Witterungen – Photographische Aufzeichnungen zwischen Landschaft und Lebenswelt von Laurenz Berges, Michael Collins und Paola De Pietri

Die aktuellen Ausstellungen der Photographischen Sammlung | bis 8. Juli 2018

Paola De Pietri: No title, aus der Serie „Questa Pianura“, 2014 © Paola De Pietri

Das Projekt „Witterungen“ stellt drei Positionen aus drei verschiedenen Ländern vor: Laurenz Berges (*1966) aus Düsseldorf, Michael Collins (*1961) aus London und Paola De Pietri (*1960) aus Reggio Emilia, Italien. Mit ihren Photographien fokussieren sie auf landschaftliche und bauliche Phänomene, die sie weitgehend in der näheren Umgebung ihrer Ateliers bzw. Wohnorte entdeckt haben und insofern auch nochmals besser einer langfristigen Betrachtung unterziehen können. Alle drei bemerken in aller Achtsamkeit den minutiös verlaufenden Wandel ihrer Umwelt und nutzen ihre Großbildkameras und die damit erreichbare hohe Abbildungsqualität zur Dokumentation der faktischen und der atmosphärischen Gegebenheiten.

Der Begriff „Witterung“ findet in den Photographien der drei Künstler vielschichtige Analogien. Er kann sich auf das Wetter beziehen, aber auch eine Form von Intuition und hoher Wahrnehmungsfähigkeit beschreiben. Momente der Veränderung und Verwitterung, des Zerfalls, der Zersetzung, der Auflösung und Transformation finden Veranschaulichung. Vorgestellt werden dokumentarische, vor allem aber kontemplative Photographien, die sich vorschnellen Antworten verweigern, das Metier an seine Grenzen führen und die visuelle Neugierde herausfordern.

Laurenz Berges: Schulstraße, 2013 © Laurenz Berges, VG Bild-Kunst, Bonn, 2017

Die künstlerischen Positionen begegnen sich in der Ausstellung zum ersten Mal. Sie eint ihr Gespür und der genaue Blick für zeitbedingte sowie zeitlose Wirklichkeiten, für Fakten und allmähliche Transformationen ebenso wie ihre Sensibilität für die spezifisch feine Ästhetik, die daraus erwächst. Zur Ausstellung erscheinen drei hochwertige Leporellos, d. h. zu jeder der künstlerischen Positionen (Texte dt./engl.). Zusammengefasst in einem Schuber, sind die Leporellos darüber hinaus angelegt als künstlerische Publikationen mit sammlerischem Wert (Snoeck-Verlag, Köln, Gestaltung: Claudia Ott, Düsseldorf).

Michael Collins: Hoo Flats diptych, 2016 (right), © Michael Collins

zeitgleich in Raum 2:

Blick in die Sammlung: Landschaft – Transformation – Bildraum

Mit dieser die Hauptausstellung begleitenden Präsentation stellt Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur historische und zeitgenössische Werke vor, die die künstler-ischen Fragestellungen an die Thematik nochmals mehr vertiefen. Im Mittelpunkt stehen dabei drei Arbeiten, die als Dauerleihgaben aus dem Eigentum der Stiftung Kunst im Landesbesitz, NRW, vertreten durch die Kunstsammlung NRW, der Photographischen Sammlung 2017 übertragen wurden. Diese Werke von Boris Becker, Elger Esser und Candida Höfer werden nun erstmals in einer Gruppenausstellung mit Positionen aus den eigenen Beständen thematisch und formal in Beziehung gesetzt.

Werke von Lawrence Beck, entstanden in botanischen Gärten, schließen hier in geeigneter Form an. Hinzu treten in dieser Präsentation photographische Sequenzen von Albert Renger-Patzsch, Burkhard Jüttner und Klaus Rinke aus dem LVR-LandesMuseum Bonn, die sich konzeptuell einbinden. Ausgelotet werden auch darin landschaftliche Darstellungsoptionen, die den Zugriff des Menschen auf die Natur zur Anschauung bringt ebenso wie die Relation von Sujet und konzeptueller Umsetzung.

Albert Renger-Patzsch: Im Naturschutzgebiet der Heve, vor 1958. Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur, Köln © Albert Renger-Patzsch-Archiv/Ann und Jürgen Wilde; VG Bild-Kunst, Bonn, 2018

Raum 3:

Blick in die Sammlung: Paul Dobe, Photographische Naturstudien und Formfindung

Paul Dobe: Gemeiner Löwenzahn, Taraxacum officinale, Fruchtkopf, halbabgeblasen, 9.5.1914 © Nachlass Paul Dobe - Courtesy Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur Köln/Dauerleihgabe Privatsammlung

Von Paul Dobe (1880–1965) befindet sich ein umfangreicher Bestand an Abzügen, Negativen und weiteren Dokumenten in der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur. Dobe, ausgebildeter Zeichner, konzentrierte sich in seinem Werk auf das Studium der Natur. Blumen und Pflanzenstrukturen galt seine Aufmerksamkeit.

Die Schwarz-Weiß-Aufnahmen Paul Dobes zeichnen sich durch eine große Präzision aus, die Bilder sind sorgfältig montiert und beschriftet. Mit quasi wissenschaftlichem Anspruch und vor botanischem Hintergrund suchte Dobe nach Konstruktionsprinzipien, nach einem der Natur zugrunde liegenden Formgesetz. Mit vergleichbarem Impetus hat sich Dobe der photographischen Darstellung von unterschiedlichen Wolkenformationen gewidmet.

Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur, Im Mediapark 7, 50670 Köln, Tel.: 0221/888 95 300, E-Mail: photographie( at )sk-kultur.de, www.photographie-sk-kultur.de,

Laufzeit: 2. März bis 8. Juli 2018

Ausstellungen zu den Laufzeiten geöffnet täglich außer mittwochs von 14 bis 19 Uhr

Eintritt: 5,50 € (ermäßigt 3 €), erster Montag im Monat freier Eintritt! Regelmäßige Führung: Jeden Sonntag um 15 Uhr, Kosten: regulärer Eintritt + 2 € Führungsgebühr