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Angie Hiesl
Angie Hiesl bekommt den Kölner Ehrentheater-preis. Seit über fünfzehn Jahren ist sie ein Kölner Aushängeschild in der darstellenden Kunst. Unvergessen sind ihre Auftritte im wallenden roten Kleid mit 15 Meter Schleppe auf dem Dach des Stollwercks, die Bläser unter Wasser im Neptunbad, die 3-Stunden Perfor-mance mit Roland Kaiser und Gerno Bogumil auf 1000 Quadratmeter Rollrasen und im 83 Meter langen Wasserbecken im U-Bahnhof Appell-hofplatz, die alten Menschen auf Stühlen, montiert in sechs Metern Höhe an Häuserfassaden. Sie versteht sich als darstellende und bildende Künstlerin, macht Tanz, Theater, Performance und Installation. Der Kölner Ehrentheaterpreis ist nicht die erste Auszeichnung, die Angie Hiesl erhält. 1989 bekam sie den Chargesheimerpreis der Stadt Köln, 1996 den Förderpreis des Kultursekretariats NRW für ihr bisheriges künstlerisches Schaffen, 1998 gewinnt sie den internationalen Straßentheaterpreis für das Projekt x-mal Mensch Stuhl in Holzminden.
Ihre aktuelle Produktion ZWILLINGE - how do I know I am me... .war jüngst beim Theaterfestival Impulse 2001 zu Gast und nominiert für den Kölner Theaterpreis.
Laudatio zur Verleihung des Kölner Ehrentheaterpreises 2001
an Angie Hiesl
Sehr geehrte Damen und Herren,
seit nun 15 Jahren verfolgt Angie Hiesl konsequent einen künstlerischen Weg, der besonders schwer zu gehen ist. Sie gehört nämlich zu jenen Künstlerinnen und Künstlern, die sich keinem bestimmten Bereich des Kunst- und Kulturbetriebs zuordnen lassen. Und diese Aussage soll vielmehr meinen als nur ein klischeehaftes "... das Werk von xy passt in keine Schublade...".
Denn dafür hat sich Angie Hiesl von jeher viel zu bewusst, zugleich als Methode und als Ziel, zwischen alle Stühle gesetzt: Ihre Projekte oder soll man sagen: Produktionen? wurzeln ebenso in der darstellenden wie in der bildnerischen Kunst, sie sind inspirierende Kreuzungen aus Theater, Tanztheater, Performance, Aktionskunst, Sozialer Plastik und Installation. Dieser Ansatz erfährt zwar viel Anerkennung, hat aber auch den großen Nachteil, für eine angemessene Verbreitung besonders sperrig zu sein.
Angie Hiesl bespielt öffentliche und halböffentliche Orte mit allen ihr zur Verfügung stehenden künstlerischen Mitteln. Auf den von ihr geschaffenen Bühnen und in ihren Bildern ist zuweilen sie selbst, sind Profi- wie Laien-Akteure und ist vor allem auch das Publikum unterwegs. Wobei die Rollen nicht immer klar verteilt sind. Wir, die Zuschauer, sind oft genug Zeugen geworden von Vorgängen, die uns das berühmte Surrealisten-Motto "Schön wie die unvermutete Begegnung einer Nähmaschine und eines Regenschirms auf einem Seziertisch" live erfahrbar gemacht haben. Wie eine Herde staunender Deichschafe standen wir schon auf echter Grasnarbe im U-Bahntunnel. Und gebannt schauten alle zu, wie jemand ein Stück Rasen ausstach, um es formvollendet an die gekachelte Wand zu heften. Und genau wegen dieser "unvermuteten Begegnungen", wegen dieser ebenso unvermuteten wie poetischen Bilder,
Gesänge und Geräusche freue ich mich, dass Angie Hiesl es sich und uns so schwer macht: sich selbst als eigensinnige Künstlerin in den Zwischenzonen der Künste und uns als Kulturvermittlern, die zur Beschreibung und Einordnung ihrer Arbeit um geeignete Worte ringen und am Schluss eigentlich doch nur sagen können: Bitte, geht hin und schauts euch selber an!
Meines Erachtens war eine Auszeichnung dieser Art für Angie Hiesl ich würde fast sagen: überfällig, denn hier in Köln haben wir allen Grund, über ihre außergewöhnliche künstlerische Arbeit und den internationalen Erfolg, den AH vorweisen kann, besonders froh zu sein.
Ich gratuliere Angie Hiesl zu diesem Preis und wünsche ihr und ihren Weggefährten noch eine Reihe weiterer Anlässe dieser Art.
Laudatio: Kay von Keitz
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