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Hans Berry 
(1906-1984)

Hans Berry, ein "deutscher Spitzentrompeter nach 1930 bis 1954"

Zu seinem 100. Geburtstag am 20. September 2006
 

"Es ist sicher nicht übertrieben, wenn man behauptet, daß Hans Berry der einzige Trompeter Deutschlands ist, der wirklich weiß, was Jazz ist und das auch in seinem Spiel auszudrücken vermag", schrieb Roman Lewandowski 1949 in der Zeitschrift „Vier Viertel“. Während sein Kollege Macky Kasper zu dieser Zeit vor allem durch ganzkörperlichen Einsatz bewies, daß er „hot“ spielte, und dadurch große Beliebtheit beim Publikum erlangte, galt Hans Berry in Musikerkreisen als der durch Erfahrung und kreative Begabung (z.B. in solistischen Improvisationen) weit überlegene deutsche Trompeter seiner Zeit. In der Tat hat Hans Berry auch unzählige Kompositionen und Arrangements von Tanzmusik und gehobener Unterhaltungsmusik geschaffen. Entscheidend für seine Bedeutung dürften aber seine für deutsche Musiker ungewöhnlich zahlreichen Kontakte mit ausländischen Kollegen gewesen sein, spielte er doch u.a. zusammen mit Billy Bartholomew, Coleman Hawkins, Teddy Stauffer, den Lanigiros, Carlo Minari, Willie Lewis, Benny Carter, Bill Coleman, Ray Ventura, Gus Clark, Davie Bee, Fud Cendrix, Jean Omer oder Rex Stewart.

Hans Berry wurde am 20.09.1906 in Berlin geboren und wuchs in einem musikalischen Elternhaus auf, wo der Vater den drei Kindern regelmäßig aus seinen Klavierauszügen bekannte Opern und Sinfonien vorspielte. Bereits in früher Kindheit erhielt er Klavierunterricht bei seinen Eltern und von seiner älteren Schwester Ilse, und ab dem zwölften Lebensjahr Violinunterricht. Sein erster Besuch im Königlichen Opernhaus ist für den 31.10.1914 belegt, wo Humperdincks "Hänsel und Gretel" und das Singspiel "Des Löwen Erwachen" mit Lola Artôt de Padilla gegeben wurden (später war er mit ihrem Neffen Marco Mathieu de Padilla befreundet). Hans Berry wuchs in Berlin-Pankow auf, wo er bis 1921 die Oberrealschule besuchte, und Programmzettel in seinem Nachlaß beweisen, daß eine Fülle musikalischer Veranstaltungen seine Jugend prägte, denn beispielsweise eine "Gesellschaft der Musik- und Literaturfreunde zu Pankow" oder ein "Pankower Oratorien-Verein" waren beständig um Aufführungen mit prominenten Opern- und Konzertsängern und Musikern bemüht. In der Aula des Lyzeums traten etwa der Tenor Carl Jöken von der Staatsoper oder Prof. Robert Zeiler, der Konzertmeister der Staatskapelle auf. Solche musikalische Förderung wurde für manche Potsdamer Schüler der Zeit berufsprägend: Der Primaner Erich Peter beispielsweise, der im November 1918 die Schulaufführung von Mendelssohn-Bartholdys Musik zu "Athalia" leitete und 1926 Hans Berrys Schwester Ilse heiratete, wurde Kapellmeister, später Generalmusikdirektor und nach dem Krieg Ordinarius und Leiter der Dirigierklassen der Berliner Hochschule für Musik. Zu den vielen anderen musikalischen Veranstaltungen im Berliner Musikleben der späten 1910er und frühen 1920er Jahre, die von Hans Berry besucht wurden, gehörten auch immer wieder Auftritte von älteren Verwandten und Freunden der Familie, etwa Lieder-Abende von Margarete Jäger im Bechsteinsaal, begleitet von ihrem Mann Hermann Weigert von der Staatsoper am Klavier, oder Violin-Konzerte von Maximilian Hennig in der Hochschule für Musik.

Hans Berry wurde ins Rahn'sche Konservatorium der Musik aufgenommen und trat beispielsweise am 26.3.1919 als Schüler der Violinklasse des Kammermusikers Ludwig Wagner solistisch auf. An künstlerischem Tanz sah Hans Berry u.a. in der Staatsoper die "Josephslegende" von Richard Strauß mit Heinrich Kröller in der Titelpartie und am 25. April 1922 - wieder in der Aula des Lyzeums Pankow - den modernen Solotänzer Günther Heß. Etliche Pankower Programmzettel insbesondere vom Frühjahr 1924, aber auch noch vom Februar 1926 nennen ihn als Violinsolisten, nur bei der ersten öffentlichen Schüleraufführung des Konservatoriums Hans Baer im Schuljahr 1925/26 im Harmonium-Saal wirkte er am Klavier mit. In der Aula der Mittelschule Berlin-Pankow gab es am 3.4.1924 einen Konzertabend unter dem Titel "Sturm und Drang", dessen Zettel den 17jährigen nicht nur als Solisten, sondern auch als Komponisten eines Violinstückes "Intermezzo - Uraufführung" benennt. Bemerkenswert ist sein Besuch am 7.10.1924 in der Oper am Königsplatz nicht wegen der zunächst gegebenen einaktigen Puccini-Oper "Gianni Schicchi", sondern wegen den beiden nachfolgenden Programmteilen, deren musikalische Leitung wieder Hermann Weigert hatte, die choreographische Leitung jedoch Max Terpis: "Kammertänze", namentlich von Harald Kreutzberg, aber auch Daisy Spieß, Dorothea Albu, Walter Junk, Terpis selbst und anderen, sowie die Tanzpantomime "Der Leierkasten" von und mit Terpis in der Hauptrolle des Buckligen, mit Harald Kreutzberg, Melanie Lucia, Rolf Jahnke, Dorothea Albu, Liselotte Köster, Julian Algo, Walter Junk und vielen anderen Tänzern. Bemerkenswert deswegen, weil damit - nach der „Josephslegende“ und dem Soloabend von Günther Heß - eine weitere Anregung für eine seiner ersten größeren Kompositionen nachweisbar ist: "Der Tänzer. Ein theatralisches Notturno, Worte und Musik von Hans Berry". Außer den Noten hierzu existiert ein handschriftlicher Programmzettel(entwurf) eines Auftritts der "Freien Bühne" im Konzerthaus Pankow mit einem "1. Abend: Konzert - Theater - Tanz". Alle Beteiligten sind namentlich genannt, beim Konzert jedoch noch keine Werke eingetragen. "Der Tänzer" ist in der Mitte plaziert, bei musikalischer Leitung von Hans Berry und Spielleitung von Egon Alban (sieben Rollen; der Tänzer gespielt von Maxim Bara). Nach der Pause steht „Tanz“ mit einer (nicht genannten) Jazz-Band auf dem Programm, Ende 1 Uhr. - Am 16. Juni 1924 schloß Hans Berry die Arbeit an einer Partitur zu "Leonce und Lena" (von Georg Büchner) ab.

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© SK Stiftung Kultur - Deutsches Tanzarchiv Köln