Vorgestellt: Die Kölner Schreibschule für Jugendliche

Am Donnerstag, 24. November präsentieren die Teilnehmer der Kölner Schreibschule in der "Leseprobe2016" ihre literarischen Abschlussarbeiten.

Als kleine "Leseprobe" und "Appetithäppchen" finden Sie hier in den nächsten Tagen einige kleine Textauszüge der AutorInnen:

Auszug aus „A und Z“ von Daniel Paul Quaintrell
Eines Tages fand sich „Aal, der“ am anderen Ende des Wörterbuchs wieder. Sein Anfangsbuchstabe „A“ sah anders aus als die „Z“s von „Zypern“ und „Zynismus“ und „zyklisch“…

 

Auszug aus „Ein guter Tag zum Sterben“ von Eva Opfer
…Wieder geht ein erfolgloser Tag vorüber und langsam gehen mir die Ideen für einen zufälligen Tod aus. Als ich von der Klippe stolpern wollte, überlebte ich unversehrt, beim zufälligen Ertrinken, hatte mich Jemand raus gefischt und auch als ich über die Schienen stolperte und einfach liegen blieb hatte ein paar Hundert Meter vorher Jemand dieselbe Idee gehabt…

 

Auszug aus „Hinter dem Horizont“ von Ann-Katrin Schäfer
… Es war einmal vor langer Zeit, da wurden dem Land Myrlan zwei Königstöchter geboren. Von Fern und von Nah kamen die Leute, um die Schwestern zu bestaunen und ihre Segenswünsche kund zu tun. Das ganze Königreich feierte rauschende Feste zu Ehren der beiden Mädchen und die Luft war erfüllt von Gesang und Musik. …

 

Auszug aus „Das Blaue Zimmer“ von Ilaria Appel 
Das blaue Zimmer war unser Lieblingsort gewesen.

Der Ort, an dem jeder Gegenstand zu leuchten schien. An dem die Zeit für uns stehenblieb.

Ich war gerade mal sechzehn, noch ein Kind. Er war schon etwas älter, aber erwachsen war er nicht.

Wir lernten uns in einem kalten Sommer kennen. Unsere Familien waren beide reich, aber diese Art von reich, die es verbirgt. …

 

Auszug aus dem Text (Ohne Titel) von Esther Hagenkort
… Endlich ist die Schule vorbei. Dachte schon, ich bringe es nie mehr hinter mich. Schnell raus hier. Wieso klemmt denn mein Spind schon wieder? Blöder Atlas! Wirst du wohl da rein gehen? Ach Mensch. Na endlich. Oh da ist Lina. Ihre Haare kleben ihr ungünstig in der Stirn. Hatte wohl Sport. …

 

Auszug aus „Klein Heinrich“ von Orlando Lenzen
…„Entschuldigung, das würde ich nicht machen“ Lass dich von diesem Typen nicht beirren. Wer sind sie überhaupt und wieso lässt sie der Autor mit dem Leser sprechen? „Das ist ganz einfach, ich bin der Gründer des ältesten „Deine Mutter“-Witzes.“ ...

 

Auszug aus „Unbenannt“ von Carl Strunz
… Sie starrt mich an, mit einer furchteinflößenden Intimität, einer Trauer, einer Güte, einer Wut, einer Bitte, einer Verzweiflung, einer letzten Hoffnung und einer tiefen Enttäuschung, nur sie kann so emotional, so wunderschön, so wild und so herzzerreißend gucken, nur sie, Sophie. …

Auszug aus „Vorher“ von Isabelle Mollen:
…“Was haben dir deine Quellen denn zugetragen?", frage ich und weiß, dass sich jetzt ein Lächeln auf deine Lippen schleicht, ein kleines, ein amüsiertes, ein überlegenes. "Was sie mir zugetragen haben?", wiederholst du, unendlich langsam, weil du es genießt, mich zappeln zu lassen. Augenblick um Augenblick vergeht. "Sie haben mir zugetragen, dass das kleine Vögelchen auf Dienstreise geflogen ist."…


 Auszug aus „Rote Fäden“ von Luca Hubrig:
…Auf einmal läuft jemand in meine Einkaufstaschen rein und bringt mich zum Stolpern. Als er einfach weitergeht ohne sich zu entschuldigen, werfe ich ihm einen bösen Blick zu. „Arschloch“, murmle ich.

„Ganz genau! Er ist ein fettes, großes Arschloch!“, schimpft Leslie weiter.
Meine Gedanken kehren zurück zu David. „Also, eigentlich ist er nicht fett, sondern sogar …“, will ich einwenden, aber Leslie unterbricht mich sofort wieder. „Oh nein, Jessica! Fang jetzt nicht so an! Er hat dich verletzt und deswegen verdient er es nicht, dass du ihn in Schutz nimmst!“…

Patrick Findeis der Leiter der Kölner Schreibschule und Moderator der Veranstaltung stellt uns die Schreibschule vor:

 "An fünf Wochenenden in diesem Jahr haben wir uns getroffen. Von Freitagnachmittag bis Sonntagnachmittag. Die TeilnehmerInnen der Kölner Schreibschule für Jugendliche opferten bereitwillig ihre knappe Freizeit im stressigen Schulalltag, um zu schreiben, vorzulesen und zu diskutieren. Gemeinsam um einen großen Besprechungstisch sitzend, lauschten wir den Schicksalen und Abenteuern von Aliens, Auftragskillern, jenseitssehnsüchtigen Frauen, vorpubertären Neonazis oder „ganz normalen Menschen“. Die Freude über einen besonders gelungenen Text ergriff die ganze Runde; wenn etwas noch nicht stimmte an einer Geschichte, die Figur, der Plot, die Sprache den AutorInnen Probleme machte, entbrannte oft eine Diskussion, die die SchreibschülerInnen mit großem Gepäck, aber voller Tatendrang, in die nächste Schreibphase entließ.

Der Respekt der TeilnehmerInnen untereinander, der Zusammenhalt, die Freundschaft beeindruckten mich auch in diesem Jahr. Mein Wissen, meine Erfahrung als Schriftsteller hilft den AutorInnen hoffentlich bei ihrer weiteren Entwicklung, das aber auch ich ganz viel von ihnen lerne Wochenende für Wochenende, soviel ist sicher."

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