Einführende Worte von Thomas Thorausch

anläßlich der Eröffnung der Ausstellung "In Bausch & Bildern - Gert Weigelt fotografiert das Tanztheater Wuppertal" am Donnerstag, den 27, November 1997 im Deutschen Tanzarchiv Köln/ SK Stiftung Kultur

Schönen guten Abend meine Damen und Herrn. Herzlich willkommen zur ersten Ausstellung der Reihe "Photographen sehen Tanz" des Deutschen Tanzarchivs Köln.

Jede Austellungsreihe hat ihre Entstehungsgeschichten - so auch diese... Eine davon geht so:

"Ach, und dann werden heute noch die Photos für die Presse gemacht!", so lautete die mündliche Ergänzung der Dramaturgin zum Probenplan.

Dem jungen Regieassistenten des Theaters kam nun die Aufgabe zu, den damit beauftragen Photographen zu betreuen. Herein kam ein älterer Herr mit Kamera und Stativ. Er ließ sich kurz über die Inszenierung unterrichten - "Auch nichts neues, hab ich alles schon gesehen" - und nahm dann seinen "traditionellen" Platz - vierte Reihe, Mitte - ein.

Routiniert schoß er seine Photos - Totalen, einige Ensembleszenen - - das wars - so schien es.

Denn plötzlich erwachte ein besonderes Interesse in ihm - er nahm die Kamera vom Stativ, stieg behende über die Sitzreihen - bis in die erste Reihe!! - und "schoß" sich - im wahrsten Sinne des Wortes - auf eine Szene ein.

Er muß in diesem Moment wohl den verwunderten Blick des Regieassistenten im Rücken gespürt haben, denn beim Abschied bemerkte er trocken: "Daß ich diese Photos nicht verkaufen kann, weiß ich auch!"

Und in der Tat habe ich diese - im übrigen brillianten - Photos nicht veröffentlicht gesehen - in der Lokalzeitung erschien - wie üblich - das informative Photo unter dem die Kritik gewohnt routiniert Regie, Bühnenbild und Schauspielerleistung abhandeln konnte.

Geblieben ist mir von dieser Erinnerung die Erkenntnis, daß Theaterphotographie mehr sein kann, als die bloße Dokumentation dessen, was auf der Bühne geschieht, wenn sie sich - wie im vorliegenden Fall - von ihrem dokumentarischen Standpunkt löst und versucht einen individuellen Blick auf die Bretter, die ja doch immerhin die Welt bedeuten, zu werfen.

Sie ahnen es vielleicht, der Weg ist kurz von jener Begebenheit zum Konzept der Reihe "Photographen sehen Tanz", die in regelmäßiger Folge Persönlichkeiten der Tanzphotographie und ihre individuelle Sicht auf Person und Werk eines Choreographen/einer Choreographin vorstellen will.

Der Weg ist aber auch kurz zu Gert Weigelt, der mit seiner Sicht auf Pina Bausch heute abend die Reihe eröffnet und der seine Tätigkeit als Bühnenphotograph einmal mit der eines Übersetzers verglichen hat: "Ein guter Übersetzer hält sich nicht wortwörtlich an den zu übersetzenden Text, sondern versucht idiomatisch zu übersetzen. Damit bewegt er sich teilweise sehr weit vom eigentlichen Wortlaut weg. Und das ist in der Photographie auch so, wenn man Tanz betrachtet: Man muß sich befreien, um etwas Neues schöpfen zu können."

Aber dazu gleich mehr aus berufenerem Munde...

Zum Gelingen dieser Ausstellung haben viele beigetragen: Dank an das wunderbare Team des Deutschen Tanzarchivs Köln und seinen Leiter, Frank-Manuel Peter, Dank den Kolleginnen und Kollegen der Photographischen Sammlung, der SK Stiftung Kultur und des NRW Landesbüros Tanz. Mein Dank gilt aber auch Hans-Jörg Pzygoda, der als Architekt nicht nur in handwerklichen Belangen bei der Realisierung mitwirkte.

Dank aber auch an die Sponsoren - Achim Rieger und die Firma "taimlab" sowie die Firma Osman, die die Ausstellung tatkräftig im Hintergrund unterstützt haben.

Und wenn ich mich nun besonders herzlich bei Gert Weigelt bedanken möchte, dann nicht nur für seine spontane Bereitschaft die Reihe zu eröffnen sondern auch für den stets anregenden Dialog über Theater und Photographie, der die Vorbereitung und Realisierung dieser Ausstellung begleitet hat.

Bevor ich das Wort nun an Marc Jonkers weitergebe, möchte ich schon jetzt auf die nächste Ausstellung in dieser Reihe hinweisen. 1999 wird das Deutsche Tanzarchiv Köln Holger Badekow, den langjährigen Photographen des Balletts der Hamburgischen Staatsoper seine photographische Sicht auf John Neumeier vorstellen.


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