Marie Camargo (1710-1770)

Eine der besten Tänzerinnen ihrer Zeit

Die Carmago. Kupferstich von Laurent Cars nach Nicholas Lancret, nach 1730. Repro: Susanne Fern

Marie Camargo (1710-1770), Tochter eines in Brüssel ansässigen spanischen Adeligen, wurde im Alter von 10 Jahren ermöglicht, Tanzstunden bei zu ihrer Zeit berühmten französischen Ballerina Mlle Françoise Prévost (1680-1741) zu nehmen. 1726 debütierte sie in Paris und erregte bei den Experten sofort Aufmerksamkeit. Auch wenn ihre Ausdruckskraft anfänglich aufgrund ihrer Jugend von Kritikern als noch unreif bezeichnet wurde, rechnete man sie doch bald zu den besten Tänzerinnen ihrer Zeit, mit dem Potenzial, die Brillanz ihrer Lehrerin zu erreichen, wenn nicht zu übertreffen. Nach einem Streit wechselte Camargo von der Prévrost - sie hatte Camargo, vermutlich aus Neid, von Solorollen ausgeschlossen - zu dem ebenfalls hoch angesehenen Ballettmeister Michel Blondy (1675–1739). 1730 wurde sie auf Vermittlung von Blondy zur ersten Solotänzerin der Pariser Oper ernannt.

Obwohl ihre Sprunghöhe durch die damals noch üblichen Schuhabsätze beschränkt war, soll sie in der Lage gewesen sein, den Entrechat quatre auszuführen, einen Sprung in die fünfte Position, bei dem der Tänzer die gestreckten Beine mehrfach schnell hintereinander kreuzt (im Falle des Entrechat quatre zweimal). Indem sie ihr Kostüm (das damals noch traditionell aus knöchellangen opulenten Unterröcken und einem Reifrock bestand) einige Zentimeter kürzte und künftig Tanzschuhe ohne Absatz trug (wie sie anschließend im Ballett üblich wurden), erweiterte sie ihre technischen Möglichkeiten beträchtlich.

1736 verabschiedete sich Marie Camargo als Geliebte des Comte de Clermont vorläufig aus der Ballettszene, kam aber 1741 nochmals auf die Bühne zurück und tanzte mit unvermindertem Erfolg bis 1751.