Videotanzpreis 1998/99


Konzept 1998/99

Der deutsche Videotanzpreis wurde 1996 ins Leben gerufen, um den Film- und Videotanz in der BRD zu fördern. Initiatoren dieser bisher in Deutschland einzigartigen Förderung sind die SK Stiftung Kultur der Stadtsparkasse Köln und die INTERARTES GmbH, Essen. Der mit 80.000,- DM dotierte Videotanzpreis soll Nachwuchskünstlern die Realisierung erster professioneller Videotanzproduktionen ermöglichen. Darüber hinaus soll mit dieser Produktionsförderung Lobbyarbeit für den Videotanz bei der Presse, politischen Gremien, Filmstiftungen, Landesbüros für Tanz und Film sowie bei Veranstaltern und Programmgestaltern betrieben werden.

Der 2. deutsche Videotanzpreis 98/99 wurde um einen 2-wöchigen Workshop erweitert. Zwölf Workshopstipendien wurden an sechs Choreografen und sechs Filmregisseure vergeben. Aus dem Kreis der Workshopteilnehmer wählte eine internationale Jury am Ende des Workshops den Gewinner des Produktionsförderpreises aus.

Mit der Einrichtung des Workshops reagierten die Veranstalter auf die fehlenden Ausbildungsmöglichkeiten im Kunstgenre Videotanz in der BRD. Die wesentlichen Lernziele des praxisorientierten Workshops waren daher sowohl das intensive Kennenlernen der jeweils weniger beherrschten Kunstform, als auch die Fähigkeit, die Ergebnisse der Arbeit kritisch zu beurteilen. Von den Workshopleitern wurden kreative Prozesse initiiert, in denen die Filmemacher und Choreografen gemeinsam an verschiedenen Aufgabenstellungen mit wechselnder Zuständigkeit und Verantwortung arbeiteten.

Als dritter Veranstalter des Videotanzpreises 98/99 wurde das Choreographischen Zentrum NRW gewonnen.

Am 31. März 1998 wählte eine internationale Jury aus über 70 Bewerbungen zwölf Teilnehmer für den Workshop 98/99 aus. Es waren:

Film- /Videoregisseure:
Fabienne Audeoud
Jakobine Engel
Katrin Oettli
Andreja Rauch
Erik Sick
Urska Znidarsi


Choreografen:
Tamara Stuart Ewing
Francesca Harper
Martin Sonderkamp
Gabrielle Staiger
Darrel Toulon
Sarah Williams

Der Videotanz-Workshop fand vom 1. bis 15. Juli 1998 im Choreographischen Zentrum NRW in Essen auf der Zeche Zollverein statt, dessen Gebäude zu jener Zeit sich noch im Umbau befand, aber gleichzeitig eine außergewöhnliche Umgebung für kreative Ideen bot. Für die Leitung konnten der erfahrene belgische Filmemacher Walter Verdin sowie der slowenische Choreograf Iztok Kovac gewonnen werden.

Die Lehrenden legten Wert darauf, daß alle Teilnehmer auch die Choreografen selbst mit der Videokamera und den Videoschnittplätzen umgingen. So erlebten die Choreografen die Entstehung eines Tanzvideos in allen Phasen der technischen und ästhetischen Entscheidungen, und die Filmemacher gewannen Einblick in die Entwicklung einer Choreografie für den Kamerablick.
Für den Workshop standen Sach- und Barmittel im Wert von insgesamt 100.000,- DM zur Verfügung.




Workshop: Inhalte und Aufgaben

1. - 14. Juli 1998
Leitung: Walter Verdin und Iztok Kovac


Vorbereitende Aufgabe
Erstellung eines VHS-Tape mit Aufnahmen von zwanzig unbekannten Personen- dabei sollte jeder Teilnehmer selbst die Kamera führen, Dauer: 10-20 Minuten

Auf die Berücksichtigung bzw. das Bewusstsein von: Nahaufnahme - Totale, Schärfen - Unschärfen, hart - weich, Ton - Bild, Geschwindigkeit, bewegt - statisch, von unten - von oben, links - rechts, vorwärts - rückwärts, Stille - Geräusche, Lichtverhältnisse wurde im Anschreiben hingewiesen.


Task 1 - Schnittbewegung als gestalterischer Parameter - choreographic editing
Die Resultate der vorbereiteten Aufgabe mit Aufnahmen des Zechengeländes sollten auf eine vorgegebene Musik von 1' 30'' Länge geschnitten werden ("Schnittbewegung" als gestalterischer Parameter).

Die Aufgabe fand in Dreiergruppen statt, wobei Kamerabilder von allen jeweiligen Gruppenmitglieder benutzt werden konnten. So entstanden pro Dreiergruppe drei verschiedene Arbeiten auf die gleiche Musik.


Task 2 - Filmische Neuinszenierung
Die Teilnehmer wurden in sechs Gruppen mit jeweils einem Choreografen und einem Regisseur aufgeteilt.
Der Choreograf erstellte ein kurzes Solo.

a.
Der Regisseur filmte das Solo aus acht verschiedenen Kameraeinstellungen
b. Der Choreograf führte Regie, ebenfalls für acht verschiedenen Kameraeinstellungen des gleichen Solos
c. Aus a. und b. wurde die längste, bevorzugte Totale ausgesucht (25 - 35 Sekunden)
d. Gestaltung der insgesamt 16 Einstellungen aus a. und b. zu einer Arbeit von ca. 60 Sekunden, dazu sollten die Totale von c. und 7 weitere Einstellungen (aus a. und b.) benutzt werden
e. Wie d.), gleiche Totalaufnahme, aber keine Einschränkungen der weiteren Einstellungen und freie Wahl der Anzahl der Schnitte
f. Freie filmische Inszenierung mit den Arbeiten aus a. und b. mit Nachdrehmöglichkeiten


Task 3 - Gruppenchoreografie mit Tänzern
Die sechs Choreografen hatten jeweils 40 Minuten zur Verfügung, um mit den Tänzern 20 Sekunden Choreografie zu erarbeiten. Iztok Kovac gab choreografische Muster als Anregung vor.

Als Endprodukt soll eine 30 Sekunden lange Kamerachoreografie entstehen. Die Regie führen die Choreografen, dabei helfen die Regisseure, als Kamerafrauen/-männer stehen die Regisseure ebenfalls zur Verfügung.


Task 4 - Freie Kamerachoreografie
Kamerachoreografie ohne Aufgabenbindung oder -einschränkung für alle beteiligten Regisseure und Choreograpfen. Jeder Teilnehmer spricht und stimmt sein Konzept mit Walter Verdin ab.

Die Ergebnisse des Workshops wurden am 13.7.1998 präsentiert.
Am 14. 7.1998 wählte die Jury aus den Stipendiaten die Preisträger für den Produktionsförderpreis 1999 aus.





Die Jury 1998/99



Clara van Gool, Filmregisseurin, Amsterdam

Henk van der Meulen, Direktor der Musik und Tanzredaktion von NPS-Television, Hilversum

Sighilt Pahl, Trainingsleiterin, ehemals Solistin u.a. beim schwedischen Cullberg Ballett, Köln

Eckart Stein, Redaktionsleiter Das kleine Fernsehspiel ZDF, Mainz





Realisation

Synopsis

Mile "O" ist ein experimenteller Videotanzfilm über das Thema Fallen und die Auseinandersetzung mit der Schwerkraft. Alptraumähnlich bewegt sich eine Tänzerin am Steilhang, schiefe Ebenen werden ihr zum Verhängnis. Tamara Stuart Ewing und Katrin Oettli erforschen den Kampf nach oben und dringen so in Sisyphos’ ewige Welt ein.


Inhalt

Mile "O" - Ein Kurzfilm über das Fliegen und Fallen.
Eine junge Frau läuft durch einen dichten Wald einen Berg hinauf und versucht dabei immer wieder "abzuspringen", um vom Boden abzuheben.Bäuchlings landet sie mehrfach im Laub und Matsch, bis sie schließlich, sich rückwärts überschlagend, den Berg wieder hinunter rollt. Das Hinabrollen durch tiefes Gras geht über in ein bodenloses Fallen in einem dunklen nicht verortbaren Raum, unterbrochen einzig von kurzen helleren Einstellungen, in denen auch andere Personen einen Berg hinabrollen. Ein jäher Krach beendet den fast lautlosen Fall. Die junge Frau schlägt wie ein Geschoß durch eine Raumdecke und landet in einen nur schwach beleuchteten Innenraum. Langsam zu sich kommend, versucht sie mehrfach durch das Loch in der Decke dem Raum zu entkommen. Aber keines der vorhandenen Gegenstände trägt ihren Körper. Alle Versuche scheitern, bis sie wiederum herabfallend den Fußboden durchschlägt. Diesmal auf einem gleißend hellen, abschüssigen Schneefeld landend, geht ihr Fallen und "Sich-überschlagen" in ein lustvolles "Sich-den-Berg-hinunterstürzen" über. Begleitet von anderen Personen wird das Fallen zu einer Art "Fliegen".






Die Preisträger 1998/99

Die Jury wählte Katrin Oettli (Zürich) und Tamara Stuart Ewing (Köln) als Preisträgerinnen des Videotanzpreises 98/99. Sie erhalten eine Produktionsförderung über 80.000,--DM von der SK Stiftung Kultur der Stadtsparkasse Köln, der INTERARTES GmbH und dem Choreographischen Zentrum NRW.

Die Jury befand eine gemeinschaftliche Arbeit der beiden Autorinnen, die während des Workshops entstand, als besonders herausragend. Vielfältige Bewegungselemente wurden darin genutzt, um dem Film eine narrative Richtung zu geben, die zwischen verschiedenen Realitätsebenen changiert.

Die Choreografie zeichnete sich durch eine hohe Variationsbreite zwischen Tanz und Alltagsbewegung aus.




Alptraumähnlich bewegt sich eine Tänzerin am Steilhang, schiefe Ebenen werden ihr zum Verhängnis. Tamara Stuart und Katrin Oettli erforschen den Kampf nach oben und dringen so in Sisyphos´ ewige Welt ein - das ist "Mile O". Ein Videofilm über das Fallen und die Auseinandersetzung mit der Schwerkraft.





Pressestimmen

Dance on Camera Journal
10. Moving Pictures Festival of Dance on Film and Video
GZT Mitteilung
IMZ Bulletin
Neues aus der Tanzszene
Tanz Affiche
Handelsblatt
NRZ Essen
WAZ Essen
Kölner Stadt-Anzeiger
Kölnische Rundschau



Dance on Camera Journal
March – April 2002-07-01 Vol. 5 no. 2

Event: Dance /Screen
San Francisco Performances presents an evening of short dance films at the Screening Room at Yerba Buena Center for the Arts, 701 mission Street on May 14, 2002. Curated by Charlotte Shoemaker, the program includes THE WATER COOLER (Canada) directed by Sandra Sawatzky and choreographed by Nicole Mion; BARRAKUKDA-EIN STUCK TANZ (Switzerland) choreographed by Katharina Bariger and Stefanie Klemm who is also the director; TATTOO (UK) directed and choreographed by Miranda Pennell; IT’S ACHING LIKE BIRDS, (UK) directed by Lucy Baldwyn, choreographed by Lin Hixon and Goat Island; FEAR (Finland) directed by Esko Leimu and choreographed by Tiina Lindfors; MILE "O” (Germany) directed by Katrin Oettli and choreographed by Tamara Stuart Ewing; FLOCK OF FLYERS (Canada) directed by Isabelle Barsive and choreographed by David Danzon and Sylvie Bouchard.

For more information, contact: Charlotte Shoemaker: CharShoes@aol.com




10. Moving Pictures Festival of Dance on Film and Video
October 26 – November 3, 2001

Global Moves
Mile O
Germany, 2000 – 12 minutes/ video
Directed by Katrin Oettli; choreographed by Tamara Stuart- Ewing
An experimental video dance film that considers the themes of falling and gravity. In a nightmarish scenario, a dancer discovers her undoing on a steep slope. The filmmakers explore life’s never-ending struggle to achieve and, in so doing, enter into Sisyphus’s world of perpetuity.




GZT Mitteilung
September/Oktober 2000

Neues aus der Tanzszene
Die Preisträgerinnen des Videotanzpreises 1998/99, Tamara Stuart (Choreographis) und Katrin Oettli (Regie), sind mit ihrem Film "Mile O" im deutschen Pavillon auch auf der Expo in Hannover zu Gast.
Zu sehen ist der preisgekrönte Videotanzfilm am 12. September 2000. Der mit 80.000,-- DM dotierte Videotanzpreis wird alle zwei Jahre von der SK Stiftung Kultur der Stadtsparkasse Köln, der INTERARTES GmbH Essen und dem Choreographischen Zentrum NRW in Essen ausgeschrieben.
Informationen: SK Stiftung Kultur der Stadtsparkasse Köln, Referat für Videotanz, Im Mediapark 7, 50670 Köln, Tel.: 0221-226 29 06, Fax: 0221-226 59 19, E-Mail: videotanz@sk-kultur.de


Pressestimmen



IMZ Bulletin 9/10
September/Oktober 1998

Deutscher Videotanzpreis 98/99
Der mit 80.000,- DM dotierte deutsche Videotanzpreis wurde 1996 ins Leben gerufen, um den Film- und Videotanz in der BRD zu fördern und Nachwuchskünstlern die Realisierung erster professioneller Videotanzproduktionen zu ermöglichen. Initiatoren dieser bisher in Deutschland einzigartigen Förderung sind die IMZ- Mitglieder SK Stiftung Kultur, Köln, und Interartes, Essen, sowie das Institut für Mediengestaltung an der Folkwang Hochschule Essen.

Der 2.deuscteh Videotanzpreis 98/99 wurde erstmals um 2-wöchige interdisziplinär-praxisorientierte Workshopstipendien für 6 Choreographen und 6 Filmregisseure erweitert. Damit reagieren die Veranstalter nicht nur auf die fehlende spezifische Ausbildungssituation in Deutschland, sondern bringen die ausgewählten Filmemacher und Choreographen in einem engen und künstlerisch inspirierenden Arbeitsprozess zusammen.
Aus über 70 Bewerbungen wurden 12 Preisträger ermittelt – Fabienne Audeoud, Jakobine Engel, Tamara Stuart Ewing, Francesca Harper, Katrin Oettli, Andrea Rauch, Erik Sick, Martin Sonderkamp, Gabrielle Staiger, Darrell Toulon, Sarah Williams und Urska Znidersic – die ein Stipendium für den Videotanz- Workshop der vom 1. bis 15. Juli im choreographischen Zentrum NRW, Essen, unter der Leitung des belgischen Filmemachers Walter Verdin und des slowenischen Choreographen Iztok Kovacs stattfand, gewannen. Im Workshop wird Wert darauf gelegt, dass alle Teilnehmer selbst mit der Videokamera und der Weiterverarbeitung des Filmmaterials umgehen können und aus dem jeweils anderen Fachgebiet lernen. Die Choreographen machen die Entstehung eines Videotanzfilms Schritt für Schritt mit. Die Filmemacher gewinnen Einblick in die Entstehung einer Choreographie.

Die Jury – Clara van Gool, Filmregisseurin, Amsterdam; Henk van der Meulen, Leiter Musik und Tanz beim holländischen Fernsehen NPS; Sighilt Pahl, Köln, Trainingsleiterin und ehemals Solistin u.a. beim Cullberg Ballett; Eckart Stein, Redaktionsleiter "Das kleine Fernsehspiel" ZDF/Mainz – vergab den Videotanzpreis 98/99 und damit die Produktzinsförderung von 80.000,- DM an Katrin Oettli (Zürich) und Tamara Stuart (Köln), deren gemeinschaftliche Arbeit vielfältige Bewegungselemente nutzt, um dem Film eine narrative Richtung zu geben, die zwischen verschiedenen Realitätsebenen changiert.



Neues aus der Tanzszene
Sept. / Okt. 1998

Katrin Oettli aus Zürich und Tamara Stuart Ewing aus Köln sind die Gewinner des Videotanzpreises 1998. Die Produktionsförderung in Höhe von 80.000,- wird von der SK Stiftung Kultur der Stadtsparkasse Köln, der INTERARTES GmbH und dem Choreographischen Zentrum NRW zur Verfügung gestellt. Das Projekt wird 1999 realisiert werden.


Pressestimmen


Tanz Affiche
8/9 1998

Videotanzpreis Köln
Katrin Oettli aus Zürich und Tamara Stuart sind die Preisträgerinnen des Videotanzpreises 98/99. Sie erhalten eine Produktionsförderung von 80.000 DM con der SK Stiftung Kultur der Stadtsparkasse Köln, der INTERARTES GmbH und dem Choreographischen Zentrum NRW. Die Jury bewertete eine gemeinschaftliche Arbeit der beiden Autorinnen, die während eines Workshops entstand, mit dem Prädikat herausragend: "Vielfältige Bewegungselemente wurden darin genutzt, um den Film eine narrative Richtung zu geben, die zwischen verschiedene Realitätsebenen changiert."




Handelsblatt
Freitag, 8. August 1998

TANZ/ Neue Kunstform Videotanz
Die Kamera tanzt mit

Tamara Stuart (Köln) und Katrin Öttli (Zürich) sind die Preisträgerinnen des zweiten deutschen Videotanzpreises 1998/99 für Choreografie und Regie. Sie erhalten nun eine Produktionsförderung über 80000 DM, deren Ergebnis 1999 uraufgeführt wird. Vergeben wird der hoch dotierte Videotanzpreis, der als Förderung dieser neuen Kunstform gedacht ist, von der SK Stiftung Kultur (Köln), der Folkwang Hochschule und dem Choreographischen Zentrum NRW (Essen). Mit der Aufteilung des Preises in Workshopstipendien (weitere 100000 DM) und einen Hauptpreis sollen Tänzern, Choreografen und Filmemachern die fehlenden Fachkenntnisse vermittelt werden.
In der Tat scheint Deutschland bislang den Anschluss an die Entwicklung eines Genres verloren zu haben, das künstlerisch von den USA, Frankreich, Großbritannien und vor allem Belgien geprägt wird. Tanfilm, das mag manche an Fred Astaire oder Marika Rökk erinnern, oder an TV-Aufzeichnungen: reine Filmdokumentationen. Eine eigenständige Kunstform, der "Film-Tanz", wie er 1993 auf einem internationalen Symposium in Köln genannt wurde, entsteht jedoch erst dort, wo Choreografie, Regie und Kamera gemeinsam Anteil am künstlerischen Prozess haben und zu einer neuen Ästhetik des Tanzes führen. Während beim Bühnentanz der Raum des Geschehens vorgegeben ist, kann die Kamera hier einzelnen Tänzern folgen, kann mit Ausschnitten und Zooms die Aufmerksamkeit von der Totale auf Detailbewegungen verlagern. Dazu kommen zahlreiche filmische Mittel wie Überblendungen, Überlagerungen, Zeitlupe, Zeitraffer oder Perspektivenwechsel durch mehrere Kameras.
Mit der Videotechnik hat sich das Genre noch einmal gewandelt. Die Videokamera, klein und handlich, wird zum choreografischen Gestaltungsmittel. Sie kann sowohl die Bewegungen der Tänzer festhalten, wie auch sich mit den Tänzern fortbewegen oder durch Kamerafahrten selbst den Eindruck von Bewegungen hervorrufen. Zudem erweitert die Schnittechnik das Gestaltungsspektrum.
Wegweisend für den deutschen Raum ist die Arbeit der SK Stiftung Kultur der Stadtsparkasse Köln, die frühzeitig eine Tanzvideo-Kultur aufgebaut und bereits über 1000 Tanzvideos präsent hat. Aus diesem Fundus werden die seit 1991 veranstalteten "Tanzgeschichten" bestückt: themenorientierte Videotanzabende (z.B. Tanz und Architektur) für ein zwar noch kleines, aber umso interessierteres Publikum. Ebenso bietet die von der Tanzperformance Köln zweijährlich in der Bundeskunsthalle Bonn veranstaltete Reihe "pictures of (e)motion" dem Film-Tanz in allen seinen Facetten ein Forum.
In Deutschland steckt das Genre noch in den Kinderschuhen. Es gibt nur wenige Filmemacher (L. Gregor, St. Schneider, G. Weigelt), die sich dieser Kunstform zuwenden, und noch weniger Choreografen, die über den Bühnenraum hinausdenken. Davon zeugte auch die 5. Kölner Tanzfilmnacht, die leider keine deutschen Beiträge zeigte.
KLAUS KEIL


NRZ Essen
Mittwoch, 15. Juli 1998

Per Video dem Tanz Beine machen
80 000 Mark-Förderpreis vergeben
Von STEPHAN HERMSEN

Was nicht ins Raster passt, wird ignoriert. "Die Filmförderung sagt uns: Das ist Tanz. Und diejenigen, die den Tanz fördern, sagen: Was ihr macht, ist doch Film". Ulrike Boecking von der SK Stiftung Kultur aus Köln beschreibt so das Dilemma des Videotanzes hierzulande. Daran etwas zu ändern ist Aufgabe des Videotanzpreises, der zum zweiten Mal verliehen wurde.

Dass der Videotanz (oder das Tanzvideo) der Förderung bedarf, um das Niveau der Nachbarländer oder Nordamerikas zu erreichen, war bei der Preisverleihung an der Teilnehmerliste abzulesen. Mehr als die Hälfte der je sechs Regisseure und Choreografen kam aus dem Ausland, wo die Sparte Videotanz im Fernsehen ihren festen Sendeplatz hat. Ein Zustand, der sich auch an der Jury ablesen ließ. Mit Henk van der Meulen, Direktor der Musik- und Tanz-Schrittfolgen, Schnittfolgen-redaktion von NPS-Television in Hilversum, und der Amsterdamer Filmregisseurin Clara van Gool saßen zwei Niederländer in der vierköpfigen Jury.

Sie erkor das Video "Wash III" der Schweizer Regisseurin Katrin Oettli und der in Köln lebenden US-Choreografin Tamara Stuart Ewing zur besten Arbeit des 14-tägigen Workshops, welcher der Preisverleihung vorausging. "Die Vielfalt der Bewegungselemente, die narrative Richtung, die durch eine große Variationsbreite choreografischer und filmischer Mittel verfolgt wurde", gab bei der Jury den Ausschlag. Gezeigt wird das prämierte Stück auf Wunsch der Künstlerinnen nicht: Es sei schließlich nur ein Arbeitsergebnis. Sehr wohl vorzeigen lassen soll sich, was die Gewinnerinnen mit dem 80000-Mark-Stipendium machen: Es dient der Produktion eines sendefähigen Tanzvideos.

Aus Essen war niemand unter den 70 Bewerbern. "Das zeigt, daß Videotanz Element der Ausbildung werden muß. Die Tänzer und Choreografen sind zu sehr auf den Bereich Bühne konzentriert", diagnostizierte Gianni Malfer vom Choreographischen Zentrum. Der Wettbewerb soll das ändern: Hier lernten Choreografen und Regisseure, wie Tanz mit filmischen Mitteln umgesetzt wird, wie aus Schrittfolgen Schnittfolgen werden. "Unsere Hoffnung ist, dss durch diesen Workshop Kontakte entstehen", so Malfer. Indes: Mit diesem Workshop dem Videotanz auf die Sprünge zu helfen, scheint schwierig, da sich die Teilnehmer über die halbe Welt verteilen. Nahe liegender scheint da, eine lokale Lösung zu suchen: "Gerade zwischen Essen und Köln bietet sich eine Zusammenarbeit an", meinte Malfer: Essen als Tanzzentrum, Köln als Filmhochburg – hoffentlich treffen sich die Videotänzer da nicht auf halbem Wege in Düsseldorf...

Pressestimmen




WAZ Essen
Mittwoch, 15. Juli 1998

Videotanz kommt auf die Beine
Preisträger erhalten 80 000 DM

Die Filmregisseurin Katrin Oettli aus Zürich und die Choreografin Tamara Stuart Ewing aus Köln erhalten für ihr Tape "Wash Three" den mit 80 000 Mark dotierten Videotanzpreis 1998/99.
Das ist das Ergebnis eines 14-tägigen Workshops im Choreographischen Zentrum NRW auf der Zeche Zollverein, zu dem zwölf Stipendiaten aus über 70 Bewerbern eingeladen wurden. Unter der Leitung des belgischen Filmemachers Walter Verdin und des slowenischen Choreografen Iztok Kovac lernten sich die jungen internationalen Künstler kennen und tauschten ihre Erfahrungen auf den jeweiligen Fachgebieten aus.
Vier Tänzerinnen und Tänzer des Folkwang Tanzstudios und der Folkwang-Hochschule arbeiteten dabei mit den sechs ausgewählten Choreografen und den sechs Videofilmern zusammen. Profis und Anfänger bildeten dabei ein facettenreiches Spektrum. Die Choreografen waren verpflichtet, wie Gianni Malfer, Geschäftsführer des Choreographischen Zentrums erklärt, sich auch alle filmischen Prozesse von der Kameraführung bis zum Schnitt anzueignen. Umgekehrt mussten sich die Filmer mit dem Metier der Choreografen auseinander setzen. Die Technik wurde dabei vom Medienzentrum Interartes GmbH gestellt, das im ehemaligen Kühlturm auf Zollverein beheimatet ist.
Die Jury, mit Filmregisseurin Clara van Gool, Amsterdam, Henk van der Meulen, Chef der Musik- und Tanzredaktion von NPS-Television, HiIversum, Trainingsleiterin Sighilt Pahl und ZDF-Redaktionsleiter Eckart Stein, wählte nach Ende des Workshops aus zwölf Bändern die Arbeit der Schweizerin und der Deutschen aus, die das Preisgeld 1999 für eine neue Produktion verwenden.
Der in Deutschland noch unterentwickelte Videotanz, der auch bei den Fernsehsendern bisher auf wenig Gegenliebe stößt, soll durch den Preis und den Workshop stärker ins öffentliche Bewußtsein dringen. Die Auszeichnung macht jungen Künstlern Mut, durch die Praxis voneinander zu lernen und gemeinsame Ergebnisse vorzustellen.
Manfred Krause

Pressestimmen




Kölner Stadt-Anzeiger
Donnerstag, 16. Juli 1998

Kölnerin ausgezeichnet
Videotanzpreis für Katrin Oettli und Tamara Stuart Ewing

Zum zweiten Mal wurde jetzt der Deutsche Videotanzpreis vergeben: Die Auszeichnung geht an das Duo Katrin Oettli aus Zürich und die in Köln lebende Amerikanerin Tamara Stuart Ewing. Sie erhalten eine Produktionsförderung über 80000 Mark, die von der SK Stiftung Kultur der Stadtsparkasse Köln, der Interartes GmbH und dem Choreographischen Zentrum NRW gestellt werden. Das durch den Preis geförderte Videotanzprojekt soll l999 realisiert werden.
Im Unterschied zur Preisverleihung im Vorjahr fand die engere Auswahl durch die Jury im Rahmen eines Workshops statt. Geladen zu dieser Veranstaltung waren insgesamt zwölf der ursprünglich 70 Bewerber für den Preis: Sie erhielten dabei Gelegenheit zum Austausch mit renommierten Film- und TV-Profis und konnten eigene Videoskizzen realisieren, die der vierköpfigen Jury als Bewertungsgrundlage dienten. An der ausgezeichneten Arbeit von Oettli und Stuart loben die Preisrichter besonders, daß sich "die Choreografie durch eine hohe Variationsbreite zwischen Tanz und Alltagsbewegung" auszeichnet. Wenn der Sieger-Film im kommenden Jahr seine Premiere erlebt, kann er sich an einem höchst erfolgreichem Vorgänger messen lassen: "Burnt", das im letzten Jahr ausgezeichnete Gemeinschaftsopus der Kölner Vera Sander und Holger Gruss. (oß)



Pressestimmen



Kölner Stadt- Anzeiger
02.04.1998

Deutscher Videotanzpreis vergeben
Zwölf von 70 Bewerbern um den Deutschen Videotanzpreis erhalten ein Workshopstipendium. Mit diesem Ergebnis endete die erste Runde im Wettbewerb um den Preis, der von der Kölner SK Stiftung Kultur finanziert wird. Zu den zwölf Gewinnern gehören ( im Fach Filmregie) aus Köln Darrell Toulon, einstiger Solist des Tanz- Forums, und Gabrielle Staiger, frei arbeitende Choreographin des Arazzo Theaters.
Die jeweils sechs Kandidaten der Sparten Choreographie und Filmregie erhalten Anfang Juli die Möglichkeit, an einem Workshop unter der Leitung international bekannter Choreographen und Filmemachern teilzunehmen. Danach sollen sie Videoskizzen vorlegen, die im Herbst erneut von der dreiköpfigen Jury begutachtet werden. Eine dieser Arbeiten wird schließlich mit dem zum zweitenmal vergebenen Videotanzpreis ausgezeichnet, der mit 80 000 Mark Produktionsförderungsmitteln dotiert ist. Neu an der Ausschreibung des Wettbewerbs ist der zweiwöchige Workshop. Für ihn stehen 100 000 Mark zur Verfügung, die die SK Stiftung Kultur, der Folkwang- Ableger INTERARTES GmbH und das Choreographische Zentrum NRW in Essen gemeinsam aufbringen. (oß)



Kölnische Rundschau
01.04.1998

Videotanzpreis
Auszeichnung als Workshop
Sechs Choreographen und sechs Regisseure teilen sich dieses Jahr den Videotanzpreis des SK Stiftung Kultur: Fabienne Audéoud, Jakobine Engel, Katrin Oettli, Andreja Rauch, Erik Sick, Urska Znidarsic (Choreopraphie) und Tamara Stuart Ewing, Francesca Harper, Martin Sonderkamp, Gabrielle Staiger, Darrell Toulon, Sarah Williams (Regie). Sie bekommen einen zweiwöchigen Workshop, u.a. unter Leitung von Thierry de Mey, finanziert. 1999 soll dann die Preissumme von 80 000 Mark für ein dort entworfenes Projekt bereitgestellt werden. An der Finanzierung des 100 000 Mark teuren Workshops beteiligen sich neben der SK Stiftung das Choreographische Zentrum NRW und das Institut für Mediengestaltung INTERARTES in Essen.
Nach den ersten Erfahrungen hatte die vierköpfige Jury eine Weiterentwicklung der in Deutschland neuen Auszeichnung veranlasst. Das im Februar präsentierte Video "burnt" der Gewinner von 1997, Vera Sander und Holger Gruss, konnte handwerklich nicht ganz überzeugen. EB

Pressestimmen




Öffentliche Screenings und Teilnahme an Festivals

Vorführungen: Mile "O"

Premiere: Tanzmesse NRW, Essen, Zeche Zollverein 10.06.2000
Kölner Bücherherbst, "Tanzgespräche", Future Point 03.09.2000
Video im Foyer, Ludwigsburg 07.10.2000
Schaubühne im Lindenfels, Leipzig 01., 6.,7.10.2000
Expo Hannover, NRW-Länderwoche 12.10.2000
Dance Screen 2000, Monaco 13. – 16.12.2000
Solothurner Filmtage, Schweiz Januar 2001
Dance on Camera, New York 6.01.2001
Tanzhaus Wasserwerk, Zürich 18. – 20.05.2001
Festival der Nationen, Ebensee, Österreich 20.06.2001
ADF dancing for the camera, Durham NC 07.07.2001
Festival Internacional de Video-Danza de Buenos Aires 8.07.2001
Moving Pictures Festival, Toronto, Ontario 01.11.2001
New Dance Cinema 2002, San Francisco 14.05.2002
Lodzki Dom Kultury, Lodz 18.05.2002


Festivaleinreichungen
Napolidanza 2000, Neapel
Dance Screen 2000, Monte Carlo
Dance on Camera 2001, New York
ADF dancing for the camera, Durham NC 2001
Dance on Screen / The Place, London 2001
Festival Internacional de Video-danza de Buenos Aires 2001
Festival der Nationen, Ebensee, Österreich 2001
Moving Pictures Festival, Toronto 2001
Forum FCMM, Montréal 2001
Video Dansa, Barcelona 2001
Festival der Nationen, Ebensee 2001
11. Grand Prix International Video Danse, Lyon, 2002
TTV Riccione – Performing Arts on Screen, 30.Mai 2002