August Sander: <i> Bauernfamilie,</i> 1913 <br> © Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur - August Sander Archiv, Köln; VG Bild-Kunst, Bonn 2008

August Sander: Bauernfamilie, 1913
© Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur - August Sander Archiv, Köln; VG Bild-Kunst, Bonn 2008

August Sander: <i> Bürgerliches berufstätiges Ehepaar, </i> 1927 <br> © Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur - August Sander Archiv, Köln; VG Bild-Kunst, Bonn 2008

August Sander: Bürgerliches berufstätiges Ehepaar, 1927
© Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur - August Sander Archiv, Köln; VG Bild-Kunst, Bonn 2008

August Sander: <i> Zirkusleute, </i> 1926-1932 <br> © Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur - August Sander Archiv, Köln; VG Bild-Kunst, Bonn 2008

August Sander: Zirkusleute, 1926-1932
© Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur - August Sander Archiv, Köln; VG Bild-Kunst, Bonn 2008

 

August Sander – Bilder von Paaren und Familien

10. Januar – 20. April 2008
Raum 4
(Köln, Mediapark)
Im Mediapark 7, 50670 Köln

Die Kabinettpräsentation mit rund vierzig Photographien von August Sander aus der Zeit von 1911 bis in die 1950er Jahre zeigt, welch wichtige und durchgehende Bedeutung das familiäre Motiv im Werk des berühmten Photographen einnimmt. Sie bietet zudem eine interessante historische Parallele zur zeitgleich präsentierten Hauptausstellung Thomas Struth. Familienleben. Viele der in familiären Kontexten aufgenommenen Photographien Sanders sind ursprünglich als Auftragsarbeiten entstanden, sei es, dass August Sander aufs Land, vornehmlich in den Westerwald, gerufen wurde, um dort Familien abzulichten oder sei es, dass er die Bilder in seinem Atelier in Köln-Lindenthal fertigte. Anlässe dafür boten beispielsweise vielerlei Ereignisse: Jubiläen, Geburtstage, Konfirmationen, Hochzeiten, Taufen oder schlicht der Wunsch, ein Andenken zu erwerben, das den Kreis der Angehörigen, Kinder oder das Zusammensein mit dem Ehepartner gut getroffen wiedergibt. Es entstanden Erinnerungsstücke, die heute wie damals so besonders wie alltäglich sind, Erinnerungsstücke, die über einzelne Familien sowie über die Vielgestaltigkeit von Lebenswegen erzählen und nicht zuletzt trotz aller sachlicher Darstellungsweise emotional geladene Stationen markieren, die die persönliche oder auch – allgemeiner betrachtet – die gesamtgesellschaftliche Entwicklung betreffen.
Dass Photographien insofern eine über das Individuelle hinausgehende modellhafte Aussage haben können, darüber war sich August Sander im Laufe seiner bereits seit vor der Jahrhundertwende durchgeführten professionellen Arbeit sehr bewusst geworden. So hatte er Mitte der 1920er Jahre den Vorsatz gefasst, unter dem Titel „Menschen des 20. Jahrhunderts“ ein photographisches Werk zusammenzustellen, das unter Hervorhebung einzelner typologischer Aufnahmen einen Querschnitt durch die Gesellschaft seiner Zeit bietet. „Mit Hilfe der reinen Photographie,“ so seine Worte, „ist es uns möglich, Bildnisse zu schaffen, die die Betreffenden unbedingt wahrheitsgetreu und in ihrer ganzen Psychologie wiedergeben. Von diesem Grundsatz ging ich aus [,] nachdem ich mir sagte, dass, wenn wir wahre Bildnisse von Menschen schaffen können, wir damit einen Spiegel der Zeit schaffen, in der diese Menschen leben.“ (August Sander an Professor Erich Stenger, Brief vom 21. Juli 1925, Original Museum Ludwig, Köln/Sammlung Agfa).

Entsprechend dieses weitgesteckten Ziels gingen die von Sander für sein großes Portraitwerk hinzugezogenen Motive wohl über das Sujet der Familie hinaus und sollten schließlich hunderte von Photographien unterschiedlicher Berufs- und Gesellschaftsgruppen umfassen. Doch immer wieder – führt man sich die Aufnahmen aus den von Sander konzipierten Bildgruppen und -mappen vor Augen – tritt das Familiäre hervor und wird als Gesellschaft konstituierende oder auch Persönlichkeit stabilisierende Größe differenziert hinterfragt.
So findet sich in der aktuellen Ausstellung eine breit gefächerte Auswahl von Photographien aus den Mappen „Der Jungbauer“, „Das Bauernkind und die Mutter“, „Bauernfamilie“, „Der Kleinstädter“, „Die Frau und der Mann, „Die Frau und das Kind, „Die Familie“, „Der Aristokrat“, „Der Geistliche“, „Von den Festlichkeiten“, „Fahrendes Volk – Jahrmarkt und Zirkus“, „Fahrendes Volk – Zigeuner und Landstreicher“ und „Die letzten Menschen“. Neben eher traditionellen Lebensbildern kommen dabei auch alternative Familien, Teilfamilien oder Partnerschaften vor, die um so mehr verdeutlichen, dass das Zusammenleben bereits in früheren Zeiten trotz aller Konventionen einem weiten Spektrum unterschiedlicher Spielarten unterlag.

Bei den Wandexponaten in dieser Präsentation handelt es sich um Neuabzüge auf Grundlage der originalen Negativplatten von August Sander. Als Vitrinenmaterial sind Vintage Prints ausgewählt, die der Photograph als Auftragsarbeiten an verschiedene Familien ausgeliefert hatte und später von der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur zur Vervollkommnung des August Sander Archivs zurück erworben wurden oder als Dauerleihgabe aus Privatbesitz bewahrt werden.

© Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur - August Sander Archiv, Köln; VG Bild-Kunst, Bonn 2008








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