Punkt
eines Kreislaufs abnehmen oder zunehmen kann,
daß man, um Energie freizusetzen,
auch einen Mangel an Gleichgewicht braucht. Verlaß dich drauf.
Einmal, als ich so gehalten wurde,
grenzenlos, ohne Ende und ohne Anfang,
konnte ich nicht auseinanderhalten, wer was tat:
ob du es warst, der meinen Kopf zum Licht hob,
ob ich es war, die sagte, wie sehr mich verlangte,
dein Gesicht zu schauen. Dein schönes Gesicht.


von Lavinia Greenlaw
übersetzt von Karin Graf

Das Gedicht empfahl
Marijke Brouwer, Literature Officer, The British Council Köln

Es erschien in
Atlas der Neuen Poesie, hrsg. von Joachim Sartorius,
Rowohlt Verlag ISBN 3-498-06-306-5, DM 54,-

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