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Birgit Åkesson 
(1908-2001)


Malmö

Birgit Åkesson war eine der bedeutendsten europäischen Vertreterinnen des modernen Tanzes. Sie wurde als Anna Ida Birgit Åkesson am 24. März 1908 in Malmö geboren und lernte über ihren Vater, einen Baumeister, der in seiner Freizeit gern musizierte, den selbstverständlichen Umgang mit Musik kennen.
Darüber hinaus wurde ihr Interesse für modernen Bühnentanz zufällig durch eine Laban-Schülerin geweckt, und sie beschloss, in Deutschland bei Mary Wigman eine entsprechende Ausbildung zu absolvieren. In Schweden wurde seinerzeit nichts Vergleichbares angeboten, aber Mary Wigman war dort keine Unbekannte.

Dresden

1928, im Alter von zwanzig Jahren, ging Birgit Åkesson nach Halle, um dort ihre in der Schule erworbenen Deutschkenntnisse zu erweitern. Im folgenden Jahr waren ihre Sprachkenntnisse so weit ausgereift, dass sie in Dresden an der Schule von Mary Wigman eine professionelle Tanzausbildung beginnen konnte. Birgit Åkesson gehörte zu den begabtesten Wigman-Schülerinnen und wurde ausgewählt, als Mitglied der Tanzgruppe von Mary Wigman an der ersten Tournee durch die USA teilzunehmen. Allein ihr starker, eigenwilliger Charakter entsprach nicht den Wünschen Wigmans an ihre Tänzerinnen. Wigman duldete, wie bereits früher bei Gret Palucca, keine eigenständigen Talente in ihrer Gruppe, die eine solistische Konkurrenz bedeuten könnten. Da sich Birgit Åkesson nicht fügen wollte, erhielt die junge Schwedin zwar von Mary Wigman mit ihrer Diplomurkunde am 15. Juli 1932 die „wärmsten Wünsche und Hoffnungen für ihre Zukunft“, gepaart mit der Anerkennung „tänzerisch sehr stark begabt“ zu sein, durfte jedoch an der Amerika-Tournee nicht teilnehmen.

Berlin

Birgit Åkesson ging statt dessen nach Berlin und sammelte hier ihre ersten Bühnenerfahrungen bei ihrer norwegischen Kollegin Helga Normann und deren elfköpfiger Tanzgruppe in der Aufführung „Karma“, sowie bei Max Reinhardt am Deutschen Theater, wo sie in seiner Inszenierung „Das große Welttheater“ mitwirkte. Glücklich wurde sie in diesem Umfeld jedoch nicht, zumal der Einfluss der Nationalsozialisten bereits in alle Lebensbereiche vorgedrungen war und sowohl die Entwicklung freier künstlerischer Prozesse als auch den respektvollen Umgang der Menschen miteinander unmöglich machte.

Paris

1933 zog Birgit Åkesson unter großen finanziellen Schwierigkeiten nach Paris, um dort nach einer geeigneten tänzerischen Weiterbildung und beruflichen Perspektive für sich selbst zu suchen. In Paris fand sie zwar keine Fortbildungsmöglichkeiten, die ihren Interessen entsprochen hätten, aber sie entdeckte dort ein weltoffenes, freies, anregendes künstlerisches Klima, das sie für sich und die Entwicklung ihrer eigenen tänzerischen Vorstellungen nutzte. Sie trainierte sehr viel, lernte zahlreiche Künstler und deren Arbeiten kennen und entdeckte so ihre tänzerischen Potentiale, die sie erstmals in einem Solotanzabend am 25. März 1934 im Pariser Théâtre du Vieux-Colombier präsentierte. Ihr Programm bestand aus einem Zyklus von sieben musiklosen Tänzen und drei Tänzen mit Musik von Frederick Chopin, Eric Satie und Friedmann-Gärtner. Die Presse befand ihre Darbietungen, die sie in den folgenden Monaten in Stockholm, Malmö und wieder Paris wiederholte, als sehr interessant und bemerkenswert. Obwohl Birgit Åkesson bereits ihren eigenen Stil ausprägte, verglich man sie noch mit ihrer Lehrerin Mary Wigman und zog daraus durchaus positive Bewertungen.

avantgardistisch und weltoffen

Birgit Åkesson verstand ihren zeitgenössischen Tanz als Ausdruck ihrer Zeit, der sich von den Wurzeln des modernen künstlerischen Tanzes in den Zwanziger Jahren in Deutschland weiter zu entwickeln hatte und auch in den nachfolgenden Jahrzehnten Stellung zum aktuellen Lebensgefühl nehmen sollte. Sie bevorzugte den musiklosen Tanz, weil sie auf diese Weise nicht an Rhythmus und Melodie der Musik gebunden war, sondern sich auf der Bühne frei in sich selbst versenken konnte. Ihr wurde wegen des Fehlens von Musik und ihrer akribischen Auseinandersetzung mit dem Körper und seinen unendlichen Bewegungsmöglichkeiten gerade von deutscher Seite „Intellektualismus“ vorgeworfen. Dieses Urteil stellt die Arbeit Birgit Åkessons in eine Reihe mit den herausragenden deutschen avantgardistischen Tänzerinnen Valeska Gert, Vera Skoronel und Dore Hoyer und zeigt, dass sie sich mit ihrer Kunst immer weiter von ihrer Lehrerin Mary Wigman entfernte.

Stockholm…

1936 schloss Birgit Åkesson das Desiderat des modernen Tanzes in Schweden und gründete ihre eigene Tanzschule in Stockholm. Sie rettete damit die Aufbruchstimmung des freien künstlerischen Tanzes in Deutschland nach Schweden und ließ sich von den ästhetischen Rückschritten in Deutschland nicht in der Fortentwicklung ihres modernen Stils beirren. Insbesondere ihre sehr langsamen und ruhigen Bewegungen zeigten nicht nur ihre hervorragende Körperbeherrschung, sondern sie zogen auch das Publikum in den Bann. Neu war auch Åkessons Vorliebe für Bewegungsformen am Boden. Sie entwickelte mit diesen beiden Komponenten eine ganz und gar neuartige Form des Tanzes, die durch ihre Intensität überzeugte.
Mit der Gründung ihrer Tanzschule begann sich Birgit Åkesson zunächst vornehmlich der pädagogischen Arbeit zu widmen und gab wesentlich weniger Tanzabende und Gastspiele im In- und Ausland als bis 1936. 1945 wurde ihre Tochter Mona geboren.

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© SK Stiftung Kultur - Deutsches Tanzarchiv Köln