DISTANZEN

Siegfried Enkelmann & Gert Weigelt

Ausstellungsdauer:
28. Januar bis 10. April 2005

SK Stiftung Kultur, Raum 2, Im Mediapark 7, 50670 Köln

Trotz aller Distanzen – es war immer schon eine Liebesheirat: die Partnerschaft zwischen den Kunstformen Photographie und Theater. Geprägt ist sie von einer tiefen Affinität und Zuneigung aus dem Wissen um das Flüchtige aller Bühnenkünste. Kein geringerer als der französische Philosoph und Soziologe Roland Barthes erkannte dies, als er schrieb: „Gleichwohl berührt die Photographie sich (wie mir scheint) nicht über die Malerei mit der Kunst, sondern über das Theater.“
Zwei Persönlichkeiten, deren Leben und Werk geprägt ist von dieser Erkenntnis und Über­zeugung sind die Photographen Siegfried Enkelmann und Gert Weigelt. 38 Jahre oder zwei Generationen trennen die beiden, die über die Photographie (Enkelmann) und den Tanz (Weigelt) zu Tanzphotographen wurden. Was sie vereint, ist der unbedingte Anspruch an die Qualität einer jeglichen photographischen Interpretation künstlerischer Bewegung.
Aus Anlass des 100. Geburtstags Siegfried Enkelmanns treffen in der Ausstellung des Deutschen Tanzarchivs Köln nun zum ersten Mal die Studioinszenierungen Gert Weigelts auf die Studioimpressionen Siegfrieds Enkelmanns. Die pointierte Gegenüberüberstellung ausgewählter Schwarz-Weiß-Arbeiten ermöglicht dabei dem Betrachter einen vergleichenden Blick auf die Handschriften der wohl prominentesten deutschen Tanzphotographen.

Siegfried Enkelmann
- der Photograph als des Tänzers bester Anwalt


Siegfried Enkelmann:
Apachentanz, 1954
Siegfried Enkelmann, 1905 geboren, gilt als der führende Tanzphotograph der 1940er, 1950er und 1960er Jahre in Deutschland. Er kam nach dem ersten Weltkrieg als Autodidakt zur Photo-graphie, 1927 trat er als Schüler in das Berliner Atelier Nolte ein und wurde später engster Mit-arbeiter des renommierten Berliner Photographen Hans Robertson, dessen Atelier er später übernahm. 1961 übersiedelte Siegfried Enkelmann von Berlin nach München, wo er 1978 starb.
Der Ballettkritiker Horst Koegler schrieb über ihn: „Enkelmann ist ein Stilist unter den Photo­graphen. Verständlich, dass die besten seiner Aufnahmen diejenigen sind, in denen sein bild­künstlerischer Stil mit dem Stil eines Tänzers oder Choreographen übereinstimmt. Wenn er Dore Hoyer in ihren Tänzen oder die Ballette Tatjana Gsovskys fotografiert, spürt man diesen inneren Gleichklang. Das sind keine bloßen Photographien mehr, sondern Kunstwerke, die auch für sich bestehen können.“
Nie waren die Photos von Siegfried Enkelmann allein für den journalistischen Tagesgebrauch bestimmt, immer bemühte er sich, die Dynamik des Tanzes in freie künstlerisch-photographische Gestaltung umzusetzen. Das den Betrachter faszinierende Bild war ihm stets so wichtig wie die Dokumentation. Durch diese Haltung wurde Siegfried Enkelmann nicht nur den Tänzern und Tänzerinnen gerecht, er schuf auch ein imponierendes, zeitloses Bild der Kunstform Tanz.

Gert Weigelt
- ein Tänzer, der Fotograf und Filmemacher geworden ist


Gert Weigelt: Totem Pole

Gert Weigelt, 1943 geboren, absolvierte nach dem Abitur seine Tänzerausbildung mit dem Berufsziel „Choreograph“ in Berlin. Engagements am Königlich-Schwedischen Ballett, dem Cullberg-Ballett und dem Nederlands Dans Theater folgten, die nicht nur den Tänzer Gert Weigelt prägen sollten.
Die Anfänge seiner Karriere als Photograph fallen mit dem Ende seiner Tänzerlaufbahn zu­sammen. War die Photographie vorher eher intensiv betriebenes Hobby, so wurde sie 1975, mit Beginn des Studiums der Künstlerischen Photographie an der Kölner Fachhochschule für Kunst und Design, zum ambitionierten Beruf.
Dabei versteht Gert Weigelt seine Bühnenphotographie durchaus als sogenannte Autoren-photographie, die dem jeweiligen Choreographen, der jeweiligen Choreographin verpflichtet ist und das Ziel hat, aus der Distanz des Photographen das Wesentliche eines Stückes begreifbar, die Idee einer Choreographie anschaulich zu machen. Ein Ziel, das von Choreographen natürlich geschätzt wird. Dazu der niederländische Choreograph Hans van Manen: „Weil Gert Weigelt soviel über Choreographie weiß, weiß er genau, was er fotografieren will und photographiert immer das Besondere, das Interessante, nie das Klischee.“
Ihre konsequente Fortsetzung findet diese Arbeit außerhalb der Bühne, im Studio, wo Portraits und Körperinszenierungen entstehen und sich der Photograph Gert Weigelt seit einigen Jahren mit dem Tanz und seinen Protagonisten auch in film-essayistischer Weise auseinandersetzt.

Die Ausstellung ist geöffnet täglich außer mittwochs von 14 – 19 Uhr.
Am 3. , 7. und 8. Februar (Karneval) sowie am 25. März (Karfreitag) ist die Ausstellung geschlossen.

Öffentliche Führungen durch die Ausstellung: jeweils sonntags,
30. Januar, 20. Februar, 13. März und 10. April, 15 Uhr
Treffpunkt Ausstellungseingang.

Thematische Führungen für Gruppen und Schulklassen nach Absprache – Tel. 0221 / 226-5737