Birgit Åkesson

neben einer Plastik von Alexander Calder

Birgit Åkesson tanzt in der Galerie Blanche, Stockholm 1951; Foto: Hans Hammarskiöld

Birgit Åkesson (1908-2001) ist die Künstlerin, der sich die Photographen untergeordnet oder besser: respektvoll, ja dienend beigesellt haben und selbst neben der Plastik von Alexander Calder bleibt unklar, ob nicht eher die Tänzerin es war, die den bildenden Künstler inspirierte.

Mit ihrem unvergleichlichen solistischen Individualstil hat Birgit Åkesson den modernen Tanz deutscher Tradition, den Ausdruckstanz, fortgesetzt und revolutionär erneuert hat. Dabei wurde sie selbst wiederum zur Avantgarde ihrer Zeit. Sie war eine außergewöhnliche Vertreterin jener auf Mary Wigman und deren Schüler folgenden Generationen, vergleichbar in ihrer tanzgeschichtlichen Bedeutung im Europa der dreißiger bis fünfziger Jahre nur mit Dore Hoyer, neben dieser genauso einzigartig, jedoch europäischer wirkend - und vor allem in den dreißiger und vierziger Jahren von überregionalerer Bekanntheit als diese. Da es in Schweden zu dieser Zeit keine vergleichbare Ausbildung gab und Mary Wigmans Ruf längst über Deutschlands Grenzen hinausgedrungen war, ging Birgit Åkesson 1929 nach Dresden.

Erste Bühnenerfahrungen sammelte Birgit Åkesson in Berlin, namentlich bei Max Reinhardt. Doch in Berlin traf sie nicht auf die ihr passend erscheinende Stätte für ihre tänzerische Weiterbildung, und so zeichnete sich ein Aufenthalt in Paris als wünschenswert ab.Doch auch in der französischen Hauptstadt musste sie bald feststellen, dass auch hier offensichtlich keine ihren Vorstellungen entsprechende tänzerische Fortbildung möglich war. Aber Birgit Åkessson blieb, trainierte sehr viel für sich allein, lernte Kunst und Künstler kennen und suchte in sich selbst, was sie im zeitgenössischen Tanz nicht antraf. Und es verwundert eigentlich nicht, dass sie bei solch hartnäckiger Suche nach der eigenen tänzerischen Identität schließlich ein Programm eigener Tänze zusammenstellte, Freunde und Förderer ihrer neuen Kunst fand und am 25. März 1934 im Théâtre du Vieux-Colombier ihre erste eigene Tanzvorstellung geben konnte.

Die Suche nach Ursprünglichem, die zur Entdeckung der Langsamkeit führte und auch ihre Zusammenarbeit mit zeitgenössischen Komponisten, Schriftstellern und bildenden Künstlern prägte, wurde auch ausschlaggebend für ihre spätere, als Tänzerin forschende Hinwendung zu afrikanischen und asiatischen Tanzkulturen. 1967, nachdem sie vier Jahre zuvor die Gründung des Choreographischen Instituts in Stockholm initiiert und dieser Einrichtung als künstlerische Direktorin vorgestanden hatte, begann Birgit Åkesson ihre Afrika-Forschungen. Fünfzehn Jahre des Reisens und der Vorträge folgten und mündeten in der Publikation Die Maske des Quellwassers, einer einzigartigen Dokumentation afrikanischer Tänze und Riten, die 1983 erschien.

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