"Kurt Jooss. Tanz als Bekenntnis"
Dokumentation D 2001, 60 | Regie: Annette von Wangenheim | Produktion: WDR
"Der Grüne Tisch. Ein Totentanz in acht Bildern"
Neuaufzeichnung mit dem Joffrey , Ballet of Chicago D/GB 2000, 35 | Regie: Thomas Grimm | Produktion: RM Associates, WTTW und WDR
Premierenfeier um 20 Uhr
im KunstSalon Brühlerstr. 11-13, 50968 Köln
Begrüßung: Birgit Hauska
Einführung: Dr. Patricia Stöckemann
Gesprächspartner:
Dr. Annette von Wangenheim (WDR),
Dr. Rudolf Heinemann (WDR),
Thomas Grimm (RM Associates),
Dr. Reiner Moritz (RM Associates),
Dr. Peter Bach (KunstSalon)
Am 12. Januar 1901 wurde der Tänzer, Choreograph und Tanzpädagoge Kurt Jooss geboren. Er zählt zu den Gründungsvätern des deutschen Tanztheaters und erlangte mit seinem Anti-Kriegsballett "Der grüne Tisch" Weltruhm. Die Bedeutung seines Werkes ist bis heute ungebrochen, ja kann vielleicht erst jetzt, im 21. Jahrhundert, in seiner vollen Tragweite erkannt und gewürdigt werden.
Der "Grüne Tisch" findet sich im Repertoire vieler internationaler Tanzcompagnien und zählt zu den stilbildenden Choreografien des 20. Jahrhunderts. Darüber hinaus ebnete Jooss den Weg für das deutsche Tanztheater. Er gehörte 1927 zu den drei Gründern der Folkwangschule Essen, leitete die Tanzabteilung und richtete dort eine Experimentalgruppe ein: das "Folkwang Tanztheater-Studio".
Das 1961 neugegründete "Folkwang Tanzstudio" (FTS) gilt bis heute als Talentschmiede und Sprungbrett moderner Choreographen. Hier wuchsen die führenden Vertreterinnen des deutschen Tanztheaters heran: Pina Bausch, Reinhild Hoffmann und Susanne Linke, aber auch die nächste Generation jüngerer Nachwuchs-Choreographen wie Urs Dietrich, Daniel Goldin und Henrietta Horn.

Kurt Jooss war zeitlebens unangepasst sowohl künstlerisch als auch politisch. 1928 organisierte er in Essen den Zweiten Deutschen Tänzerkongress und brüskierte seine prominentesten Tänzerkollegen, allen voran Mary Wigman, indem er die damals viel beschworene Unvereinbarkeit der modernen und der klassischen Disziplin für absurd erklärte. Heute gilt das klassische Training allgemein als die beste technische Grundlage für jeden Bühnentänzer und wird an den staatlichen Ausbildungs-Institutionen für Tanz grundsätzlich neben den modernen Techniken gelehrt.
1933 weigerte sich Jooss öffentlich, sich von seinen jüdischen Mitarbeitern zu trennen, 1934 emigrierte er nach England. Im Gegensatz zu zahlreichen Tänzerkollegen, die während der Nazizeit ihre Kunst in den Dienst des Staates stellten, opponierte Jooss gegen das Regime. Er zählt zu den wenigen, die sich nicht angepasst haben. Erst 1949 kehrte er wieder nach Deutschland zurück, um erneut die Leitung der Tanzabteilung der Folkwangschule zu übernehmen.
Der allgemeine Wunsch nach Vergessen und Verdrängen führte nach Kriegsende zu einem Boom des klassischen Balletts. Jooss konnte sein "Folkwang Tanztheater der Stadt Essen" nur zwei Jahre, von 1951 bis 1953, halten. Dann wurden ihm die finanziellen Mittel entzogen. Er kümmerte sich gezielt um die Ausbildung junger Tänzer und Choreografen, die sein Erbe bis heute kontinuierlich weiterentwickelt und fest in der internationalen Tanzlandschaft verankert haben.

"Kurt Jooss. Tanz als Bekenntnis"
Seine Bedeutung für die Folgegenerationen hat die Regisseurin Annette von Wangenheim in ihrem einfühlsamen 60-minütigen Porträt herausgestellt. Sie nähert sich vor allem über das Bild, das sich andere von ihm gemacht haben. Ensemblemitglieder wie Noelle de Mesa oder Jean Cébron, Schülerinnen wie Pina Bausch, oder seine Tochter Anna Markard, die heute seinen Nachlass verwaltet und diverse Compagnien beim Einstudieren seiner Choreografien unterstützt. Von Wangenheims Dokumentation erzählt das Leben Kurt Jooss für den Tanz mit historischen Fotos, Amateurfilmmaterial aus den 30er und 40er Jahren und mit Filmaufnahmen von Jooss-Balletten heutiger Compagnien. Aber sie verfolgt auch stets die Ausläufer in die Moderne und spinnt die Fäden von Jooss zum Cullberg-Ballett, zu Reinhild Hoffmann und Susanne Linke wie schließlich auch zu Johann Kresnik als Vertreter eines Tanztheaters mit radikal politischer Aussage.
"Der Grüne Tisch. Ein Totentanz in acht Bilden"
Als zweite Filmpremiere bei der Kölner Jooss-Geburtstagsfeier wurde eine Neuaufzeichnung von Jooss berühmten Antikriegsstück "Der Grüne Tisch" gezeigt. Von diesem Klassiker der Moderne, der bis heute von über vierzig Compagnien weltweit einstudiert wurde, hat Regisseur Thomas Grimm zusammen mit dem Joffrey Ballet of Chicago eine Fernsehaufzeichnung erstellt. "Wie aus dem Nichts taucht der Tod in dieser Fassung immer wieder auf, und in Großaufnahmen der Gesichter zeigt sich eindrucksvoll die von Jooss gewollte, ja initiierte Verbindung des Theatralen mit dem Tänzerischen." (Kölnische Rundschau, 16. Januar 2001)

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