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Oda Schottmüller 
(1905-1943)


Kindheit und Jugend


Oda Schottmüller wurde am 9. Februar 1905 in Posen geboren. Ihr Vater, der Archivar Dr. Kurt Schottmüller (1871-1919), war zu diesem Zeitpunkt seit einem Jahr mit Dorothea Stenzler (1881-1965) verheiratet. Beide Eltern stammten aus Berlin, beider Familien lebten auch weiterhin in Berlin.
1906 wurde Kurt Schottmüller an das Staatsarchiv nach Danzig versetzt. Dorothea Schottmüller, Odas Mutter, erlitt im darauf folgenden Jahr eine schwere Nervenkrankheit und war zu einem langen Aufenthalt in einem Sanatorium gezwungen. 1912 kehrte sie nach mehrjähriger erfolgloser Behandlung in ihr Elternhaus nach Berlin zurück. Die kleine Oda blieb allein bei ihrem Vater in Danzig zurück. Bedingt durch die Unterhaltszahlungen für Dorothea Schottmüller und durch die Auswirkungen des Ersten Weltkrieges lebten Oda und ihr Vater in sehr bescheidenen Verhältnissen.
Nach dem Ersten Weltkrieg war Kurt Schottmüller stark abgemagert und nervlich zerrüttet. Er starb im August 1919 an einem Herzinfarkt. Oda geriet daraufhin zwischen die Fronten ihrer väterlichen und mütterlichen Familie. Ihre Tante Frida Schottmüller (1872-1936), eine Schwester von Kurt, war gerade zur Professorin ernannt und Kustodin am Kaiser-Friedrich-Museum in Berlin, dem heutigen Bode-Museum, geworden und beantragte die Vormundschaft für ihre Nichte. Odas Mutter wollte ihre Tochter aber selbst erziehen. Das Mädchen zog nach Berlin und wurde in das Lyzeum in Berlin-Lichterfelde eingeschult. Dort machte sie 1921 ihre Mittlere Reife.


Odenwaldschule

Oda sollte das Abitur machen, aber sie galt als labil und nicht sehr zielstrebig. Deshalb schien für sie der weitere Besuch einer staatlichen Schule wenig erfolgversprechend. Odas Tante Gerda Schottmüller (1878-1928) arbeitete seit einigen Jahren an der reformorientierten Odenwaldschule und überredete den Schulleiter, Paul Geheeb (1870-1961), Oda und ihre Mutter persönlich in Berlin zu besuchen, damit er beiden sein Schulkonzept vorstellen konnte. Weil er sehr gut mit Oda umgehen konnte, erlaubte die Mutter ihrer Tochter ab Ostern 1922 den Besuch der Odenwaldschule.
Im August 1922 gewann Oda an der Odenwaldschule einen neuen, sehr guten Freund, nämlich Klaus Mann (1906-1949). Die beiden fühlten sich seelenverwandt und blieben auch nach dem Schulabgang von Klaus Mann einige Jahre in gutem Kontakt. Beide Schüler suchten nach einer Form, die ihre Persönlichkeit am besten zum Ausdruck bringen könnte. Klaus Mann schrieb, wie es in seiner Familie üblich war, und Oda zeichnete sehr viel. Gemeinsam war ihnen ihr Drang zum Tanz, den sie an der Odenwaldschule ausleben konnten. Für Klaus Mann war Harald Kreutzberg (1902-1968) das große Vorbild, für Oda Schottmüller wurde es später Vera Skoronel (1906-1932). Die beiden Odenwaldschüler hatten einen ausgeprägten Hang zu fantastischer Dramatik und lebten ihn auch aus. Klaus Mann beschrieb seine Freundin Oda in seiner Autobiographie "Kind dieser Zeit" folgendermaßen:
sie war:

"[…] grotesk und hochbegabt, mit einem merkwürdig kurzen mongolischen Gesicht, die pittoresk in sich zusammengeduckt auf Schränken oder Fenstersimsen zu hocken liebte. Sie konnte phantastische und krasse Tänze aufführen; ebenso phantastisch und kraß konnte sie zeichnen und malen. Auf ihren Blättern hoben sich Gespenster aus Flaschen, Schlangen kringelten sich um verkrümmte Bäume. […] Oda war gedrungen, von einer barocken, überraschenden Grazie; […] oft von stummer Traurigkeit, oft von hopsender Tanzlust. […]"

Nach Auffassung ihres Schulleiters Paul Geheeb blieb Oda Schottmüller bis zum Ende ihrer Schulzeit labil. Ihre schulischen Leistungen reichten gerade aus, um im Sommer 1924 das Abitur abzulegen.

Ausbildungen

Danach wollte sie eigentlich Tänzerin und Bildhauerin werden, aber beides erlaubte ihr ihre Familie nicht. Sie plädierte für eine kunsthandwerkliche Ausbildung, die Oda in den folgenden Jahren in Pforzheim und Frankfurt am Main absolvierte.

Trümpyschule

1928 nun erlebte Oda Schottmüller die außergewöhnliche Tänzerin Vera Skoronel bei einer Vorstellung in Ascona und war so beeindruckt, dass sie sofort bei ihr tanzen lernen wollte. Skoronel leitete gemeinsam mit ihrer Schweizer Kollegin Berthe Trümpy (1895-1983) in Berlin eine der besten Schulen für den modernen künstlerischen Tanz. Oda war jetzt volljährig und machte an der Trümpyschule von Oktober 1928 bis Dezember 1930 heimlich eine professionelle Tanzausbildung. Ihrer Familie erzählte sie lediglich, sie nähme Gymnastikstunden.
In der Trümpy-Schule arbeitete der kommunistische Bildhauer Fritz Cremer (1906-1993) als eine Art Gelegenheitshausmeister, um sich etwas Geld zu verdienen. Mit ihm stand Oda viele Jahre lang im kollegialen Austausch.
Auch ihrer späteren Freundin Gertrud Wienecke (1908-1990) begegnete Oda in der Trümpy-Schule. Gertrud Wienecke gehörte als Meisterschülerin von Vera Skoronel deren Kammertanzgruppe an. Sie eröffnete später eine eigene Tanzschule am Kurfürstendamm, in der Oda dann sowohl Unterricht gab als auch eigene Tänze probte und aufführte.

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