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TANZWISSENSCHAFT 4 Der Choreograph und Ballett-Reformer Jean-Georges Noverre (1727-1810) wurde 1744, also im Alter von 17 Jahren, als Mitglied einer Tänzer-Gruppe um den französischen Ballettmeister J.-B. Lany von dem preußischen König Friedrich II. an die neu gegründete Königliche Oper in Berlin engagiert. Er blieb mit Lany und dessen Ensemble drei Jahre in Berlin und trat dort in 21 Opern-Balletten sowie in zahlreichen Tanz-Divertissements des französischen Schauspiels auf. Bisher war nicht bekannt, in welchen Opern, in welchen Rollen und Funktionen Noverre in Berlin tätig war. Es werden hier erstmals alle Auftritte Noverres in Berliner Opern-Balletten verzeichnet sowie seine Aufgaben und die aller seiner Mittänzer, zu denen die berühmte Barberina gehörte, charakterisiert. Es zeigt sich, daß die drei Berliner Jahre unter Lanys Führung und als fester Tanzpartner von Lanys Schwester auf den Anfänger Noverre und sein Jahrzehnte später erschienenes Hauptwerk "Lettres sur la danse, et sur les ballets" einen größeren Einfluß ausübten, als man bisher wußte. Zugleich werden Art und Umfang der Ballett-Produktion an der Hofoper Friedrichs des Großen erkennbar. --------------------------------------------------------------- In 1744, at the age of 17, choreographer and ballet reformer Jean-Georges Noverre (1727-1810) was engaged, as a member of a group of dancers around French balletmaster J.B.Lany, by the Prussian King Frederick II for the newly-founded Royal Opera, in Berlin. He remained in Berlin with Lany and his company for three years, performing there in 21 opera ballets as well as in numerous dance divertissements of the French theater. It was previously unknown in which operas, in which roles and in which functions Noverre was engaged. Here, for the first time, all of Noverre's Berlin opera ballet performances are indexed, and all of his tasks and those of all of his co-dancers are characterized - including those of the famed Barberina. It reveals that the three years in Berlin under Lany's leadership, and as the designated dance partner of Lany's sister, had a greater influence on the novice Noverre and his major work, "Lettres sur la danse, et sur les ballets", which was to appear decades later, than was previously acknowledged. The type and extent of ballet production at the court opera of Frederick the Great will be equally discernible. --------------------------------------------------------------- "Nach der ganz Europa umfassenden Wirksamkeit Noverres, seiner Schüler und unmittelbaren Nachfolger besteht kein Zweifel mehr, daß das Ballett neben die Oper und das Drama als gleichberechtigte theatralische Kunst getreten ist." So lautet eine Bilanz zum Wirken des Choreographen Jean-Georges Noverre (1727-1810) in einer neueren Arbeit über das Ballet d'action in der Geschichte des Bühnentanzes 1). Der Autor konstatiert zueginn seines Buches, daß "eine detaillierte Verfolgung" von Noverres Lebensweg nicht mehr unternommen zu werden brauche, da inzwischen genügend eingehende Forschungen hierzu vorlägen. Angesichts der notorischen Dürftigkeit biographischer Daten zu historischen Tänzer-Persönlichkeiten muß in der Tat die Fülle von Abhandlungen über Jean-Georges Noverre geradezu opulent erscheinen. Das Wirken dieses aus heutiger Sicht wohl bedeutendsten Choreographen des 18. Jahrhunderts hat, hauptsächlich aufgrund seiner kunsttheoretischen Schriften, schon seit dem 19. Jahrhundert eine sonst kaum jemals zu beobachtende Vielzahl von musik- und tanzhistorischen Interpretationen, Kommentaren und Quellenpublikationen gezeitigt. Eine der wichtigsten Veröffentlichungen der Noverre-Literatur erschien allerdings erst vor zwei Jahrzehnten: Mehr als 200 Jahre nach der von J. J. C. Bode und G. E. Lessing besorgten einzigen deutschen Ausgabe (Hamburg 1769) von Noverres choreologischem Hauptwerk, den "Lettres sur la danse, et sur les ballets" (Stuttgart und Lyon 1760), wurde endlich ein kommentierter Neudruck der deutschen Fassung veranstaltet. So verdienstvoll diese Edition als solche ist, die der Leipziger Tanzhistoriker Kurt Petermann herausgegeben und mit ausführlichem Nachwort sowie mit Werkverzeichnis, Bibliographie und Register versehen hat 2), so zeigt sich doch bei näherer Beschäftigung mit dem kritischen Apparat eine Reihe von eklatanten Mängeln und Seltsamkeiten, die symptomatisch sind für die traditionellen Schwächen der biographischen Noverre-Forschung: fehlender theaterhistorischer Überblick, Schwanken des Urteils je nach der gerade benutzten Sekundärliteratur, unpräzise Aussagen aufgrund unzureichender Kenntnis, Auswertung und Nachweise der Quellen2a). Die Tatsache, daß Petermanns Edition dennoch zu den gründlichsten neueren Veröffentlichungen über Noverre gezählt werden muß, verdeutlicht den Zustand der Forschung über den großen Neuschöpfer des Ballet d'action, die nicht einmal im biographischen Umriß und in der grundlegenden Werkinterpretation ein klares Bild zu schaffen vermag. Um wieviel schlechter sieht es da erst aus, wenn man sich einmal über einen bestimmten Lebensabschnitt des Künstlers näher unterrichten will - zum Beispiel über die Anfänge Noverres als Tänzer im Berliner Opern-Ensemble Friedrichs des Großen. Verfolgt man die Angaben darüber in den Noverre-Biographien seit 1882, als in London die erste größere Arbeit über den Ballettmeister erschien 3), so findet man diese Berliner Episode jeweils in zwei bis vier Sätzen abgehandelt, die deutlich machen, daß es dem betreffenden Historiker zu mühsam erschien, hier systematische Quellenforschung zu betreiben, um das Dunkel jener frühen Jahre durch gesicherte Erkenntnisse aufzuhellen. Dabei müßten doch gerade die ersten Jahre der Theaterpraxis eines später so gefeierten, einflußreichen Künstlers für die Forschung von eminentem Interesse sein, und dies umsomehr, als die Praxis Noverres als Tänzer nach allgemeinem Konsens auffallend kurz währte und daher all seine späteren pädagogischen Bemühungen, seine Analysen und Lehren zur Bewegung und Empfindung des Tänzers, im wesentlichen auf den Erfahrungen dieser Jahre fußen mußten. Überprüfen wir also zunächst, was die Biographen Noverres über die ersten vier Jahre seiner Bühnenwirksamkeit zu berichten wissen. Charles Edwin Noverre schreibt 1882 in "The Life and Works of the Chevalier Noverre": "In August, 1743, the young Noverre made his début before the Court of Louis XV., at Fontainebleau. Here he received an indifferent welcome; but in no way discouraged, he was soon afterwards residing at Berlin, where in a very short time he made himself a general favourite. Frederick the Great, and especially his brother, Prince Henry of Prussia, received him most affectionately. But Noverre could not overcome his dislike to the very rigid way in which the Royal Festivities were there conducted, nor his dissatisfaction at the little enterprise displayed in theatrical productions. In 1747 he returned to France" 4). Bereits ohne nähere Information über die tatsächlichen Vorgänge läßt sich erkennen, daß hier Wahrheit mit Dichtung vermischt ist. Aus englischer Sicht mußte es natürlich das rauhe, bekanntermaßen stets militärische Gebaren am preußischen Hof sein, das den jungen französischen Tänzer 5) abstieß, obwohl er es in "sehr kurzer Zeit" zum "general favourite" gebracht hatte! Solche rein spekulativen Folgerungen und Mutmaßungen begleiten das Noverre-Schrifttum bis in die Gegenwart 6). Hans Niedecken hat sich in seiner Dissertation 1914 erstmals wissenschaftlich mit dem Leben und Werk Noverres beschäftigt, doch seine musikhistorische Arbeit vermag über die Berliner Jahre des Künstlers nichts Neues beizubringen 7). Auch Andrei Levinson, der 1915 mit sicherem Blick Noverres Gestalt in ihrer Größe und in ihren Schwächen zeichnet 8), eilt über die Jahre 1744-1747 in einem Nebensatz hinweg. Noch 1950 herrscht in der nun endlich gründlichen und umfassenden, aber keineswegs fehlerfreien Noverre-Biographie Deryck Lynhams 9) weitgehende Ungewißheit über des Tänzers Anfänge in Berlin. Immerhin weiß Lynham bereits über die näheren Umstände von Noverres Engagement zu berichten, und er nennt vier Opern, bei denen er Noverres Mitwirkung als sicher oder wahrscheinlich bezeichnet. Doch die Zeitpunkte von Beginn und Ende der Berliner Tätigkeit des Künstlers blieben Lynham ebenso unbekannt wie dessen Stellung und Aufgaben an der Hofoper Friedrichs des Großen 10). Pierre Tugal in seiner 1959 erschienenen Noverre-Monographie 11) erwähnt das Berliner Engagement in einem einzigen Satz und fügt hinzu: "Über diese ganze Periode seines Lebens ist wenig bekannt." Manfred Krügers anfangs zitierte, 1963 erschienene Arbeit über Noverres Einfluß auf die Ballettgestaltung verzichtet, wie gesagt, von vornherein auf alle biographischen Forschungen. Die Tanz-Historikerin Friderica Derra de Moroda gibt 1976 im Rahmen ihrer Untersuchungen zum Ballet d'action 12) zu erkennen, daß sie trotz Lynhams Veröffentlichung so gut wie nichts über Noverres Frühzeit weiß: "Von Noverre als Tänzer hören wir erst in Berlin ... Hier finden wir 1747 den Namen Noverre im Corps de ballet, aber nicht als Solotänzer, wie einige Autoren behaupten. Wir wissen nichts weiteres über Noverre als Tänzer, da weder er noch irgend ein Dokument darüber Auskunft gibt" 13)). Petermann schließlich übernimmt nun all dieses Nichtwissen, beklagt das gänzliche Fehlen von Vergleichsmöglichkeiten zwischen Noverres tänzerischer Praxis und seinen choreologischen Arbeiten, ergeht sich in Mutmaßungen über die Ursachen für die schnelle Aufgabe seiner aktiven Tänzerlaufbahn und gelangt zu dem Schluß, daß Noverre sich so früh der Choreographie zugewandt habe, weil er als aktiver Tänzer erfolg- und bedeutungslos gewesen sei. Wenn somit nach mehr als 200 Veröffentlichungen 14), die sich in drei Jahrhunderten mit Jean-Georges Noverre beschäftigten, noch immer beklagt wird, daß kaum Fakten über die ersten Jahre seiner Bühnentätigkeit bekannt seien - eines Engagements bei einem der vortrefflichsten Opern- und Ballett-Ensembles, die zu dieser Zeit an einem der Höfe Europas zu finden waren - dann muß die Ursache solchen Defizits wohl methodologischer Art sein. Bekanntlich erfüllte um die Mitte des 18. Jahrhunderts das Ballett
eine Art "Dessert"-Funktion in der Aufführungsfolge des
Theaterabends. Seine Aufgabe bestand darin, als Divertissement die Zwischenakte
zu kennzeichnen und zu überbrücken, wobei möglichst nach
jedem Aktschluß Motive oder optische Elemente der vorhergegangenen
Handlung in tänzerischen Einzel- und Gruppenbewegungen wieder aufgenommen
werden sollten, um die von der Handlung erregten - oder gelangweilten -
Gemüter durch musikalisch-optische Harmonie, durch rhythmisch bewegte
Bilder zu besänftigen und zu zerstreuen. Das Ballett war weder eine
abendfüllende musikalisch-pantomimische Handlung, noch ein integrierender
Bestandteil der Oper, sondern nur ein formaler Bestandteil der Die Verpflichtung einer Ballett-Truppe als unverzichtbarer Bestandteil eines Opernbetriebs gehörte zu den ersten Forderungen, die Friedrich II. im Rahmen seiner Pläne zur Wiedererrichtung einer höfischen Musik- und Theaterkultur in Berlin stellte, nachdem er 1740 den Thron Preußens bestiegen hatte. Schon im August 1742, also noch vor Fertigstellung des neuen Opernhauses Unter den Linden, waren die ersten Tänzer aus Paris eingetroffen, darunter der Ballettmeister Michel Poitiers (auch: Poitier) mit seiner Geliebten, der Primaballerina Cathérine Roland; ferner Marianne Cochois (auch: Cauchoy) mit ihrem Bruder und ihrer älteren Schwester Babet, der späteren Marquise d'Argens, einer geistreichen und charmanten, umfassend gebildeten Schauspielerin und Tänzerin. Bei der Eröffnung des Theaters mit Grauns Oper "Cesare e Cleopatra" füllten sie mit Pas de deux und Pas de trois die Divertissements nach den Aktschlüssen. In der Folgezeit verlangte Poitiers aus berechtigten künstlerischen Erwägungen das Engagement eines kompletten Corps de Ballet, und als der sparsame König die Absicht äußerte, dieses von Fall zu Fall aus Dilettanten, jungen Berliner Bürgersleuten, ergänzen zu wollen (die Kosten für den Opernhausbau, die Dekorationen und die hochrangigen Sänger hatten bereits erhebliche Mittel verschlungen), fühlte Poitiers seine Kunst profaniert; er machte seinem Verdruß durch schlechtes Benehmen Luft, so daß er bereits im August 1743 in Ungnade entlassen wurde. Er reiste ab, nahm aber Demoiselle Roland mit, sehr zum Bedauern des Königs, der die schöne Ballerina in einem anonymen Artikel in der Spenerschen Zeitung als "eine der grösten Täntzerinnen von Europa" bezeichnete. Es wurde nun der preußische Gesandte am französischen Hof, Monsieur de Chambrier, beauftragt, in Paris unverzüglich für Ersatz zu sorgen. Schon im folgenden Monat gelang es ihm, den Solotänzer Jean-Barthélémy Lany (1718-1786) als neuen Ballettmeister zu gewinnen, im Verein mit seinen beiden Schwestern als Tänzerinnen. Bezüglich ihrer Aufgaben und Gagen schreibt Chambrier am 15. Oktober 1743 an den König: "... à savoir: Lany en qualité de maitre de ballet et de premier danseur et aux appointements de deux mille écus par chaque année ... Madeleine Lany pour danser seule à l'opéra et Charlotte Lany pour danser dans les prologues et dans les ballets aux appointements de mille écus pour les deux par chaque année." Lany durfte nun auch das unter Poitiers so unausreichend gewesene Corps de ballet durch Engagement weiterer Mitglieder auffüllen, so daß die künftig übliche Stärke von 18-20 Tänzern erreicht wurde. Schon die ersten drei Künstler, die er für das Berliner Hoftheater verpflichtete, rechtfertigten das Vertrauen in seine Fähigkeit, den qualitativen Ansprüchen des Königs zu genügen: außer Lanys Schwestern Louise-Madeleine und Charlotte wurde der 16jährige Jean-Georges Noverre engagiert, der nach Ausbildung durch den großen Louis Dupré (1697-1774) erst im Juni desselben Jahres sein tänzerisches Début am Théâtre de la Foire bestanden hatte. Von dem bedeutenden, damals bereits namhaften Lany an den Hof des Königs von Preußen mitgenommen zu werden, war für den Anfänger Noverre sicher nicht, wie Petermann meint, "ein weniger attraktives Angebot", sondern eine Auszeichnung, verbunden mit der Chance, im Ausland Erfahrung und Sicherheit in einem vorzüglichen Ensemble zu gewinnen. Für des Königs Verlangen nach höchster Qualität spricht nämlich auch der Entschluß, eine weitere Primaballerina von internationalem Rang zu engagieren, obwohl mit Marianne Cochois bereits eine exzellente Solotänzerin zur Verfügung stand und mit Madeleine Lany eine zweite hinzugekommen war. Unter den bekannten dramatischen Umständen und diplomatischen Verwicklungen wurde die bereits in Italien, Frankreich und England gefeierte Barbara Campanini, genannt Barberina, nach Berlin geholt 19), um in einem Corps de Ballet zu glänzen, das sich im neuen Opernhaus im wahrsten Sinne des Wortes "vor aller Welt" sehen lassen konnte und sollte. Allein die Zugehörigkeit Noverres zu dieser Truppe zeugt von der Anerkennung seines Talentes. Wie sah nun seine Bühnentätigkeit in Berlin aus? Von 1744 bis 1747 leitete Lany die Ballett-Einlagen zu elf Opern und deren Wiederholungen, und bei allen können wir die Mitwirkung Noverres entweder nachweisen oder mit Bestimmtheit annehmen. Lany debütierte am 20. November 1743 "à la Comédie" und gefiel dem König sofort außerordentlich: "C'est sans contredit un des grands sujets pour la danse qu'il y ait en Europe", schrieb er am folgenden Tag aus Potsdam an seine Schwester Wilhelmine 20). Die mit dem Karneval verbundene Opernsaison begann jedoch erst im Dezember mit der Premiere von Metastasio-Grauns "Artaserse", gefolgt am 24. Januar von "Catone in Utica". Die Textbücher enthalten keine Angaben zum Ballett, und Louis Schneider bemerkt zur zweiten Aufführung: "Mit dem Ballett war es diesmal schlecht bestellt, namentlich vermißte der König die Roland schmerzlich" 21). Lanys Truppe war anscheinend noch nicht zu voller Entfaltung und Wirkung gekommen, zumal die junge Madeleine Lany noch nicht die an eine erste Tänzerin gestellten Ansprüche erfüllen konnte. Anders sah es bei der Wiederholung am 15. Juli 1744 aus. Seit dem 8. Mai befand sich die Barberina in Berlin, und Lany hatte sein Corps de ballet vollständig versammelt. In fünf Festvorstellungen, die im Juli anläßlich der Vermählung der Prinzessin Ulrike mit dem Kronprinzen Adolph Friedrich von Schweden stattfanden, konnte sich das neue Ensemble bewähren. Lanys und damit auch Noverres erstes Auftreten in einem Berliner Opernballett mit eigener Choreographie fand also spätestens am 15. Juli 1744 im Rahmen der Aufführung von "Catone in Utica" (Metastasio/Graun) statt. Es folgten am 21. Juli "Artaserse" (Metastasio/Graun), am 22. Juli "La clemenza di Tito" (Metastasio/Hasse) sowie am 24. und 26. Juli "Rodelinda" (Botarelli/Graun), alles Wiederholungen früherer Inszenierungen mit neuen Ballett-Einlagen. Erst im nächsten Karneval brachten zwei neue Opern wieder nennenswerte Beschäftigung für das Ballettpersonal: "Alessandro e Poro" (Text von Metastasio) und "Lucio Papirio" (Text von Apostolo Zeno), beide wieder vom Hofkapellmeister Graun komponiert. Ein sicheres Indiz für die neue Qualität des Balletts ist die Tatsache, daß ihre Textbücher - die ersten, die seit dem Eintreffen von Lanys Truppe vollständig neu gedruckt werden mußten - erstmals nicht nur die Ballett-Einlagen erwähnen, sondern auch in einem Anhang die einzelnen Entrées mit den Namen der Ausführenden aufzählen. Das Corps de Ballet ist als künstlerisches Personal nunmehr den Sängern annähernd gleichgestellt. Von jetzt ab bis zum April 1747 läßt sich Lanys, Noverres und ihrer Truppe Beschäftigung bei der Berliner Hofoper aus den Textbüchern ablesen. Ein chronologisches Verzeichnis aller Berliner Opern, in deren Divertissements Noverre mit Sicherheit mitwirkte, mag zunächst einen Überblick über den Umfang seiner hiesigen Tätigkeit vermitteln: 15. Juli 1744 Catone in Utica (Metastasio/Graun) 21. Juli 1744 Artaserse (Metastasio/Graun) 22. Juli 1744 La clemenza di Tito (Metastasio/Hasse) 24. Juli 1744 Rodelinda (Botarelli/Graun) 21. Dez. 1744 Alessandro e Poro (Metastasio/Graun) 5. Jan. 1745 Lucio Papirio (Zeno/Graun) 29. Dez. 1745 Adriano in Siria (Metastasio/Graun) |