La Jana
(1905 - 1940)

Ein verloschener Stern, der immer noch leuchtet

Kein Zweifel, sie war ein Star. Doch während der Ruhm La Janas als Bühnentänzerin, die in Revuen von Herman Haller, Erik Charell und bei Max Reinhardt (z.B. in der Schönen Helena [1]) Erfolge feierte, längst verblasste, ist die Filmtänzerin und -schauspielerin La Jana der Öffentlichkeit noch heute ein Begriff. In 25 Filmen hat sie mitgewirkt, und ihre berühmtesten Rollen hatte sie 1936 bis 1939 in Truxa, Der Tiger von Eschnapur, Das indische Grabmal, Es leuchten die Sterne und Stern von Rio. La Jana, die eigentlich Henriette Hiebel hieß, starb im Frühjahr 1940 an einer Lungenentzündung auf der Höhe ihres Ruhmes im Alter von nur 35 Jahren.

Die Entstehung des La-Jana-Archivs im Deutschen Tanzarchiv Köln zeigt exemplarisch, daß nicht nur durch einen konzentrierten, bei der Familie aufbewahrten Nachlaß oder einen vom Künstler zu Lebzeiten übergebenen „Vorlaß“, sondern auch aus vielfältigen anderen Quellen ein beachtenswerter, für die Forschung relevanter Bestand anwachsen kann. 

Welche Materialien das 1943 in Berlin verbrannte Tanzarchiv zu ihrer Person besaß, kann nicht mehr ermittelt werden. Kurt Peters (1915-1996), der 1948 in Hamburg mit dem Aufbau eines neuen Tanzarchivs begann und dies 1985 in Köln aus seiner privaten Trägerschaft der Öffentlichkeit übergab, hatte selbstverständlich bereits einige Ausschnitte und Filmprogramme zu La Jana im Tanzarchiv gesammelt. Etwa 1987 initiierte der Fotograf, Entertainer sowie Film- und Theatersammler Max Kohlhaas (1936-2007) den Ausbau dieser Bestände zu einer La Jana-Sammlung durch Schenkung eines seltenen Privatfotos von La Jana mit persönlicher Widmung an ihren nicht minder prominenten Kollegen aus der Ballettwelt, Anton Dolin (1904-1983): „Meinem lieben „Dolin“ mit herzlichem Dank für drei Monate wunderbarsten Zusammentanzens La Jana Berlin d. 20.2.[19]32“. Beide hatten 1931/32 – gemeinsam mit Nini Theilade, Brigitte Hartwig (Vera Zorina), Tamara Desni, Alexander von Swaine, Kyra Nijinsky und Maria Solveg – in Choreographien von Dolin und Bronislawa Nijinska(ja) in Reinhardts Inszenierung von Offenbachs Hoffmanns Erzählungen getanzt. Dolin hatte dieses Foto einst einem befreundeten Pianisten geschenkt, der es später Max Kohlhaas vererbte, und dieser fand, daß La Jana nach so vielen Jahren nun endlich zum Sammlungsauftrag einer öffentlichen Institution gehören und dort – im Deutschen Tanzarchiv Köln – den ihr gebührenden „offiziellen“ Platz finden sollte. Auch der mit Max Kohlhaas befreundete Cineast Werner Mohr schloß sich bald dieser Auffassung an und begann mit einem signierten Aushang-Filmfoto, die neue La-Jana-Sammlung im DTK zu unterstützen; weitere Fotos, Postkarten und sonstige Dokumente schenkte er dem Archiv im Laufe der folgenden Jahre.

Bei der Auflösung und dem Einzelverkauf eines Wiener Pressebildarchivs konnte das Tanzarchiv 1995 einige seltene Vintage-Fotografien aus Wien von La Jana erwerben. Sie stammen aus den Jahren 1926/1927 und wurden insbesondere für illustrierte Magazine angefertigt. Auf einem trägt La Jana ein gemustertes, durchsichtiges Gewand und hat eine lange Perlenkette seitwärts über den Oberarm gelegt. Auf einem anderen Foto neckt „die reizende Tänzerin La Jana“, „Star der Haller-Revuen“ (Bildbeschriftungen) einen vor ihr sitzenden Teddybären mit der Schuhspitze – die Assoziation, dass Männer ihr wie Spielzeug „zu Füßen liegen“, war sicher intendiert. Das Kostüm, so ist aus der Unterschrift eines zugeordneten Zeitschriften-Ausschnittes aus dem ehemaligen Kölner Bildarchiv Faßbender ersichtlich, trug sie – eine der Hauptattraktionen – sonst als „Saxophon-Girl“ in der „Haller-Symphonie“, dem berauschenden Finale der Haller-Revue An und Aus (1926).

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[1] Buffo-Oper mit Musik von Jacques Offenbach, ab 15.6.1930 (Rolle: Venus). In der verbesserten Neueinstudierung („burleske Operette“) dann in der Choreographie von Leonide Massine, einstudiert von Rupert Doone, zusammen mit Nini Theilade, Kyra Nijinsky, Kurt Lenz, Jochen Scheibe und Egon Wüst.

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© SK Stiftung Kultur - Deutsches Tanzarchiv Köln