Hörarchiv

Ein Jahr lang arbeiten die jungen AutorInnen in der Kölner Schreibschule an ihren Texten. Sie verfassen Romane, Gedichte, Erzählungen und Theaterstücke. Danach sprechen sie diese in einem Tonstudio selbst ein. In unserem Hörarchiv können die Werke jederzeit nachgehört werden.

Viel Freude beim Hören!

Judith Adams - "Ein Gespräch mit Gott"

Ein Text über das Älterwerden und alt sein, über Verlust und Verwirrung - und das Positive daran.

Ein Mädchen steht vor einem Mikrofon
Judith Adams spricht ihren Text ein. Foto: Janet Sinica, 2017
Ein Gespräch mit Gott
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Die warmen Strahlen der bronzefarbenen Herbstsonne schienen ihm in den Nacken und ließen den moosgrünen Weiher in der Mitte des Parks leuchten. Er saß auf einer morschen Bank am Ufer des Weihers und sah den Kindern auf dem Spielplatz beim Toben zu. In Gedanken malte er sich aus, wie sie wohl heißen mochten und was sie erwartete, wenn sie älter wurden.

Er ließ seine zittrigen Fingerspitzen über sein braunes Tweedjackett tanzen, als ihn eine Gruppe laut lachender Teenager aufschreckte. ...


Isabelle Mollen - "Vorher"

Es ist ein Telefonat von knapp vier Minuten. Aber es ist so viel mehr: Gefühle, Vorstellungen, Vertrautheit, Liebe.

Ein Mädchen spricht in ein Mikrofon
Isabelle Mollen liest ihre Erzählung "Vorher". Foto: Janet Sinica, 2017
Vorher
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Ich weiß, dass du allein zu Hause bist. Du hauchst die Worte ins Telefon, ich erkenne deine Stimme sofort. Sehe vor mir, wie du in deiner großen, leeren Wohnung stehst, vor der bereits abgeschlossenen Balkontür, und nach draußen schaust. Keine richtige Begrüßung, nicht die übliche Wie-geht-es-dir-Frage. Nur dieser eine Satz, der doch so viel mehr ist als nur ein Satz. ...


Daniel Quaintrell - "A und Z"

Ein Spiel mit der Sprache, ein Text über Freundschaft und vor allem übers Anderssein, sich selbst kennen, neu kennen lernen und treu bleiben. 

Ein Mann spricht in ein Mikrofon
Daniel Quaintrell spricht seinen Text im Tonstudio ein. Foto: Janet Sinica, 2017
A und Z
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Eines Tages fand sich "Aal, der" am anderen Ende des Wörterbuchs wieder. Sein Anfangsbuchstabe "A" sah anders aus als die Z's von "Zypern" und "Zynismus" und "zyklisch". "Aal, der" hatte die guten alten Tage vergessen, als er noch zwischen Aachen und aalglatt gestanden hatte. Und so lernte "Aal, der" nur Wörter kennen, die mit Z anfingen. Gerade mit "Zynismus, der" verstand sich "Aal, der" überhaupt nicht. 

Das allein hätte "Aal, der" überlebt. ...


Luca Hubrig - "Rote Fäden"

Es beginnt mit Liebeskummer und endet mit einer ganz besonderen Reise.

Ein Mädchen spricht mit geschlossenen Augen in ein Mikrofon
Luca Hubrig spricht ihren Text "Rode Fäden" ein. Foto: Janet Sinica, 2017
Rote Fäden
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Wütend stampfe ich die Straße runter und weiche den Touristen aus, die gefühlt an jeder Ecke stehen und Gebäude fotografieren, als wären diese in irgendeiner Hinsicht außergewöhnlich. "Ich verstehe das einfach nicht", jammere ich in mein Handy und schließe kurz die Augen, als mich der Schmerz ein weiteres Mal überrollt. "David ist ein Idiot! Er weiß gar nicht zu schätzen, was er an dir hat", bemerkt meine beste Freundin Leslie, die vermutlich am anderen Ende der Leitung in ihrem Zimmer auf und ab geht. 

Auf einmal läuft jemand in meine Einkaufstaschen rein und bringt mich zum Stolpern. Als er einfach weitergeht ohne sich zu entschuldigen, werfe ich ihm einen bösen Blick zu. "Arschloch", murmle ich. ...


Kiki Neugebauer - "Nur wie ein Muster im Stein"

Eine Fantasy-Geschichte über Freundschaft, Liebe, Schuld und den Rollen, die erfüllt werden müssen.

Ein Mikrofon im Vordergrund und dahinter verschwommen ein Mädchen. Nur die Haare und Wangen sind zu sehen
Kiki Neugebauer im Tonstudio. Foto: Janet Sinica, 2017
Wie ein Muster im Stein
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Manchmal stellt sie sich die Zeit wie einfach nur eine weitere Dimension im Raum vor. Wie ein Muster im Stein. Momente und Erinnerungen sind nicht vergangen, sie sind nur ein Teil des Musters, den Sanrak jetzt nicht mehr sieht, weil sie sich weiterbewegt hat. 

Sie sind nicht vergangen, sie existieren immer noch, nur außerhalb ihrer Wahrnehmung. Es wäre also immer noch diese Zeit, als Sanrak noch beinah ein Kind war und sie mit Khunra im violett-hellgrünen Gras saß, hinter ihr ragten die Häuser auf, wie Felsmassive, und von der zweiten Spezies hörte, mit der sie, die Hansack, in der Unendlichkeit des Alls in Kontakt gekommen waren. Eine Spezies, die sich "Mensch" nannte. ...