| MAGIE VON FARBE UND BEWEGUNG
Dem Photographen Walter Boje zum 100. Geburtstag |
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![]() Walter Boje: Gezeiten, 1960 |
Ausstellungsdauer: 28. Januar bis 10. April 2005 SK Stiftung Kultur, Raum 1, Im Mediapark 7, 50670 Köln Am Anfang steht ein Geschenk eine Kamera. Es ist der Beginn eines Hobbys. Aus dem Hobby wird ein Beruf freier Pressephotograph und Bildjournalist mit dem Hauptarbeitsgebiet Theater und Tanz. Als Walter Boje am 16. November 1905 in Berlin geboren wird, ist noch nicht abzusehen, dass das Leben einmal für ihn einen alles bestimmenden Fixpunkt die Photographie bereithalten wird. Denn die Tugend sollte in Hamburg ja erst noch aus der Not geboren werden: nach Ende des 2. Weltkriegs erlernt Walter Boje dort das Metier des Theaterphotographen indem er es einfach ausübt und wird so zu dem Chronisten des Hamburger Theaterlebens der Nachkriegsjahre. Als im Jahr 1949 das Agfa Color-Negativ-Positiv-Verfahren für Berufsphotographen zugänglich wird, erahnt Walter Boje in der Farbphotographie bereits das Medium, um Dramatik, Stimmungen und Gefühle einer Bühnendarbietung adäquat abzubilden. Der Wechsel nach Leverkusen zur Firma AGFA im Jahr 1954 bewirkt, dass er fünf Jahre später zum Zeugen des Aufbruchs des Kölner Balletts wird. In der Stadt am Rhein entwickelt der Choreograph Aurel von Milloss gerade eine neue, zeitgemäße Form des Balletts. Der Bühnenraum erfährt in der Zusammenarbeit mit zeitgenössischen bildenden Künstlern eine Aufwertung. Die Musik gleichsam als Bauplan nutzend, versucht Milloss ihre Vielstimmigkeit in der Bewegung sichtbar zu machen, das Auge des Zuschauers dem Ohr zu öffnen und doch dabei die Emanzipation der tänzerischen Bewegung von der Musik zu betonen. Walter Boje erfasst Milloss’ choreographische Vision und, verfolgt man seinen photographischen Stil über die Jahre, so mag diese auch für ihn das Signal eines ästhetischen Aufbruchs gewesen sein. Seine Vision von der Farbe als einem dynamischen Ausdrucksmittel der Photographie findet in Horst H. Baumann, Kilian Breier, Peter Cornelius, Fritz Fenzl, Erwin Fieger, und Heinz Hajek-Halke begeisterte Mitstreiter. Walter Boje war mehr als ein Photograph, dessen Herz für das Theater und den Tanz schlug. Journalist, Dozent, Juror es gibt wohl kaum eine Tätigkeit, die Walter Boje in den folgenden Jahren nicht auf seine unnachahmliche Weise ausgefüllt hat. Er selbst beschrieb sich bescheiden als „Feuilletonist mit der Kamera“. Wegbegleiter wie L. Fritz Gruber werden da deutlicher: „Walter Boje war ein unbedingter Verfechter der Photographie ohne ihn wäre es um die Photographie, insbesondere um die Entwicklung der Farbphotographie in Deutschland, in Europa, schlechter bestellt gewesen. Er hat nicht nur beispielhafte eigene kreative Farblichtbilder geschaffen, sondern auch als fördernder Mentor für junge Photographen gewirkt. Und er war mir ein Freund.“ Das Deutsche Tanzarchiv Köln / SK Stiftung Kultur ehrt den 1992 verstorbenen Photographen Walter Boje mit der Präsentation einer Auswahl seiner Tanz- und Theaterarbeiten aus Anlass seines 100. Geburtstags als Pionier eines von dokumentarischen Zwängen emanzipierten photographischen Blicks auf Tanz.Die Ausstellung ist geöffnet täglich außer mittwochs von 14 19 Uhr. Öffentliche Führungen durch die Ausstellung: jeweils sonntags, Thematische Führungen für Gruppen und Schulklassen nach Absprache Tel. 0221 / 226-5737 Walter Boje im Original |
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![]() Walter Boje: Bolero, 1958 |
„Jedes Erleben ist subjektiv. Das Erlebnis eines Balletts ist es in einem ganz besonderen Maße. Denn Bewegung und Bewegungsablauf, Mimik und Gestik, Farbe und Form, Handlung und Musik wirken zusammen und werden ‚gefiltert’ durch die Aufnahmefähigkeit und Aufnahme-bereitschaft des Betrachters. Können Photos von all dem etwas widerspiegeln? Die tänzerische Pose ist ohne Zweifel photogen,ihre photographische Abbildung für den Tänzer um so wertvoller, je perfektionierter sie seine Körperbeherrschung dokumentiert. Das Erlebnis ‚Ballett’ vermag sie jedoch nicht wiederzugeben. „Wenn ich heute meine photographische Laufbahn rückschauend betrachte, so hat mich dreierlei glücklich gemacht: die Möglichkeit, die flüchtigste aller Künste, die Kunst des Schauspielers und Tänzers in gültigen Bildern festzuhalten, zum anderen, die Gabe, andere Menschen dadurch zu erfreuen und weiterzubringen, dass ich ihnen durch Bild, Wort und Schrift die Augen öffnen konnte für diese Welt und drittens die Gewissheit, einiges dazu beigetragen zu haben, die Farbphotographie aus den engen Fesseln der nur reproduktiv abbildenden Arbeitsweise zu befreien.“ |