Jump Cut - Nights
Körper – Leib – Raum
Kurator: Dr. Uwe Rüth, Direktor des Skulpturenmuseum Glaskasten Marl

Für den Tanz wie für die Skulptur und ebenso den Video--tanz spielt das Verhältnis des Körpers zum Raum eine grundsätzliche Rolle. Dieses Bewusstsein hat die Entwicklung in den letzten 100 Jahren entscheidend mitgeprägt. Besonders in den letzten Jahrzehnten kam es zu experimentellen Begegnungen zwischen Künstlern dieser Gattungen, die belegt haben, dass hier erstaunliche Parallelen zu finden sind.
Das Programm thematisiert die Begriffe »Körper« und »Leib«, beschäftigt sich mit Körper im Raum, mit dem sich durch den Raum bewegenden Leib und der subjektiven Wahrnehmung des Raumes.




1. KÖRPER

Ingo Günther: Rotorama,
1985, 3‘, Ton, Farbe

In einem Höhenflug der digitalen Bildbearbeitung setzt Ingo Günthers „Rotorama“ ein Karussell der Fernsehbilder in Bewegung.
Durch die extrem vorangetriebene Beschleunigung der technisch perfekten Bilder vermittelt er den Eindruck einer unaufhörlich rotierenden Medientrommel, die Informationen in einem rauschhaften Schwindel verschleudert.


Daniel Burkhardt: grundlos,
2005, 2'42'', Ton, s/w

Die Videoarbeit &Mac226;grundlos' verbindet drei Perspektiven zu einem Bild. Der Blick ruht auf einer urbanen Bodenstruktur, deren rechtwinklige Struktur sich in Kreis- und Spiralbewegungen entzieht.
Ein Paar schreitet über die wabernde Fläche, wie unberührt.


Wolfgang Ludewig: Les vaisseaux cinematographiques
(Das kinographische Gefäß),
2006, 7‘, Ton, s/w

Der siebenminütige Video-Clip „Les vaisseaux cinematographique“ geht der Frage nach, welche Art von Bildern wir zu sehen bekämen, würde ein Projektor, dessen Aufgabe es ist, Filme auf eine Leinwand zu projizieren, anstatt dessen seine eigenen Vorgänge, Strukturen und Eigenheiten in bewegte Bilder umzusetzen.


Erik Schmelz: Matrjoschka,
2005, 7‘35‘‘, Farbe

„In dem Video „Matrjoschka“ räume ich Gegenstände aus einer Umzugskiste in einen Raum ein. Die Dinge und der Raum werden für den Betrachter nur durch meine Bewegungen und Handlungen kurz sichtbar.“




2. LEIB

J.F. Guiton: Stand 20 - Paar B - eine Skulptur von Michael Witlatschil
1991, 12‘40‘‘, Ton, Farbe

Michael Witlatschil wird bei der Aufstellung einer seiner äußerst labilen Plastiken gezeigt: Künstler und Plastik kämpfen um den &Mac226;Stand'.


Video-Dokumentation von Cosima Santoro:
Im Goldenen Schnitt II
1989, 8‘, Ton, Farbe
Rauminstallation: Robert Schad
Musik: Johann Sebastian Bach, aus „Das wohltemperierte Klavier“, Akademie der Künste Berlin

„Wo Vera Röhms Environment die Bewegungen des Tänzers außerordentlich konzentriert ..., fransen die Lebensäußerungen des Choreographen in dem von Schad gestalteten Raum deutlich aus. Ein Verlust von Leben wird sichtbar, ein Sterben spürbar. Ein Totentanz begibt sich in den vierzehn Stationen eines christlichen Kreuzwegs.“ (Jochen Schmidt)


Peter Welz: william forsythe retranslating
"unfinished portrait" by f. bacon
2006, 2‘16‘‘, Ton, Farbe

bacon's unfinished portrait, still in Bewegung übersetzt, Studie
bacon's unfinished portrait, still, in Bewegung übersetzt, von drei Kamera- Perspektiven gefilmt
neues still, Zeichnung entstanden auf Papier während forsythe's Performance


Rexi Tom Weller/Ruben Malchow: Fest der Liebe
2005, 7‘58‘‘, Ton, s/w

„Fest der Liebe“ ist ein giftiger Angriff auf den Prolog von Leni Riefenstahls „Fest der Schönheit“. Der Film stellt die filmische Machart von „Fest der Schönheit“ in Frage und parodiert die propagandistischen Inhalte und Werte.


Thomas Köner: périphériques
2005-2006, 13'13'', Ton, Farbe

3 Orte am Rande unserer Wahrnehmung, 3 kurze Augenblicke des Alltäglichen. PÉRIPHÉRIQUES versucht, die Tiefe des Moments zu entdecken, als existierte ein Mikrokosmos der Zeit.
Menschen auf einer Straße in Harare, in Belgrad und einer Favela in Buenos Aires: die Kamera sieht zerfließende und wiederkehrende Muster in den Bewegungen der Menschen, erkennt Geschichten in Gesichtern, die transparent werden.
Im letzten Teil kommt unser Blick den vorbeigehenden Passanten am nächsten, aber die Personen erscheinen leer - auch sie etwa peripher?




Installation / Loop in der Jump Cut-Lounge:

Samuel Beckett: »Quadrat I u. II«,
Stücke für das Fernsehen für vier Schauspieler, Beleuchtung und Schlagzeug
Produziert durch den Süddeutschen Rundfunk Stuttgart, Sendetermin 08.10.1981, Gesamtlänge 14'58''

In seinen Werken fürs Fernsehen erschöpft Beckett zweimal den Raum und zweimal das Bild. Worte wurden für Beckett immer unerträglicher. Und den Grund dafür, dass er sie immer schlechter ertrug, kannte er von Anfang an: es ist die besondere Schwierigkeit, &Mac226;ein Loch nach dem anderen zu bohren' in der Sprachoberfläche, damit endlich &Mac226;die dahinter liegenden Dinge' sichtbar würden.




Ort:

Filmforum NRW c/o Kino im Museum Ludwig

Termine:

Mittwoch, 22.03.06 | Videoperformance - durch Bewegung erzählte Geschichten
Kurator: Georg Elben, Leiter der VIDEONALE in Bonn

Mittwoch, 05.04.06 | Körper und Identität
Kurator: Anita Beckers, Galerie Anita Beckers Frankfurt/ Jurymitglied der Videokunstmesse LOOP, Barcelona

Mittwoch, 03.05.06 | Körper - Leib - Raum
Kurator: Dr. Uwe Rüth, Direktor des Skulpturenmuseum Glaskasten Marl

(Termine für die 2. Jahreshälfte werden noch bekannt gegeben)

Jump Cut-Lounge ab 18.30 Uhr
Filmprogramm/Lecture: 19:30 Uhr


Konzept / Organisation: Birgit Hauska / Dr. Rita Kramp

SK Stiftung Kultur / SK Cultural Foundation
Im Mediapark 7
D-50670 Köln
Tel +49-(0)221 226 2906
Fax +49-(O)221 226 5919

Die Reihe Jump Cut - Nights sind eine Veranstaltung im Rahmen des Filmforum NRW.



Ingo Günther: Rotorama


Wolfgang Ludewig: Les vaisseaux cinematographiques


J.F. Guiton/Michael Witlatschil: Stand 20–Paar B


Cosima Santoro: Im Goldenen Schnitt II


Rexi Tom Weller/Ruben Malchow: Fest der Liebe


Thomas Köner: Périphériques


Dr. Uwe Rüth
*1942, studierte in Bonn Kunstgeschichte, Germanistik, Geschichte,
Archäologie und Vor- und Frühgeschichte. 1976 Promotion, als Referent für Bildende Kunst der Stadt Marl Aufbau des Skulpturenmuseums Glaskasten Marl und seit 1981 dessen Direktor. Seit 1973 Kurator von vielen Ausstellungen zur modernen Kunst und den Neuen Medien. In den neunziger Jahren künstlerischer Geschäftsführer der Trien-nale Ruhr GmbH in Essen (1994-1997) und künstlerischer Leiter der Großausstellung ICH PHOENIX im Gasometer Oberhausen (1995/96). Organisation des Marler Video-Kunst-Preises (seit 1984) und des Marler Video-Installations-Preises für Deutschland (1998). 1998-2002 künstlerische Konzeption und Aufbau des Internationalen Zentrums für Lichtkunst in der Lindenbrauerei in Unna, seit 2002 Organisation des Deutschen Klangkunst-Preises in Kooperation mit dem Radiosender
WDR 3.