TANZWISSENSCHAFT 9 Frank-Manuel Peter:
Das Jahrbuch Tanzforschung, Band 11 „Tanzen im eigenen Saft“ haben die Herausgeberinnen ihre Einleitung überschrieben, und damit ist nicht die Gesellschaft für Tanzforschung e.V. gemeint. Worum es dem jährlichen Sammelband diesmal geht, wird vielleicht am besten aus den Titeln der einzelnen Beiträge deutlich: Identität – Bewegung – Tanz. Theoretische Reflexionen zum Begriff der Identität (Katharina Liebsch). Körper und Identität. Vorüberlegungen zu einer Phänomenologie des eigensinnigen Körpers (Annette Barkhaus). Mimesis des Tanzes. Ekstase und mythische Identifikation (Regine Mattheis). Tanz im Kontext (Martin Rudolf Vogel). Plädoyer für die Tanzgeschichte. Identitätsproblematiken einer Wissenschaftsdisziplin (Marion Kant). Rudolf von Laban. Tänzerische Identität im Spannungsfeld von Kunst, Wissenschaft und Politik (Evelyn Dörr). Palucca. Künstlerische Identität in politischen Systemen (Katja Erdmann-Rajski). Tanz der Geschlechter? Zur De/Konstruktion von Androgynie im Ballett (Annette Runte). Zeitgenössische Choreografinnen. Biografische Analysen (Martina Peter-Bolaender). Blind date – Der Tanz und sein Publikum (Christina-Maria Purkert). Fremde Tanzformen und vertraute Bewegungen. Identitätsfindung in der interkulturellen Bewegungserziehung (Carmen Cabrera-Rivas). Der Körper als Zugang subjektorientierten Lernens (Antje
Klinge).
Jeder der Texte hätte eine eigene Rezension verdient, und da dies
hier nicht zu leisten ist (und auch deshalb, weil das Deutsche Tanzarchiv
Köln ja Mitveranstalter des zugrundeliegenden Symposiums auf der Essener
Tanzmesse war), soll an dieser Stelle nur auf das Erscheinen des preiswerten
neuen Bandes in der für die letztlich doch junge Disziplin so wichtigen
Reihe hingewiesen werden. Auf dem Einbanddeckel grüßt symptomatisch
Valeska Gert in ihrer japanischen Groteske von 1917, mit wissenschaftlicher
Akribie in ihre Einzelteile zerlegt, in sauberen Rechtecken gestapelt,
gespiegelt, verdoppelt, vergrößert und in neuer Sichtweise zusammengesetzt
mit genügend Freiräumen für eigene Interpretationen, aber
auch nicht ganz vollständig. Man erfährt auf der Rückseite
des Titelblattes, daß das Cover von AnnA Stein stammt und die Bildbearbeitung
Dirk Dennhoven bewältigte. Hinter dem Wort „Fotonachweis“ steht der
Name der Tänzerin, der Titel ihres Tanzes und das Jahr. Aus welchem
Buch oder Archiv die Vorlage des Fotos stammt, ist ja vielleicht auch nicht
so wichtig.
Sabine Karoß / Leonore Welzin (Hg.):
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