Illustration: Anja Olschewski


Archiv | Internationale Kinder- und Jugendbuchwochen

Shalom - Bücher und Filme aus Israel
28. Mai bis 21. Juni 2002


Die Autorin Dorit Orgad über die israelischen Kinder- und Jugendbuchwochen in Köln

“Ich spreche nicht über Politik - meine Aufgabe ist es zu schreiben” –
Die israelische Autorin Dorit Orgad zu Gast bei den internationalen Kinder- und Jugendbuchwochen in Köln, 28. Mai bis 21. Juni

Im Rahmen der Jüdischen Kulturtage Rheinland 2002 konnte der lang gehegte Traum der Organisatoren, israelische Autorinnen und Autoren einzuladen, Wirklichkeit werden.
Mechthild Kremer von der SK Stiftung Kultur befragte eine der eingeladenen Autorinnen, die 1936 in Deutschland geborene Dorit Orgad. Sie schreibt seit 1970 Bücher – überwiegend für Kinder und Jugendliche- und zählt heute zu den populärsten Kinderbuchautorinnen Israels. Für ihr Werk erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen. Als zweijähriges Kind musste sie gemeinsam mit ihrer Familie nach Israel/Palästina fliehen. Obwohl noch sehr klein, erinnert sie sich sehr genau daran, was es heißt, als Immigrant in ein fremdes Land zu kommen und eine neue Existenz aufzubauen.

Vielleicht sind es diese frühen Kindheitserfahrungen, die sich heute wie Leitmotive durch ihr mittlerweile 56 Bücher starkes Werk ziehen. “Ich schreibe über die Konflikte zwischen Juden und Arabern, aber auch über ihre Freundschaft, über die Geschichte Israels, über die Probleme der Immigranten“, erklärt die Autorin.

In Deutschland liest sie nicht zum ersten Mal. “Eine Sprache ist eine Heimat”, zitiert die perfekt Deutsch sprechende Autorin ein Sprichwort aus ihrem Land, und das erklärt ihre große Verbundenheit zu Deutschland, das sie neben Österreich und der Schweiz regelmäßig bereist.
“Die Vergangenheit ist vorbei, ich habe keine Probleme damit. Sie ist ein wichtiges Thema, man muss darüber sprechen und schreiben, aber ich sage den Jugendlichen immer, dass man weitergehen muss. Man muss eine neue Welt schaffen und etwas dafür tun, dass sie nicht untergeht. Darum ist es mir gerade so wichtig, hierher zu kommen. Ich fühle, hier habe ich ein Ziel.”

In Köln war sie in drei Schulklassen zu Gast und erzählt mit leuchtenden Augen von der zehnjährigen Miriam, die nicht aufhört, sie über die aktuelle Politik in Israel zu befragen und von ihren Klassenkameraden aus der fünften Klasse, die nach zwei Stunden noch nicht nach Hause wollen, weil die Begeisterung und der Wissensdurst sie nicht los lässt. “So etwas erlebt man nur ganz selten”, gesteht die Autorin. Jede Lesung ist anders und bringt neue Erfahrungen. Eine neunte Klasse interessierte sich zum Beispiel für literarische Themen, dafür, wie die Autorin recherchiert, wie sie die Geschichte entwickelt, wie sie den Titel eines Buches findet. Allerdings gab es auch schwierige Situationen zu meistern. In einer Kölner Gesamtschule waren die Schüler nicht auf die Lesung mit einer israelischen Schriftstellerin vorbereitet. Für Dorit Orgad war es zunächst sehr schwer, die Aufmerksamkeit und das Interesse der Schüler auf sich zu ziehen, zumal die Lesung auch noch durch die große Pause und den dazugehörigen Lärmpegel gestört wurde. Aber ihre große Erfahrung und die Lebendigkeit ihrer Lesung bewirkten, dass sie doch noch viele aufmerksame Zuhörer mit auf ihre Lesereise nehmen konnte.

Auf die Frage, ob sich diese Lesereise wegen der aktuellen politischen Lage von vorangegangenen unterscheidet, antwortet die Autorin: „Noch vor zwei Jahren sah es so aus, als wären Israelis und Araber einem Frieden sehr nahe und jetzt sind sie weit davon entfernt. Immer wieder gibt es Veränderungen und neue Themen in Israel, über die man schreiben kann und muss. Ich spreche nicht über Politik - ich schreibe über Konflikte in unserem Land. In erster Linie ist die Moral mir wichtig.“

Dazu beizutragen, dass die nachkommenden Generationen in einer toleranteren, friedlicheren Welt aufwachsen, das will Dorit Orgad mit ihren Lesungen erreichen. Viele Kölner Schüler, die sie erleben durften, dankten es ihr mit Aufmerksamkeit, Herzlichkeit und langanhaltendem Applaus. - Shalom Dorit Orgad!


Seit sieben Jahren veranstaltet die SK Stiftung Kultur gemeinsam mit ihren Partnern, dem Kulturamt der Stadt Köln, der StadtBibliothek Köln, den Katholischen Öffentlichen Büchereien und dem JFC Medienzentrum die Kinder- und Jugendbuchwochen mit je einem Gastland als Schwerpunkt. Gerade im Zuge der aktuellen Debatte über die Bildungspolitik in unserem Land ist die langjährige und auf Nachhaltigkeit zielende Arbeit der SK Stiftung Kultur mit ihrer Literatur- und Leseförderung der Stiftung wichtiger denn je.
Informationen erhalten Sie bei Uschi Schröter, die die internationalen Kinder- und Jugendbuchwochen initiiert hat und seit Jahren mit wechselnden internationalen Partnern organisiert.


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