Das Deutsche Tanzarchiv Köln/SK Stiftung Kultur zu Gast auf der Photokina 2004

Die Kunst des Augenblicks

Die Aufgabe, Tänzerinnen und Tänzer in der Bewegung zu fotografieren, gilt immer noch als eines der schwierigsten Probleme, vor die sich ein Fotograf gestellt sieht. Sollen doch solche Aufnahmen dreierlei Anforderun-gen erfüllen: einmal eine exakte Wiedergabe der Bewegungsphase, die Erfassung eines gut ausgewählten charakteristischen Bewegungsmoments, und drittens eine ästhetisch ansprechende Gestaltung der Abbildung. So kreuzen sich in der Tanzfotografie technische und künstlerische Gesichtspunkte, die vom Fotografen eine besondere Einfühlung in dieses Spezial-gebiet erfordern.
Die Sonderausstellung des Deutschen Tanzarchivs Köln/SK Stiftung Kultur präsentiert mit Siegfried Enkelmann und Gert Weigelt zwei Tanzfotografen aus Deutschland, die sich in besonderer Weise um diese Kunst des Augenblicks verdient gemacht haben.
Die Gegenüberstellung von Arbeiten der beiden Fotografen ermöglicht dem Publikum einen vergleichenden Blick auf zwei prägnante fotografsche Handschriften.
Siegfried Enkelmann – der Fotograf als des Tänzers bester Anwalt
Siegfried Enkelmann, 1905 geboren, gilt als der führende Tanzfotograf der 1940er, 1950er und 1960erJahre in Deutschland.
Er kam nach dem ersten Weltkrieg als Autodidakt zur Fotografie,
1927 trat er als Schüler in das Berliner Atelier Nolte ein und wurde später engster Mitarbeiter des renommierte Berliner Fotografen Hans Robertson, dessen Atelier er später übernahm.
1961 übersiedelte Siegfried Enkelmann von Berlin nach München, wo er 1978 starb.
Der Ballettkritiker Horst Koegler schrieb über ihn: "Enkelmann ist ein Stilist unter den Fotografen. Verständlich, dass die besten seiner Aufnahmen diejenigen sind, in denen sein bildkünstlerischer Stil mit dem Stil eines Tänzers oder Choreographen übereinstimmt. Wenn er Dore Hoyer in ihren Tänzen oder die Ballette Tatjana Gsovskys fotografiert, spürt man diesen inneren Gleichklang. Das sind keine bloßen Fotografien mehr, sondern Kunstwerke, die auch für sich bestehen können."
Nie waren die Fotos von Siegfried Enkelmann allein für den journalistischen Tagesgebrauch bestimmt, immer bemühte er sich, die Dynamik des Tanzes in freie künstlerisch-fotografische Gestaltung umzusetzen. Das den Betrachter faszinierende Bild war ihm stets so wichtig wie die Dokumentation. Durch diese Haltung wurde Siegfried Enkelmann nicht nur den Tänzern und Tänzerinnen gerecht, er schuf auch ein imponierendes, zeitloses Bild der Kunstform Tanz.

Gert Weigelt - ein Tänzer, der Choreograph werden wollte ... und Fotograf und Filmemacher geworden ist
Gert Weigelt, 1943 geboren, absolvierte nach dem Abitur seine Tänzer-ausbildung mit dem Berufsziel "Choreograph" in Berlin. Engagements am Königlich-Schwedischen Ballett, dem Cullberg-Ballett und dem Nederlands Dans Theater folgten, die nicht nur den Tänzer Gert Weigelt prägen sollten.
Die Anfänge seiner Karriere als Fotograf fallen mit dem Ende seiner Tänzerlaufbahn zusammen. War die Fotografie vorher eher intensiv betriebenes Hobby so wurde sie 1975, mit Beginn des Studiums der Künstlerischen Fotografie an der Kölner Fachhochschule für Kunst und Design zum ambitionierten Beruf.
Dabei versteht Gert Weigelt seine Bühnenfotografie durchaus als sogenannte Autorenfotografie die dem jeweiligen Choreographen, der jeweiligen Choreographin verpflichtet ist und das Ziel hat, aus der Distanz des Fotografen das Wesentliche eines Stückes begreifbar, die Idee einer Choreographie anschaulich zu machen. Ein Ziel, das von Choreographen natürlich geschätzt wird.
Dazu der niederländische Choreograph Hans van Manen: Weil Gert Weigelt soviel über Choreographie weiß, weiß er genau, was er fotografieren will ... und fotografiert immer das Besondere, das Interessante, nie das Klischee."
Ihre konsequente Fortsetzung findet diese Arbeit außerhalb der Bühne, im Studio, wo Portraits und Körperinszenierungen entstehen und sich der Fotograf Gert Weigelt seit einigen Jahren mit dem Tanz und seinen Protagonisten auch in film-essayistischer Weise auseinandersetzt.

Die Fotosammlung des Deutschen Tanzarchivs Köln/SK Stiftung Kultur
Neben Bibliothek, Videothek und einem Archiv mit über 170 Nachlässen von Tänzern, Choreographen, Pädagogen und Ballettkritikern verfügt das Deutsche Tanzarchiv Köln über eine Fotosammlung, die ca. 150.000 Fotos und 50.000 Originalnegative umfasst.
Zum Bestand gehören u.a. auch die Fotografennachlässe von Siegfried Enkelmann, Hans Rama und Dietmar Dünhöft.
Geschichte und Gegenwart der Tanzfotografie sind immer wieder auch Gegenstand der Ausstellungen des Archivs im Mediapark.

© SK Stiftung Kultur - Deutsches Tanzarchiv Köln